Zahlreiche Rennmäuse ein Verhalten, welches zunächst einmal für Tiere, die es gewohnt sind, unterirdische Baue anzulegen und dabei zu graben, vollkommen normal ist - sie scharren und graben in den Ecken ihres Geheges. Wenn die Rennmäuse aber kaum mehr etwas anderes machen, dann handelt es sich um eine Stereotypie, die ein eindeutiger Hinweis auf zu reizarme Haltung ist. Hier gilt es, schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen, denn wenn sich ein solches Verhalten erst einmal manifestiert hat, dann ist es kaum noch oder nur sehr schwer wieder abzustellen. Besser ist es deshalb, von Beginn an für eine Haltung zu sorgen, die den Rennmäusen ausreichend Reize anbietet und für Beschäftigung sorgt, sodass solche Verhaltensstereotypien gar nicht erst entstehen. Die Schaffung solcher Reize bezeichnet der Biologe als bevavioral enrichment, also Verhaltensanreicherung, was letztlich nicht anders bedeutet, als dass den Tieren Beschäftigung geboten wird, die ihnen die Möglichkeit gibt, ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben.

 Natürliches Verhalten von Rennmäusen

Um also für eine Verhaltensanreicherung  im Rennmausgehege zu sorgen, gilt es zunächst einmal, sich die natürlichen Verhaltensweisen der Rennmäuse naher anzuschauen. Eine ganz wichtige Rolle spielt dabei das Sozialverhalten. Freilebende Rennmäuse leben in Sozialverbänden unterschiedlichster Größen, was bedeutet, dass sie ständig mit anderen Gruppenmitgliedern kommunizieren und interagieren müssen. Dies sorgt ganz nebenbei für reichlich Beschäftigung. Ein erster Schritt für Beschäftigung im Rennmausheim ist also die Haltung der Tiere in Gruppen oder wenigstens Paaren, wobei diese gleichgeschlechtlich sein sollten, um Nachwuchs zu vermeiden. Nun wird aber gerade die Gruppenhaltung von Rennmäusen oftmals als schwierig bis unmöglich dargestellt, weshalb sich vor allem Anfänger nicht an diese haltungsform herantrauen. Das Geheimnis des Erfolgs liegt hier in der ausreichenden Sozialisation der Tiere. Viel zu oft werden Jungtiere zu früh aus ihren Familien entfernt, meist haben sie dann noch nicht alle notwendigen Verhaltensweisen für ein erfolgreiches Sozialleben gelernt. Sinnvoll wäre es, die Jungtiere bis zur Selbstständigkeit des Folgewurfes bei den Eltern zu belassen, erst dann haben sie alles mitbekommen, was zum Verhaltensrepertoire einer Rennmaus gehört. Als Gegenargument  hierfür wird meist die Gefahr der Inzucht gebracht. Tatsächlich habe ich aber noch nicht ein einziges Mal erlebt, dass der Vater seine Töchter vor der Selbstständigkeit des folgenden Wurfes gedeckt hat. Danach ist die Gefahr durchaus gegeben, da die Jungtiere aber dann aus dem Gehege genommen werden, ist diese rein theoretisch. Dies ist übrigens auch in der Natur meist der Zeitpunkt, an dem die nun erwachsenen Jungtiere ihre Familie verlassen, um eine eigene Gruppe zu bilden.

Der erste Schritt zum behaviral enrichment ist also ganz einfach ­– Artgenossen sorgen für „action“ im Gehege und damit für Beschäftigung.

 Graben ist der Rennmaus Lust

Nun reicht es aber nicht alleine aus, mehrere Rennmäuse zusammenzuhalten und dann zu hoffen, dass damit für ausreichend Beschäftigung gesorgt ist. Denn natürlich wollen auch die anderen Verhaltensweisen der Tiere befriedigt werden. Und zu einer der wichtigsten Verhaltensweisen gehört in der Natur das Anlegen von unterirdischen Bauen, in denen sich ein wichtiger Teil des Gruppenlebens abspielt. Genau dies versuchen  Rennmäuse in Menschenobhut auch, meist jedoch mit geringem Erfolg. Grund hierfür ist die verwendete Einstreu, die es nicht zulässt, dass die Tiere stabile Gänge und Höhlen anlegen können. Vor allem die meist verwendete Kleintierstreu, die letztlich nicht anders als Hobelspäne enthält, lässt das Anlegen von Gangsystemen nicht zu. Folglich versuchen es die Tiere immer weiter, der Erfolg bleibt aber aus. Dies lässt sich ganz einfach umgehen indem man die verwendete Einstreu den Bedürfnissen der Tiere anpasst. So kann man durch die Beigabe von Stroh, Heu und dünnen Ästen auch mit Hobelspänen ein Gemisch herstellen, welches ausreichend stabil ist und das Anlegen von Gängen und Wohnhöhlen zulässt. Noch besser ist eine Mischung aus Terrarienerde mit Tonpulver, welches an der Luft aushärtet. Dieses entspricht nicht nur annähernd der Beschaffenheit des Bodens in freier Wildbahn, es erlaubt auch das Graben von stabilen Bauen. Durch die Härte des Materials ist auch das Graben schwerer als bei üblicher Einstreu, was zusätzlich zur Beschäftigung beiträgt. Der Nachteil dieser Variante ist allerdings, dass es schwer wird, an die Tiere heranzukommen, wenn sie sich in ihren Bau zurückziehen, auch die Reinigung ist nicht ganz einfach. Dennoch ist gerade in größeren Gehegen diese Art des Bodengrunds eine empfehlenswerte Variante, die für reichlich Beschäftigung bei den Rennmäusen sorgt. Wesentlich bei beiden Varianten ist natürliche eine ausreichende Höhe der Einstreuschicht. Diese sollte mindestens 15cm, besser aber 20cm betragen, damit die Mäuse überhaupt Gangsystem anlegen können.

Eine weitere Möglichkeit  für ein reichhaltiges unterirdisches Familienleben für Rennmäuse zu sorgen, sind vorgefertigte Bausysteme aus Beton. Diese lassen sich ganz einfach herstellen, indem man in eine Styroporplatte Gänge und Höhlen formt (z.B. mit einem Heißluftfön) und diese dann mit einem Gemisch aus Fliesenkleber und Mörtel auskleidet. Die letzte Schicht kann zudem eingefärbt werden, sodass ein naturnaher Eindruck entsteht. Von vorne wird dieses Gangsystem mit einer Glasscheibe abgedeckt, sodass man die Tiere bei ihrem unterirdischen Treiben beobachten kann. Auf diese Weise sorgt ein solches System nicht nur für Beschäftigung bei den Rennmäusen, sondern auch beim Halter – zunächst beim Herstellen des Systems und später beim Beobachten der Tiere. Eine Bauanleitung für einen entsprechenden Rennmausbau von Georg Leithold findet sich in der Rodentia 33.

 Nahrungssuche ist Beschäftigung

So banal es auch klingen mag, eine der wichtigsten Beschäftigungen für frei lebende Rennmäuse ist die Suche nach Nahrung. Gerade hier gibt es in der Haltung in Menschenobhut Defizite, denn hier bekommen die Tiere alles auf dem Silbertablett präsentiert. So ist ein gut gefüllter Futternapf zwar wichtig für die Gesunderhaltung der Tiere, beschäftigt werden sie dadurch aber nicht.  Aus diesem Grund sollte zumindest Körnerfutter im gesamten Gehege verteilt werden, möglichst auch versteckt, damit die Rennmäuse die Nahrung suchen müssen und hierdurch beschäftigt werden. Greift man dabei auf möglichst kleine Sämereien zurück, trägt dies zusätzlich zur Beschäftigung bei. Ideal sind hierfür Grassamen geeignet, diese entsprechen nebenbei auch den natürlichen Futterquellen der freilebenden Rennmäuse. Generell gilt, je mehr Zeit die Tiere für die Suche und Aufnahme des Futters verwenden müssen, desto weniger Langeweile kann aufkommen.

Man kann den Zugang zum Futter auch künstlich erschweren, um so für mehr Arbeit für die Tiere zu sorgen. Eine Möglichkeit sind Papierrrollen (z.B. von Toilettenpapier), die mit Futter gefüllt werden und dann mit Papier verstopft werden. Gut geeignet sind auch kleine Kartons, die mit einem Gemisch aus Heu und Futter gefüllt werden können. In diese werden ein oder zwei kleine Öffnungen geschnitten durch die die Rennmäuse in den Karton gelangen, wo sie dann ihr Futter suchen müssen. Gibt man hier als besonderes Leckerchen ein paar Mehlwürmer mit in den Karton, ist der Eifer der Tiere bei der Futtersuche umso größer.

Erschweren kann man den Zugang zu Futter auch durch Aufhängen. Vor allem für Frischfutter, welches aus Hygienegründen nicht in der Einstreu vergrabe werden kann, ist diese Methode eine gute Möglichkeit, das Futter erarbeiten zu lassen.

Eine ganz einfache Beschäftigungsmöglichkeit über die Futtergabe, die ohne Aufwand für den Halter zu betreiben ist, ist die Gabe von Kolbenhirse. Dieses meist nur in der Vogelernährung  verwandte Futtermittel ist in jedem Fachhandel erhältlich. Da die Mäuse hier die Körner erst aus dem Kolben lösen müssen, ist für reichlich Arbeit gesorgt. Da Kolbenhirse keinerlei Zusätze an Zucker, Honig und dergleichen enthält, ist sie auch deutlich besser geeignet als viele im Handel angebotene Knabberstangen.

Zu guter Letzt – Nagen ist Beschäftigung

Egal was sich der Halter auch einfallen lässt, irgendwann ist die Rennmaus satt und der Bau angelegt. Aber auch jetzt kann für Beschäftigung gesorgt werden, die zudem zur Gesunderhaltung der Tier beiträgt. Denn wie bei allen Nagetieren wachsen auch bei Rennmäusen die Zähen zeitlebens und müssen durch Nagen an entsprechendem Material abgenutzt werden. Dies kann man zeitglich nutzen um für Abwechslung zu sorgen. Ein wichtiges Hilfsmittel ist hierbei Heu, welches nicht nur Nagematerial, sondern auch Futter und Nistmaterial darstellt. Daneben sind  Äste von Obstbäumen oder anderen ungiftigen Baumarten zum Benagen geeignet. Diese werden von den Rennmäusen komplett zerfasert und auch als Nistmaterial genutzt. Gleichzeitig nehmen sie die vielen Mineralien und Vitamine, die vor allem unter der Rinde stecken auf.