Im Gegensatz zu freilebenden Raubtieren haben Fleischfresser in Menschenobhut einige Vorteile. Neben der medizinischen Versorgung und einem sicheren Schlafplatz, bekommen sie vor allem ihr Futter auf dem Tablett serviert. Sie müssen weder Beute suchen, noch sich anschleichen und diese erlegen, sie bekommen ihre „Beute“ direkt in mundgerechten Stücken serviert. Dies hat durchaus Vorteile, denn sie müssen weder Hunger leiden, noch besteht die Gefahr, dass sie bei der Jagd verletzt werden. Gleichzeitig fehlt aber auch eine wesentliche Beschäftigung, die normalerweise den größten Teil des Tagesablaufs einnimmt.

Nun sind Frettchen zugegebenermaßen domestiziert und kommen nicht als wildlebende Form vor. Dennoch tragen sie die Gene ihrer Vorfahren in sich, Jagd und Beutemachen ist ihnen also nicht fremd. Nicht ohne Grund werden Frettchen bis heute bei der Jagd auf Kaninchen eingesetzt. Was liegt also näher, als unseren Heimtierfrettchen etwas mehr „Raubtierleben“ in den Tagesablauf einzubauen und so für reichlich Abwechslung zu sorgen.

Behavioral enrichment für Frettchen

Beschäftigungsmöglichkeiten für Frettchen gibt es zahlreiche und diese sind auch schon zu Genüge publiziert worden. Angefangen von einer Buddelkiste, in der die Tiere ihren Trieb zu graben ausleben können bis hin zu Hängematten und Verstecken, die ihnen als Rückzugsmöglichkeiten dienen. Sehr beliebt und häufig verwandt sind auch Gangsysteme aus Drainagerohren, die von den Heimtieriltissen gerne durchstöbert werden. Dies sind nur einige Beispiele für bereits bekannte und häufig angewandte Möglichkeiten des behavioral enrichment für Frettchen. Nur wenige Halter setzen aber bei der Raubtiernatur ihrer Pfleglinge an, im Gegenteil, es gibt inzwischen sogar eine größer werdende Gemeinde, die versucht ihre Frettchen vegan zu ernähren. Dies ist sicherlich nicht nur aus tierschutzrechtlichen Gründen bedenklichen und letztlich sogar lebensgefährlich für die so gefütterten Tiere, es lässt auch einen wichtigen Aspekt im Wesen der Frettchen außer Acht, denn sie sind unbestritten Raubtiere mit all den dazugehörenden Eigenschaften und Fähigkeiten. Genau diese kann man nutzen, um für Beschäftigung im Frettchenheim zu sorgen.

Futter nicht auf dem Tablett

Ein erster Schritt gegen Langeweile ist die Präsentation des Futters. Dieses wird üblicherweise im Napf gereicht und steht den Tieren ohne dass einer Anstrengung bedarf zur Verfügung. Dabei lässt sich gerade an diesem Punkt leicht etwas ändern. So kann man beispielsweise ein Eintagsküken an einer elastischen Schnur so aufhängen, dass die Frettchen es nur erreichen, wenn sie sich auf die Hinterbeine stellen. Haben sie das Küken ergriffen und halten es nicht richtig fest, so wird es durch die Schnur zurückgezogen und fängt an zu pendeln. Diese Bewegung ist ein zusätzlicher Anreiz für die Frettchen, deren Jagdtrieb dabei richtig geweckt wird. Immer wieder versuchen sie nach dem Küken zu schnappen und entwickeln dabei auf Dauer eine enorme Geschicklichkeit. Um eine zu große Verunreinigung des Geheges und der Umgebung zu vermeiden, empfiehlt es sich, vor dem Aufhängen den Dotter aus dem Küken zu entfernen. Wer kein Küken verfüttern möchte, weil er generell die Verfütterung von Ganzkörpern aus ethischen Gründen ablehnt, der kann auch Putenfleisch in Streifen schneiden und dies in gleicher Weise im Gehege platzieren.

Insekten sorgen für Bewegung

Noch stärker wird der Jagdtrieb der Frettchen durch die Fütterung von Heuschrecken gefördert. Diese werden einfach ins Gehege gesetzt und müssen dann durch die Frettchen erlegt werden.  Allerdings sind Heuschrecken zumindest anfangs bei den wenigsten Tieren beliebt, durch regelmäßiges Anbieten gelingt es aber meist, sie als Futterquelle schmackhaft zu machen. Meine Frettchen möchte die Insekten inzwischen nicht mehr missen und werden schon ganz aufgeregt, wenn sie mich nur mit der Heuschreckendose sichten. Haben die Frettchen erst einmal die Heuschrecken als Futterquelle angenommen, gibt es zahlreiche Variationsmöglichkeiten, um für Beschäftigung zu sorgen. So können die Insekten in einen Karton, der mit Heu oder Papierschnitzeln gefüllt ist gegeben werden. Dieser wird dann verschlossen und ist nur über eine kleine Öffnung für die Frettchen zugängig. Den meisten Tieren macht es einen Riesenspaß in den  Karton zu kriechen und dort nach den beliebten Leckerbissen zu suchen, wobei sie im Dunklen des Kartons vor allem ihren Geruchssinn einsetzten müssen.

Geruchssinn zur Beschäftigung

Gerade der Geruchssinn bietet eine weitere Möglichkeit, unsere Frettchen zu beschäftigen. So kann man im Gehege Spuren mit Gewürzen legen, denen die Frettchen dann nachspüren müssen. Dafür braucht es nur wenig Gewürz, sodass keine Gefahr besteht, dass es durch die Aufnahme zu gesundheitlichen Problemen kommt. Als besonders beliebt hat sich bei mir Curry, aber auch Anis erwiesen. Voller Eifer jagen meine Frettchen einer solchen Spur nach und wälzen sich auch in diesem für sie offensichtlich anregenden Geruch. Welche Duftnote besonders beliebt ist, muss jeder Frettchenhalter selber rausfinden, die Möglichkeiten sind dabei nahezu unbegrenzt. So wird also nicht nur das Frettchen beschäftigt!

Wer die Gewürze nicht im Gehege verstreuen will, kann diese auch in einen zugebundenen Jutebeutel geben und diesen in das Gehege geben. Auch hierauf reagieren Frettchen meist sofort. Mittels eines solchen Beutels kann man auch die „natürlichen“ Verhältnisse nachstellen. Füllt man einen Beutel mit Kaninchen- oder Meerschweinchenkot in zieht den Beutel dann durch das Gehege (z.B. durch die Drainagerohre), so kann man feststellen, dass die Frettchen dieser Duftspur enthusiastisch folgen. Zur Belohnung dürfen sie danach ein wenig mit dem Beutel, ihrer „Beute“, spielen und bekommen zudem ein Stück Fleisch.

Fazit

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten Frettchen artgerecht zu beschäftigen. Neben den bekannten Methoden in Bezug auf Gehegeeinrichtung sind dies vor allem Beutespiele, die die natürlichen Instinkte fordern und fördern. Diese lassen sich problemlos und ohne großen finanziellen Aufwand umsetzen und sorgen für ausgelastete Frettchen, die das sein dürfen, was sie sind – Raubtiere!