Bakterien sind einzellige Organismen von geringer Größe (0,5-5µm). Die Vermehrung findet durch Zellteilung statt, die unter günstigsten Bedingungen alle 9-40 Minuten stattfinden kann. Auf diese Weise kann es zu einer explosionsartigen Vermehrung kommen.
Behandelt werden Infektionen, die durch Bakterien hervorgerufen werden meist mit Antibiotika, die aber neben den Erregern auch andere, erwünschte Bakterien (z.B. in der Darmflora) abtöten. Durch bedenkenloses Verabreichen von Antibiotika können sich resistente Bakterienstämme bilden, die kaum oder nur schwer zu behandeln sind. Deshalb dürfen Antibiotika nicht prophylaktisch oder auf bloßen verdacht hin verabreicht werden, sondern die Gabe von Antibiotika sollte ausschließlich von einem Tierarzt nach sorgfältiger Überprüfung der Resistenzen der Erreger durchgeführt werden.


Häufige bakterielle Infektionen sind:

Mykoplasmosen
Diese Erkrankungen werden durch Mykoplasmen, den wohl einfachst gebauten pathogenen Organismen mit eigenem Stoffwechsel hervorgerufen. Obwohl Mykoplasmen in weiten Teilen Viren ähneln, handelt es sich um Bakterien.
Allen Erkrankungen, die durch Mykoplasmen hervorgerufen werden, ist die hohe Ansteckungsgefahr gleich, weshalb betroffene Tiere sofort isoliert werden müssen.
Zwei bei Nager bekannte Formen sind der Nasenkatarrh und der infektiöse Katarrh, der besonders Ratten befällt. Auffällig ist bei betroffenen Tieren, neben dem in einigen Fällen auftretenden Nasenausfluss, die knackende Atmung. In manchen Fällen ist sie der einzige Hinweis auf die Erkrankung, evtl. kommen aber auch struppiges Fell und Apathie hinzu. Im Endstadium der Krankheit kommt es zu kahlen Stellen im Fell sowie abgestorbenen Ohrrändern. Die Inkubationszeit der von Mycoplasma pulmonis verursachten und über direkten Kontakt oder Tröpfcheninfektion übertragenen Krankheit beträgt 10-14 Tage, der Tod erfolgt ca. 5 Wochen nach Ausbruch der Krankheit. In einigen Fällen leben betroffene Tiere aber auch wesentlich länger. Im Endstadium werden u.U. auch weitere Organsysteme wie Leber oder Mittelohr befallen. In den meisten Nagerbeständen ist der errger latent vorhanden, bei Änderung der Haltung bzw. bei Stress kann es dann zum Ausbruch kommen. Die Sterblichkeit liegt bei über 80%.
Ebenfalls durch Mykoplasmen hervorgerufen wird die Labyrinthitis (Rollkrankheit). Erkrankte Tiere fallen durch Kopfschiefhaltung auf, die im Verlauf der Krankheit immer extremer wird, bis das Tier schließlich nicht mehr geradeaus laufen kann und sich beim Laufen um die eigene Längsachse dreht. Diese Krankheitssymptome könne aber auch durch andere Erreger (z.B. Viren) verursacht werden.


Abszesse
Abszesse bei Nagern werden in vielen Fällen durch Strahlenpilze verursacht. Diese nur durch Färbungen von den Tuberkuloseerregern unterscheidbaren Erreger gehören entgegen ihrem Namen zu den Bakterien und nicht zu den Pilzen.

Staphylokokken
Staphylokokken sind häufige Erreger bei der Bildung von Furunkeln, Gliederentzündungen und Abszessen. Symptome sind dunkelrote bis violette Entzündungsherde, insbesondere an Milchdrüsen und Zitzen, Bindehautentzündungen, Unterhautabszesse. In einigen Fällen kommt es auch zu Krämpfen und Atembeschwerden. Häufigste Erreger sind die Bakterien der Art Micrococcus pyogenes.

Streptokokken
Auch sie verursachen Abszesse und kommen oft in Mischinfektionen mit Staphylokokken vor.
Enterokokken, z.B. S. faecalis, besiedeln den Verdauungstrakt und verursachen schere Darminfektionen, die sich in Durchfall äußern.
Einige Streptokokken wirken hämolytisch, d.h. sie lösen das Blut (besser die Blutbestandteile) auf. Infizierte Tiere zeigen einen krummen Rücken, das Fell ist struppig, die Nahrungsaufnahme ist eingeschränkt, evtl. wird die Nahrung komplett verweigert. Zusätzliche Symptome können Durchfall, Brustfell- und Bindehautentzündung sowie eitriger Nasenausfluss sein. Der Verlauf der Erkrankung ist dramatisch, innerhalb von 48 Stunden könne ganze Bestände betroffen sein. Die Sterblichkeit liegt zwischen 80 und 100% innerhalb der ersten drei Tage.
Hinweise auf eine Streptokokkeninfektionen können eitrige Gliederentzündungen sein, auch geschwollen Lymphknoten kommen vor. Evtl. brechen die Eiterherde nach Tagen oder Wochen nach außen durch. Die Sterblichkeit bei liegt bei ca. 40%, wobei besonders Jungtiere betroffen sind.
Meist gehen mit Streptokokkeninfektionen weitere Infektionen einher, so dass die Symptome meist uneindeutig sind.

Als Erreger von Bronchitis und Pneumonien können in vielen Fällen Diplokokken (Diplococcus pneumoniae) festgestellt werden. Husten und Niesreiz, erschwerte Atmung, deutliches Atemgeräusch, verklebte Augen und Nasenausfluss sind ein Hinweis auf den Befall mit Diplokokken. Wird Nasenschleim aufgenommen, kann es sekundär zu Magen- bzw. Darmkatarrhen kommen. Der Krankheitsverlauf kann sich bis zu 8 Wochen ziehen und verläuft in ca. 55% der Fälle tödlich. Übertragen wird die Infektion durch Tröpfcheninfektion. Oftmals kommt es zu Mischinfektionen mit Mykoplasmen. Einer der häufigsten Erreger bei Nagern ist Corynebacterium murium.
Eine verwandte Art dieses Erregers, Corynebacterium arthritidis, verursacht schmerzhafte Gelenkentzündungen, die an geschwollenen und geröteten Gelenken zu erkennen ist. Im Verlaufe der Erkrankung bildet sich an den entzündeten Gelenken Eiter aus.


Vor allem bei Ratten, bei auch bei Mäusen kommt die Listerose vor. Je nach Befallsherd kommt es zu abwechselndem Durchfall bzw. Verstopfung oder bei Befall des Gehirns zu Gleichgewichtsstörungen.

Kolibakterien (Escherichia coli ) sind im Regelfall harmlose Bakterien der Darmflora. Bei massenhafter Vermehrung, z.B. über infiziertes Futter oder Wasser, kommt es zu Atembeschleunigung und heftigen Durchfällen, die an der verklebten Afterregion erkennbar sind. Der Tod des infizierten Tieres tritt meist nach 1-2 Tagen ein.

Klebsiella pneumoniae verursacht sowohl bei Tieren als auch bei Menschen Lungenentzündungen. Der Verlauf ist meist deutlich schwere als bei durch Diplococcus pneumoniae Infektionen, wobei die Symptome sehr ähnlich sind. Zusätzlich kommt es bei Klebsiella-Infektionen in einigen Fällen zu Husten. Die Übertragung erfolgt über Tröpfcheninfektion, die Ansteckungsgefahr ist sehr groß. Bei kleineren Nagern beträgt die Inkubationszeit ca. 18 Stunden, bei größeren bis zu 36 Stunden. Die Sterblichkeit ist hoch.

Durchfälle sowie Ohrenentzündungen können auch von Bakterien der Proteus-Familie hervorgerufen werden. Sie betreffen vor allem Mäuse, seltener Ratten oder Hamster.

Schwere Infektionen, die nicht selten tödlich enden, werden durch Salmonellen hervorgerufen. Bei Mäusen treten Durchfall und allgemeine Schwäche bei akutem Verlauf auf. Meist sterben die Tiere innerhalb von 2-5 Tagen (Sterblichkeit ca. 80%). Bei der subakuten Form kommt es zu eitriger Bindehautentzündung, evtl. auch Lähmungen der Hinterextremitäten. Die Tiere sterben meist 14 Tage nach Auftreten der ersten Symptome.
Zwischen akuter und subakuter Form gibt es mehrere Zwischenstufen, die auch dadurch bedingt sind, dass es zu Mischinfektionen mit anderen Erregern kommen kann. Eine Gefahr stellen unhygienisch gelagerte Futtermittel sowie unhygienische Haltungsbedingungen dar.Deshalb ist Hygiene eine wichtige Maßnahme zur Vorbeugung von Salmonellose.
Leider treten auch bei dieser Erkrankung Dauerausscheider auf, die zwar selber nicht erkranken, aber die Erreger ausscheiden. Solche Tiere können die Ursache für das Zusammenbrechens eines gesamten Bestandes sein, wenn dieser durch Fütterungsmängel, Stress oder Haltungsfehler in ihrem Immunsystem geschwächt werden, wodurch sie besonders anfällig für pathogene Erreger werden.
Bei größeren Nagern kommt es in Zusammenhang mit Salmonellen seltener zu Durchfällen, dafür treten Verkrustungen in Nasennähe, schokoladenfarbige Färbung der augen und blasse Ohren auf. Der Tod tritt meist nach 7-14 Tagen ein.
Seziert man an Salmonellose verendete Tiere, zeigen sich Verfärbungen der Leber (blass oder gefleckt), und der Milz (vergrößert und purpurfarben). Auf dem Darm zeigen sich Nekroseherde und auch die Lunge ist gefleckt und evtl. purpurfarben.


Die Pseudotuberkolose wird von Erregern der Familie Pasteurella verursacht, zu denen auch die Pest-Erreger gehören. Symptome der Pseudotuberkolose sind Abmagerung, Lähmungen der Hinterextremitäten, Atemstörungen, evtl. Katarrhe und Nasenausfluss,. Des weiteren kann es zu Durchfall oder Verstopfung kommen, auch Darmvorfälle sind zu beobachten. Bei akutem Verlauf tritt der Tod innerhalb von 24 Stunden ein, wobei die Inkubationszeit ca. 8-14 Tage beträgt. Die subakute Form führt in 60% der Fälle innerhalb von drei Wochen zum Tod. Pasteurellen können auf den Menschen übertragen werden, deshalb sollte bei Ausbruch dieser Krankheit im Bestand, der Hausarzt zu Rate gezogen werden.

Hämorrhagische Septikämie ist bei Ratten eher selten, bei Hamstern und Mäusen kann sie aber ganze Bestände auslöschen. Verursacht wird die Erkrankung, die meist innerhalb von 48 Stunden tödlich wirkt, durch Pasteurella multocida. Betroffene Tiere werden apathisch, stellen die Nahrungsaufnahme ein und zeigen ein struppiges Fell. Untypische Anzeichen könne auch Durchfall, Lungenfellentzündung, Atemgeräusche und Nasenausfluss sein. Die Sterblichkeit beträgt bis zu 100%, wobei besonders Weibchen und Jungtiere betroffen sind.

Tyzzer´s diseases ist die von Haltern und Züchter wohl meistgefürchteste Erkrankung, zumal bisher alle Behandlungserfolge bisher kaum erzielt werden. Befallene Tiere zeigen Durchfall, der meist blutig ist ,allerdings zeigen nicht alle Tiere den typischen Durchfall. Zusätzlich kommt es zur Futterverweigerung und allgemeiner Apathie. Verursacht wird die Erkrankung durch Clostridium piliformis. Der Erreger gehört zur normalen Darmflora der Nager. Durch Stress, Mangelernährung oder fehlende Hygiene kann es dann zur massenhaften Vermehrung der Erreger und in deren Folge zur Erkrankung kommen. Der Einsatz verschiedener Antibiotika blieb dabei bisher erfolglos, meist sterben die Tiere innerhalb von 48 Stunden. Übertragen wird die Krankheit durch direkten Kontakt, aber auch über die Luft.