Von den Neuweltmäusen (Sigmodontinae) habe es nur wenige Arten geschafft, sich im Bereich der Heimtierhaltung zu etablieren. Zu diesen wenigen zählen vor allem die Kaktusmaus (Peromyscus eremicus) sowie die Weißfußmaus (Peromyscus polionotus), wobei die erstgenannte Art inzwischen nur noch selten in den Beständen anzutreffen ist. Noch seltenere ist jedoch ein anderer Vertreter der Neuweltmäuse, die Baumwollratte (Sigmodon hispidus). Dabei hätte diese Art es durchaus verdient, mehr Liebhaber zu finden, denn nicht zuletzt ihre Brutbiologie macht sie zu einem interessanten Pflegling.


Biologie

Beheimatet ist S. hispidus im Südosten der USA von Nebraska bis Florida, auch im nordöstlichen Mexiko ist sie zu finden. Sie ist eine von insgesamt 10 Arten der Gattung Sigmodon, deren Vertreter vom südlichen Nordamerika über ganz Mittelamerika bis ins nördliche Südamerika verbreitet sind. Der deutsche Trivialname Baumwollratte ist dabei irreführend, den als Vertreter der Neuweltmäuse hat sie nur wenig mit den zur Unterfamilie der Echten Mäuse (Murinae) zählenden Ratten zu tun.

Baumwollratten erreichen bis zu 20 cm Körper- und 14 cm Schwanzlänge, ihr Gewicht kann mehr als 200 Gramm betragen, wobei Männchen meist schwerer sind als Weibchen. Ihre Fellfärbung variiert von grau bis schwarz-braun und ist vergleichbar mit den etwas häufiger gehaltenen Nilgrasratten (Arvicanthis niloticus). In Deutschland scheint es derzeit zwei unterschiedliche Zuchtstämme zu geben, die sich in Größe und Gewicht sowie der Fellfarbe (graues bzw. braunes Fell) unterscheiden.

In ihrer Heimat bewohnt S. hispidus bevorzugt dicht mit hohen Gräsern bewachsene, aber eher feuchte Gebiete. Im Gegensatz zu vielen anderen Mausartigen, legen sie keine eigenen Baue an, sondern bauen ihre Nester aus Gras oder anderem Pflanzenmaterial oberirdisch auf dem Boden, allerdings nutzen sie auch bereits fertige Baue anderer Tierarten.

Die Populationsdichte der Baumwollratte schwankt stark, in guten Jahren kann es zu regelrechten Massenvermehrungen kommen, wobei die Tiere dann erhebliche Ernteschäden in Kulturflächen, vor allem von Zuckerrohr, Süßkartoffel und Baumwolle anrichten.


Interessante Brutbiologie

Ein Aspekt, der Baumwollratten zu besonders interessanten Pfleglingen macht, ist ihre Brutbiologie, in der sie sehr den Stachelmäusen (Acomys) gleichen. Wie diese bringen Baumwollratten nämlich sehr weit entwickelte Jungtiere zur Welt, die bei der Geburt bereits ein Fell besitzen. Schon kurz nach der Geburt öffnen die jungen Baumwollratten ihre Augen und sind dann auch außerhalb des Nestes unterwegs. Im Extremfall könne die Jungtiere bereits im Alter von 5 Tagen entwöhnt werden, im Normalfall werden sie aber von den Weibchen über einen längeren Zeitraum gesäugt.

Die weite Entwicklung der Jungtiere bei der Geburt geht zu Lastend er Tragzeit, die für Mäuseartige mit etwa 27 Tagen extrem lang ist. Nur die Stachelmäuse, deren Jungtiere ebenfalls sehr weit entwickelt geboren werden, haben mit bis zu 35 Tagen eine noch längere Tragzeit.


Baumwollratten als Heimtiere

Da Baumwollratten in Liebhaberbeständen nur noch selten anzutreffen sind, sollte alles dafür getan werden, damit diese Art nicht vollständig aus der Haltung verschwindet. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, die Tiere paarweise unterzubringen, da bei Gruppenhaltung immer wieder Verluste zu beklagen sind. Dies gilt auch für die Haltung gleichgeschlechtlicher Gruppen, denn auch hier kommt es oft dazu, dass ein unterlegenes Tier ausgegrenzt wird und letztlich entweder durch den hierdurch verursachten Stress oder körperliche Attacken der anderen Tiere zu Tode kommt.

Lediglich die Haltung von einem Männchen und bis zu drei Weibchen ist in einigen Fällen ohne Probleme gelungen, in Anbetracht der derzeitigen Bestandssituation sind solche Haltungen aber eher zu vermeiden.

Da Baumwollratten starke Nager sind, empfiehlt sich die Unterbringung in Glasbecken, vorzugsweise Nagerterrarien, da hier auch eine ausreichende Belüftung sichergestellt werden kann. Diese ist für S. hispidus von besonderer Bedeutung, da sie teilweise große Mengen Urin absetzen. Als Grundfläche sollte ein Maß von 100 x 50 cm für ein Paar nicht unterschritten werden, die Höhe des Beckens sollte dabei mindestens 40cm betragen, auch wenn Baumwollratten kaum klettern.

Zur Einrichtung sollten neben mehreren Schlafhäuschen aus Holz auch Äste von ungiftigen Baumarten (Obstgehölze, Weide, etc.) gehören, damit die Baumwollratten ihren Nagetrieb ausleben können. Mit größeren Wurzeln und Steinen kann zusätzlich Struktur in das Gehege gebracht werden, sodass jedes Tier die Möglichkeit hat, sich auch einmal außerhalb des Sichtfeldes der anderen Baumwollratten zurückzuziehen. Keinesfalls fehlen darf frisches Heu, welches die Tiere einerseits fressen, anderseits aber benötigen, um ihr Nest zu bauen. Das Futter besteht aus einer Mischung Kleinsämereien (z.B. Wellensittichfutter), welches durch Frischfutter ergänzt wird. Beliebt sind dabei vor allem Obst- Und Gemüsesorten mit hohem Wasseranteil, wie Gurke oder Äpfel, da Baumwollratten im Vergleich zu anderen Mäuseartigen einen hohen Wasserbedarf haben. Deshalb darf frisches Wasser niemals fehlen, welches den Tieren in einem Trinkgefäß gereicht werden sollte. Zwar sind Nippeltränken auf den ersten Blick hygienischer und verschmutzen auch nicht so schnell, allerdings nehmen Baumwollratten, wenn sie die Wahl haben, Wasserschalen besser an.

Keinesfalls fehlen darf bei der Ernährung der Baumwollratte das tierische Eiweiß. Vor allem sich reproduzierende Tiere haben hieran einen enormen Bedarf. Dabei sind sie nicht wählerisch und nehmen neben Heuschrecken und Grillen, auch Mehlwürmer oder Katzentrockenfutter an. Auch Eifutter wird von vielen Baumwollratten gerne gefressen.


Zucht

Die Zucht von Baumwollratten gelingt ohne größere Probleme. Sobald ein geschlechtsreifes paar zusammengesetzt wird, beginnt es mit der Reproduktion. Vor allem der brauen Stamm erweist sich dabei als extrem vermehrungsfreudig. Würfe von 6-10 Jungtieren sind die Regel und in vielen Fällen müssen die Elterntiere getrennt werden, wenn man die Nachzucht stoppen will, da sie sonst Wurf auf Wurf folgen lassen. Die Tiere des grauen Stammes scheinen hingegen weniger reproduktiv zu sein. Sowohl die Wurfgröße als auch die Wurffolge ist bei diesen Tieren geringer, Wurfpausen von mehreren Montane schein bei ihnen normal zu sein. Woran diese doch deutlichen Unterschiede liegen, ist bisher nicht bekannt. Hier wäre es wünschenswert, wenn sich zukünftig eine Halter intensiver mit den Baumwollratten auseinander setzen würden, auch wären genetische Untersuchungen sinnvoll, um abschließend zu klären, ob es sich bei beiden Stämmen tatsächlich um eine Art handelt.

Spätestens sechs Wochen nach der Geburt sollten die Jungtiere von den Eltern getrennt werden, da es ansonsten zu heftigen Beissereien, vor allem zwischen dem Vater und den nun geschlechtsreifen Jungmännchen kommen kann. Eine Abtrennung des Männchens während der Jungenaufzucht ist jedoch bei ausreichend großen und gut strukturierten Gehegen nicht erforderlich.

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