Die richtige Ernährung ist ein wichtiger Grundstein für die Gesunderhaltung von Hamstern. Dabei gilt jedoch, dass Hamster nicht gleich Hamster ist, denn die Ansprüche sind von Art zu Art verschieden.
Der Speiseplan der Hamster in freier Wildbahn wird meist durch jahreszeitliche oder regionale Gegebenheiten bestimmt. Und so ist manches Mal eine bestimmte Futtersorte knapp und der Hamster muss auf andere Nahrungsquellen zurückgreifen. In Menschenobhut sieht dies ganz anders aus, denn da ist ständig Futter im Überfluss vorhanden. Die Auswahl, was der Hamster zu fressen bekommt, trifft somit nicht die Natur, sondern der Halter. Und dieser muss sehr genau abwägen, was für sein Tier geeignet ist, denn Fütterungsfehler führen langfristig zu erheblichen körperlichen Schäden.

Hamsterernährung in der Heimtierhaltung
Hamsterfutter in menschlicher Obhut erhalten ist immer nur eine Ersatznahrung in Bezug auf die natürlichen Futterangebote. Dennoch sollte sie so naturnah wie möglich ausfallen, weshalb es sinnvoll ist, sich an den Ernährungsgewohnheiten der wilden Verwandten unsere Heimtierhamster zu orientieren. Auf diese Weise wird das Futterangebot nicht nur abwechslungsreich, der Hamster wird zugleich auch ausreichend beschäftigt.
Als Grundfutter ist eine Mischung aus Kleinsämereien bestens geeignet. Sie sollte überwiegend mehlhaltige Saaten enthalten, da ein zu hoher Fettanteil zu Verfettung des Hamsters und somit letzten Endes zu schweren Erkrankungen führen kann. Hirsesorten, die im spezialisierten Zoofachhandel in größerer Auswahl angeboten werden und auch einzeln zu beziehen sind, stellen die Grundlage der Saatenmischung dar. Zusätzlich können Glanz (auch als Kanariensaat bezeichnet), Hafer, Weizen und in geringen Teilen auch Sonnenblumenkerne der Saatenmischung beigemischt werden. Eine geringen Anteil am der Körnermischung sollten auch ölhaltigen Saaten wie Negersaat, Kardi, Perilla, Leinsaat, Hanf, Mohn oder Sesam ausmachen, da sie u. a. lebenswichtige Vitamine enthalten, zudem ermöglichen sie erst die Aufnahme fettlöslicher Vitamine.
Für Hamsterfreunde, die den Aufwand des Selbermischens scheuen, bieten hochwertige Wellensittich- oder Exotenfutter, dem ein geringer Anteil an Sonnenblumenkernen beigemischt werden kann, eine gute Alternative. Auch ein qualitativ gutes Großsittichfutter mit einem geringen Anteil an Sonnenblumenkernen kann als Grundfutter gereicht werden. Die Qualität eines Körnerfutters ermittelt man über die Analyse der Zusammensetzung (Auszählen der Bestandteile) und eine Keimprobe. Bei hochwertigem und frischem Körnerfutter müssen mindestens 90% der Körner keimen, ansonsten ist das Futter überlagert und enthält nur noch wenige Vitamine. Der Preis sagt generell nichts über die Qualität aus, allerdings werden in Billigfutter meist weniger hochwertige Sämereien eingesetzt, dies gilt vor allem für seltenere Hirsesorten.
Für Hamster geradezu ideal ist Neophemenfutter, welches in Futterhandlungen, die auf die Ernährung von Ziervögel spezialisiert sind, angeboten wird.

Keimfutter
In letzter Zeit hat sich die Gabe von Keimfutter in der Kleinsäugerhaltung immer stärker durchgesetzt. Auch für Hamster ist das Futter gut geeignet, vor allem in der Frühlingszeit, wenn auch in der Natur viele keimende Saaten zu finden sind, die von den Hamstern auch in ihrem natürlichen Lebensraum aufgenommen werden. Keimfutter hat einige entscheidende Vorteile gegenüber ungekeimten Saaten. So verringert sich durch den Keimvorgang der Fettgehalt der Samen und der Vitamingehalt, der bei trockenen Saaten kaum ins Gewicht fällt, nimmt zu. Besonders wenn die Keime gerade durchgebrochen bzw. erst 1 – 2 mm lang sind, stellt Keimfutter eine wertvolle Vitaminquelle dar. Bei längeren Keimen nimmt der Gehalt an Vitaminen deutlich ab, außerdem lagert der Keimling Bitterstoffe in den Sproß ein, weshalb er von den meisten Hamstern dann nur noch unwillig gefressen wird.
Wichtig bei der Keimfuttergabe ist vor allem die langsame Gewöhnung der Tiere an das Futter sowie der maßvolle Umgang damit. Zu hohe Keimfuttergaben oder eine zu rasche Umstellung kann zu Verdauungsproblemen mit schweren Durchfällen führen und dadurch ist der Vorteil des Keimfutters zunichte gemacht.

Grünfutter
Nicht alle Hamster nehmen in der Natur vegetative Pflanzenteile auf. Vor allem der Roborowski-Zwerghamster (Phodopus roborovskii) bevorzugt eindeutig Saaten, während Campbell (P. campbelli) und dschungarischer Zwerghamster (P. sungorus) auch in ihrem angestammten Lebensraum gelegentlich Blätter und Stängel zu sich nehmen. Beim Goldhamster (Mesocricetus auratus) hingegen machen vegetative Pflanzenteile einen Großteil der Nahrung aus, da sie sich als Kulturfolger vor allem in den Feldern aufhalten. Dennoch sollte bei allen Hamsterarten nicht auf Grünfutter verzichtet werden, da es auch für die Vitaminversorgung eine wichtige Rolle spielt. Allerdings sollte bei Roborowski-Zwerghamstern der Anteil an Grünfutter geringer gehalten werden, als bei anderen Hamsterarten.
Bei der Grünfuttergabe muss unbedingt beachtet werden, dass Hamster in freier Wildbahn vor allem Wurzel und grüne Pflanzenteile aufnehmen, während Früchte eigentlich kaum zum natürlichen Nahrungsspektrum gehören. Aus diesem Grund sollte auf die Gabe von Obst verzichtet werden, zumindest sollte sie deutlich reduziert werden, denn Obst enthält einen hohen Anteil Fruchtzucker, auf den der Organismus der Hamster nicht abgestellt ist. Ihr Verdauungstrakt ist vielmehr gewohnt, Mehrfachzucker zu verarbeiten. Diese finden sich aber vor allem im Gemüse, was aus diesem Grund viel besser als Grünfutter geeignet ist. Besonders Wurzelgemüse kommen den natürlichen Nahrungsquellen der Hamster sehr nahe. Gut geeignet sind Möhren, Petersilienwurzel, Sellerie und Steckrüben. Speisemöhren enthalten aber einen höheren Zuckeranteil, damit sie für uns Menschen süßer und damit angenehmer schmecken, weshalb Futterrüben nicht nur aus preislichen Gründen eine echte Alternative sind.
Daneben sind auch Feldsalat, Gurken und Zucchini bei Hamstern sehr beliebt. Ein Problem bei der Fütterung von Grün – oder Frischfutter ist die Eigenschaft der Hamster, Futtervorräte anzulegen. Bei Trockenfutter stellt dies keine Probleme dar, hingegen kann Frischfutter leicht anfangen zu schimmeln, weshalb es zu den regelmäßigen Pflichten eines Hamsterhalters gehört, Grünfutterresten aus den Vorratskammern des Pfleglings zu entfernen.

Grünfutter aus der Natur
Grünfutter muss allerdings nicht immer gekauft werden, die Natur bietet ein großes Angebot an Grünpflanzen, die bestens zur Verfütterung geeignet sind. Erstaunlicherweise wird darauf in den meisten Bücher kaum hingewiesen, obwohl sie ein ideales und vitaminreiches Futter sind. Es macht lediglich ein wenig Mühe, diese zu sammeln, aber das sollte Ihnen die optimale Ernährung Ihrer Pfleglinge wert sein. Frischluft, Bewegung und Naturerlebnis für den Halter sind dabei angenehme Nebeneffekte.
Nicht verschwiegen werden soll jedoch, dass Grünfutter ein (wenn auch geringes) Risiko der Krankheitsübertragung mit sich bringt. Deshalb darf mit Vogelkot verunreinigtes Grünfutter keinesfalls verfüttert werden, auch sollte nicht in der Nähe von stark befahrenen Strassen gesammelt werden, da diese Pflanzen erheblich mit Schadstoffen belastet sind. Ungeeignete Sammelstellen sind auch Hundewiesen oder frisch gedüngte Weiden.
Einige Wildkräuter, wie z.B. Vogelmiere (Stellaria media) können auch im eigenen Garten angepflanzt werden, eine Kultivierung auf dem Balkon ist ebenfalls möglich, sodass selbst Großstädter die Möglichkeit haben, diese Futterquelle zu nutzen.

Tierisches Eiweiß für den Hamster
Leider ist unter vielen Hamsterhaltern immer noch das Gerücht verbreitet, Hamster seinen Vegetarier. Dies stimmt so nicht! Im Gegenteil, je nach Art und Jahreszeit machen Insekten und andere Kerbtiere bis zu 50% der Nahrung freilebender Hamster aus. Einige Populationen des Roborowski-Zwerghamsters ernähren sich sogar überwiegend von Insekten. Deshalb sollten Hamster auch in Menschenobhut regelmäßig tierisches Eiweiß erhalten. Eine reine Ernährung mit Körnern und Grünfutter kann die Tiere zwar über länger Zeit am Leben erhalten, optimal ist sie aber sicher nicht. Besonders Jungtiere in der Wachstumsphase, aber auch trächtige oder säugende Weibchen benötigen größere Mengen an tierischem Eiweiß.
Der natürlichste Weg ist dabei die Gabe von Lebendfutter. Dieses kann entweder als Wiesenplankton selber gesammelt werden oder aber im Zoofachhandel erworben werden. Beim Sammeln von Wiesenplankton ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Insekten nicht in der Nähe von Flächen gesammelt werden, auf denen Pestizide und Insektizide eingesetzt werden, da diese sich in den Insekten sammeln und so zu einer schleichenden Vergiftung der damit gefütterten Tiere führen können. Ein weiteres Risiko stellen Krankheitserreger und Parasiten dar, die durch die in der Natur gesammelten Insekten in den Bestand eingeschleppt werden können.
Dieses Risiko bergen Insekten, die speziell als Futtertiere gezüchtet wurden, nicht. Bei deren Verfütterung muss jedoch sichergestellt werden, dass sie vor der Verfütterung ausreichend und vitaminreich gefüttert wurden. Schlecht gefüttertes Lebendfutter besteht hauptsächlich aus Chitin, was zu Verdauungsproblemen bis hin zu Vergiftungserscheinungen bei den damit gefütterten Hamstern führen kann. Bei Mehlwürmer kommt noch hinzu, dass sie in vielen Fällen auf Zeitungspapier gehalten werden, welches sie fressen. Auf diese Weise nehmen dann letztlich auch die Hamster die Inhaltsstoffe (z.B. Druckerschwärze) auf.
Ernähren Sie deshalb vor der Verfütterung die Futterinsekten mindestens eine Woche ausreichend und gehaltvoll. Larven (Mehlwürmer, Zophobas) können auf Kleie oder Haferflocken gehalten und mit Möhren u. ä. ernährt werden. Die Entnahme zur Verfütterung erfolgt dann mit einem kleinen Sieb, mit dem die Fäkalien der Larven ausgesiebt werden können. Grillen, Heuschrecken und Heimchen sollten ausreichend Grünfutter (Löwenzahn, Gras, Salat, etc.) erhalten.
Besonders bei der Gabe von Mehlwürmer hat es sich bewährt, diese vor der Verfütterung leicht mit Lebertran zu beträufeln und anschließend mit Vitamin- oder Mineralpulver zu bestäuben.

Andere Eiweißquellen
Für die Halter, die sich nicht zur Verfütterung von Lebendfutter durchringen können, bietet der Zoofachhandel eine Auswahl an Futtermitteln an, die als Ersatz geeignet sind. Neben Ei- oder Insektenfutter, wie es in der Ziervogelernährung verwandt wird, gibt es auch speziell auf Kleinsäuger zugeschnittenes Eiweißfutter (z.B. Carnivoro I von ThePetFactory), welches bestens geeignet ist, den Eiweißbedarf der Hamster zu decken. Auch getrocknete Garnelen sind gute Eiweißquellen, das gilt auch für Katzenfutter (trocken), wobei dieses aufgrund des meist hohen Salzgehalts eher selten angewandt werden sollte. Möchte man Katzentrockenfutter verfüttern, empfiehlt es sich auf Sorten für ältere Katzen (Senior) auszuweichen, da diese im Salzgehalt reduziert sind. Auch das im Katzenfutter enthaltene Taurin kann in Kombination mit dem Salz zu Gesundheitsschäden führen. Verfüttern Sie deshalb nur Katzenfutter ohne oder mit geringen Taurinzusatz.
Naturjogurt und hart gekochte Eier können ebenfalls als Eiweißquelle verfüttert werden, ebenso wie Hüttenkäse. Da dieser jedoch einen sehr hohen Fettgehalt hat, darf er nur in geringen Mengen verfüttert werden.
Die periodische Steuerung
In der Natur ändert sich das Futterangebot und die Menge im Laufe eines Jahres erheblich. Zeiten des Überflusses folgen Perioden mit geringem Angebot. Eine artgerechte Fütterung sollte auf die unterschiedlichen Phasen im jahreszeitliche Rhythmus der Hamster und auf die Haltungsbedingungen eingehen. So ist bei einer kalten Überwinterung der Anteil ölhaltiger Saaten entsprechend höher zu halten, als bei einer temperierten Haltung. Während der Zuchtphase muss hingegen der Anteil an tierischen Eiweißen, z.B. durch die Gabe von Lebendfutter, erhöht werden. Befinden sich die Tiere in einer Ruhephase reicht ein einfaches Erhaltungsfutter.
Es ist also in den meisten Fällen nicht ausreichend, ein einmal bewährtes Futter dauerhaft zu reichen, die wesentliche Frage, die sich der Halter stellen muss, ist, was er mit seinen Tieren erreichen möchte, um das Futterangebot entsprechend anzupassen. Hier hat es der reine Liebhaber, der keinerlei Wert auf Zucht legt sicherlich einfacher, da für seine Tiere ein Futter, dass alle wichtigen Nährstoffe enthält vollkommen ausreicht. Aber auch er sollte regelmäßig (vorsichtige) Änderungen im Futterplan vornehmen, um seinen Tieren ausreichend Abwechslung zu bieten.

Welche Menge?
Nicht nur die Zusammensetzung des Futters, auch die Menge ist für die artgerechte Ernährung eines Hamsters wichtig. Ein ausgewachsener Goldhamster benötigt etwa einen Esslöffel voll Trockenfutter, ein Zwerghamster kommt hingegen mit einem Teelöffel Futter aus. Hinzu kommt das Grünfutter, welches in den Mengen gereicht werden kann, die der Hamster innerhalb eines Tages auch frisst. Dabei sollte man stets beachten, dass alle Hamster instinktiv einen Futtervorrat anlegen. Dies sollten Sie ihnen nicht verwehren, da es zu seinem natürlichen Verhaltensrepertoire gehört, müssen dann aber eine höheren Reinigungsaufwand in Kauf nehmen.