Es gibt viele verschiedene Streusorten. Wer für seine Rennmäuse einkauft, hat also die Qual der Wahl.
Rennmäuse sind viel beschäftigte Nager. Den ganzen Tag verbringen sie, wenn sie nicht gerade schlafen, damit, ihr Gehege nach ihren Vorstellungen umzugestalten. Eine der wichtigsten Tätigkeiten ist dabei das Buddeln von Gängen und Höhlen. Ständig wird in der Einstreu gegraben, um einen neuen Bau anzulegen oder den alten auszubessern. Kein Wunder, dass man Rennmäuse lange zu den Wühlern zählte. Diese systematische Einordnung ist zwar längst veraltet, dennoch zählt wühlen und graben zu den Lieblingsbeschäftigungen der Tiere.
Damit der Erfolg der Tiere auch sichtbar wird und sie sich an ihren selbst gebauten Gangsystemen erfreuen können, muss ihnen die richtige Streu zur Verfügung stehen. Und gerade hier steht der Halter vor einer geradezu unüberschaubaren Menge an Angeboten. Von Hobelspänen über Strohpelletts bis zu Holzgranulat – der Fachhandel bietet eine große Vielfalt an möglichen Streusorten an. Aber welche ist davon nun für die Tiere am besten geeignet? Und wie beurteilt man dies als buddelunkundiger Rennmausfreund?
An dieser Stelle lassen wir doch einfach die Tiere selber aktiv werden. Als Tester fungieren drei Mongolische Rennmäuse (Meriones unguiculatus) im jugendlichen Alter von vier Monaten, also im besten Höhlenbaualter. Ihre Behausung ist ein altes ausgedientes Aquarium, was eine dicke Schicht Einstreu ermöglicht, ohne dass bei den Grabeaktivitäten die gesamte Umgebung durch umherfliegende Streu verdreckt wird. Denn eins ist klar – wer buddelt, hat keine Augen für die Reinhaltung der Umgebung.
Der erste Test findet mit handelsüblicher Kleintierstreu statt. Diese kann in jeder Zoofachhandlung, aber auch im Supermarkt um die Ecke bezogen werden. Dicht gepresst in Plastik verschweißt lässt sie sich ohne Probleme transportieren. Auch der Preis ist für den Rennmausfreund recht erfreulich. Die ersten Nachteile zeigen sich aber bereits beim Auspacken. Wer hier zu forsch vorgeht, hat mehr Streu neben als im Gehege der Rennmäuse. Auch die zeigen sofort Reaktionen. Eines der Tiere scheint besonders empfindlich auf den feinen Staub zu reagieren, der beim Auflockern der fest gepressten Späne entsteht. Sofort setzt heftiges Niesen ein und die Nase beginnt zu laufen. Für Allergiker ist diese Einstreu also nicht geeignet. Die drei Rennmäuse stört das zunächst aber nicht. Kaum ist die Streu im Gehege verteilt, wird gegraben was das Zeug hält – fast so, als wäre man am Ballermann. Und da zeigt sich der zweite Nachteil. Zwar gelingt es den drei Testern wunderschöne Gänge anzulegen, diese brechen aber innerhalb kürzester Zeit zusammen. Dies sorgt zwar für ständige Beschäftigung, aber auch für Frust. Abhilfe schafft da die zusätzliche Gabe von Heu und Stroh. Wird dieses unter die Kleintierstreu gemischt, bleiben die Gänge stabil. Ähnlich gute Erfolge stellen sich auch ein, wenn man die Streu in einem Schichtsystem mit Ästen, Heu und Stroh einbringt. Die Beigaben sind zudem bei den drei Rennmäusen sehr beliebt. Schließlich kann man Äste und Stroh prima beknabbern und Heu ist nicht nur ein gutes Nestpolstermaterial, es schmeckt auch hervorragend. Bleibt die Belastung der Umwelt mit Feinstaub – besser Sägemehl, welches in der Streu enthalten ist oder durch das Zernagen entsteht. Innerhalb weniger Tage ist die Umgebung des Geheges eingestaubt, was einen erhöhten Reinigungsaufwand nach sich zieht.
Vielleicht kann hier Testkandidat zwei überzeugen. Bei ihm handelt es sich um in Pelletform gepresstes Stroh. Erwerben kann man diese Streu im Zoofachhandel, Supermärkte haben sie aber nur selten im Sortiment. Schon zu Beginn fällt das höhere Gewicht auf, auch sind die Pellets etwas teurer als Kleintierstreu. Aber wenn es den Rennmäusen gefällt, wär es das Wert. Beim Auspacken fällt angenehm auf, dass keinerlei Staubbelästigung entsteht, auch unser kleiner Allergiker reagiert nicht. Da die Pellets aber lose in der Tüte verpackt sind, braucht man ein deutlich größeres Volumen, um im Gehege dieselbe Einfüllhöhe wie bei der Kleintierstreu zu erreichen. Und das geht dann wieder ins Geld. Doch was sagen die Rennmäuse. Die drei Tester gehen sofort an die Arbeit und unterziehen die Pellets einem ausgiebigen Buddeltest. Das Ergebnis ist aber eher ernüchternd. Trotz großer Anstrengungen gelingt es den drei Buddelkünstlern nicht, Gänge oder Höhlen anzulegen. Kaum ist ein Loch gegraben, rutschten die Pellets nach und verschließen es wieder. Außerdem scheint es den Rennmäusen keinen großen Spaß zu bereiten, auf den Pellets herumzulaufen. Wer schon mal barfuss über Kieselsteine gelaufen ist, kann dies sicher nachvollziehen. Stabile Gänge ergeben sich erst, nachdem die Pellets mit Kleintierstreu gemischt wurden. Da dasselbe Ergebnis aber auch mit Heu und Stroh anstelle der Pellets erreicht wird, stellt sich die Frage nach dem Sinn der Pellets. Und auch das Staubproblem stellt sich wieder ein, denn die drei Rennmäuse lassen ihren Frust mit den Zähnen an den Strohpresslingen aus. Der dabei entstandene Staub kann dann wieder wunderbar in der Umgebung verteilt werden.
Kommen wir also zu Streu Nummer drei. Hierbei handelt es sich um eine Streu aus Baumwolle, besser gesagt den Ernteresten der Baumwollblüte. Im Gegensatz zu den anderen beiden Streusorten ist ihre Beschaffung etwas schwieriger, denn nicht jedes Zoofachgeschäft führt die Baumwollstreu. Abhilfe schafft hier das Internet, auf diese Weise wird der Bodengrund direkt bis in die Wohnung geliefert – ein echter Vorteil der Neuzeit. Die Freude über den Lieferservice ist aber nur von kurzer Dauer, denn ein Blick auf die Rechnung verrät, dass die Baumwollstreu fast drei Mal so teuer wie die Kleintierstreu ist. Na ja, wenn sie wenigstens den Rennmäusen gefällt. Beim Auspacken fällt ein eigenartiger, aber nicht unangenehmer Eigengeruch der Baumwolle auf. Sie fasst sich sehr angenehm an und ist vollkommen staubfrei. Auch die drei Rennmäuse scheinen auf den ersten Blick von der Streu begeistert. Die unverzüglich angelegten Gänge erweisen sich als sehr stabil, zugleich dient die weiche Baumwolle auch als Polstermaterial für die gemütliche Innenausstattung der Schlafhöhle. Einen zusätzlichen Vorteil der Baumwollstreu erkennt man erst nach einiger Zeit. Die Streu erweist sich als extrem sagfähig und absorbiert auch entstehende Gerüche sehr gut. Dies führt zu deutlich längeren Reinigungsintervallen, was den hohen Preis relativiert. Da die Fasern der Baumwolle miteinander verfilzen kann beim Entfernen der Streu der Bodengrund in großen Stücken entfernt werden, was die Reinigung erleichtert und zusätzlich für eine geringe Verschmutzung der Umgebung sorgt. Ein klarer Pluspunkt.
Ein rein natürliches Produkt ist auch der nächste Testkandidat. Es handelt sich um eine Naturstreu aus Hanffasern, die im gut sortierten Fachhandel erhältlich sind. Angenehm fällt das geringe Gewicht auf, nachteilig dagegen der etwas höhere Preis. Das Testverfahren läuft ab wie gehabt. Streu ins Gehege einfüllen und abwarten wie die drei Rennmaustester reagieren. Und die geben wieder ihr Bestes. Unermütlich graben sie bis zur Erschöpfung. Das Ergebnis ihrer Mühen ist aber eher bescheiden. Denn es will ihnen nicht gelingen, stabile Gänge und Höhlen anzulegen. Im Langzeitversuch zeigt sich dann aber positiv, dass die Hanfstreu ein enorm hohes Saugvermögen besitzt, auch Gerüche werden gut gebunden. In Kombination mit Kleintierstreu kann auch das Problem der instabilen Gänge gelöst werden. In dieser Kombination ist die Feuchtigkeits- und Geruchsbindung im Vergleich zu reiner Kleintierstreu bzw. einem Streu-Heu-Gemisch deutlich höher. Somit erfüllt die Hanfstreu durchaus ihren Zweck. Zudem werden die Streustücke von den drei Testern ausgiebig und mit offensichtlicher Freude beknabbert, was ein Aufkommen von Langeweile verhindert.
Als letzter Testkandidat dient ein Granulat aus Buchenholz. Es wird vor allem im Terraristikbereich, aber auch in der Vogelhaltung eingesetzt und hat sich dort durchaus bewährt. Dementsprechend ist es vor allem in Zoofachhandlungen mit entsprechenden Fachabteilungen zu bekommen. Es wird in verschiedenen Granulatstärken angeboten, für Kleinsäuger wie unsere Rennmäuse ist aber eher das feine Granulat geeignet. Sein Gewicht ist recht hoch, vor allem größere Säcke erfordern schon etwas Muskelkraft. Der Praxistest beginnt dann mit einer Überraschung. Kaum ist das Granulat im Gehege verteilt beginnen die drei Rennmäuse – nicht mit Graben und Budeln, sondern mit Nagen. Sie stürzen sich sofort auf die im Granulat enthaltenen gröberen Holzstücke und beknabbern sie ausgiebig. Verständlich, denn der anschließende Test auf Buddeltauglichkeit fällt eher ernüchternd aus. Es gelingt den Tieren nicht Gänge anzulegen, da das Granulat sofort wieder nachläuft. Auch die Saugfähigkeit erweist sich im Langzeitversuch eher als durchschnittlich. Ein dickes Minus also für das Granulat.

Fazit
Das Angebot an Streu ist durchaus beachtlich, für Rennmäuse sind aber nur wenige Sorten tatsächlich brauchbar. Die einfachste und billigste Variante ist sicherlich die Kleintierstreu. Wer den Nachteil der hohen Staubbelastung in Kauf nimmt und die Streu im Schichtsystem mit Ästen, Stroh und Heu mischt, hat einen für Rennmäuse gut geeigneten Bodengrund. Allerdings ist die Saugfähigkeit gering, weshalb eine regelmäßige Gehegereinigung in kurzen Intervallen erfolgen muss. Wer mehr Geld anlegen möchte, ist mit der Baumwollstreu gut bedient. Sie ist zwar deutlich teurer, gleicht dies aber durch die längeren Reinigungsintervalle aus. Für welche Streu sie sich aber letztlich auch entscheiden, wichtig ist, dass sich ihre Rennmäuse darauf wohlfühlen.