Brauchen wir Tierhalter den BNA? Oder ist er mittlerweile überflüssig. Sollte man nicht lieber in Zeiten knapper Kassen, den Beitrag sparen und statt dessen evtl. ein neues Tier für die Zucht kaufen? Zugegeben, die Fragen sind provokant. Und dennoch scheinen sie nicht aus der Luft gegriffen, schaut man sich die Entwicklung der letzten Zeit an. Mit dem DKB hat ein großer deutscher Zuchtverband den BNA verlassen und damit (entscheidend?) geschwächt. Denn nur im Zusammenhalt, im Miteinander einer großen Interessengemeinschaft, sind wir stark genug, unser Hobby gegen alle Angriffe zu verteidigen.
Der DKB hat die oben gestellten Fragen für sich beantwortet. Mit seinem Ausstritt hat er aber auch gezeigt, dass er die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat. Sicher, Positivlisten oder gar all-gemeines Halteverbot sind (vorerst) vom Tisch. Warum? Weil der BNA als starker Verband eine sachlich und fachlich fundierte Lobbyarbeit zugunsten unseres Hobbys geleistet hat. Dies ging allerdings nur, weil er nicht stur auf „Altbewährtem“ beharrt hat oder sich nur aufs Rea-gieren verlegt hat. Vielmehr hat er agiert und eigenen Gutachten über Qualzuchten, Kenn-zeichnungsverordnung und Haltebedingungen in Auftrag gegeben. Bemerkenswert dabei ist, dass es sich bei diesen Gutachten keineswegs um Gefälligkeitsgutachten handelt, wie dies leider oftmals bei ähnlichen Anlässen der Fall ist. Und so waren die Stellungnahmen der Gutachter durchaus kritisch. Berechtigte Einwände wurden seitens des BNA aufgegriffen und in die entsprechenden Richtlinien eingearbeitet. So sollte moderner Tierschutz aussehen – Altes bewahren, wo es möglich ist, aber Neues schaffen, wo es für die von uns gehaltenen Tiere von Vorteil ist.

Dies ist kein blinder Aktionismus oder ein Anbiedern an die Tierschutzverbände, es ist der einzige Weg, der die Haltung und Zucht von Tieren (und Pflanzen) heute noch rechtfertigt. Um so bedauerlicher ist es, wenn ein großer Verband aus dem BNA austritt, so-bald von ihm auch unangenehme Schritte gefordert werden. Sicherlich hat die Zucht von Mischlingen eine lange Tradition. Man darf aber keinesfalls vergessen, dass sie zu einer Zeit begründet wurde, als Naturressourcen nahezu unbegrenzt erschienen. Durch den Rückgang vieler Tier- und Pflanzenarten in den letzten Jahrzehnten ist uns vor Augen geführt worden, dass die Natur nicht unendlich ausgebeutet werden darf. Welche Folgen das teilweise unver-antwortliche Umgehen des Menschen mit der Natur hat, haben wir erst in jüngster Vergan-genheit erfahren müssen. So muss das Ziel einer zukunftsträchtigen Tierhaltung die Erhaltung des Tieres in seinem Wesen sein. Mischlingszucht gehört sicherlich nicht zu diesen Zielen, zumal sie viele artenreine Tiere, die eine wichtige Reserve der jeweiligen Art darstellen, ver-braucht, um (zumindest aus biologischer Sicht) völlig wertlose Mischling zu erzeugen. Dies wäre vielleicht noch zu tolerieren, wenn sich die Mischlingszucht in ihrem Umfang begrenzen ließe und keinerlei Einfluss auf die artenreinen Gefangenschaftpopulationen hätte. Leider sprechen zahlreiche Beispiele eine eindeutige Sprache. So gibt es kaum noch artenreine Ka-puzenzeisige in Menschenobhut, weil sie mit anderen Arten gekreuzt wurden, da die Misch-linge weniger heikel in der Haltung sind. Ein ähnliches Schicksal blüht den Agornidenarten mit weißem Augenring. Auch hier ist wissentlich Mischlingszucht betrieben worden, um z.B. Farbmutationen von einer auf die andere Art zu übertragen. Die Folge ist, dass es bei einigen Arten kaum noch artenreine Tiere gibt. Um so schlimmer dass z.B. das Russköpfchen zu den bedrohtesten Papageien Afrikas gehört. Der Slogan Arterhaltung durch Zucht muss da doch geradezu höhnisch klingen.

Wenn unser Hobby eine Zukunft haben sollen, dann müssen wir uns den geänderten Gege-benheiten anpassen, ohne uns dabei völlig aufzugeben. In Punkten, die keine Verbesserung für unsere Tiere mit sich bringen, sollten wir unnachgiebig sein. Gegenüber Veränderungen, die unseren Tieren nützen, sollten wir hingegen aufgeschlossen sein, auch wenn dies bedeutet, sich von einer liebgewordenen Rasse oder Gewohnheiten zu verabschieden.
Vor diesem Hintergrund sein auch vor den Folgen gewarnt, die die Aufnahme des Tierschut-zes in das Grundgesetz haben kann. Sie gibt den Tierschutzverbänden geradezu eine juristi-sche Legitimation, Missstände aufzuzeigen und vom Staat deren Beseitigung zu fordern. Jetzt kann man zu Recht die teilweise unhaltbaren Bedingungen auf Schlachtviehtransporten an-führen und auch sonst bleibt für den Tierschutz ein breites Betätigungsfeld. In Zeiten unzu-friedener Wähler sind aber schnelle Erfolge gefragt. Also wird derjenige angegriffen, der den geringsten Widerstand bietet. Dort wird dann mit blindem Aktionismus gewütet, damit man sich anschließend beruhigt zurücklehnen kann, ohne dem Vorwurf ausgesetzt zu sein, man wäre untätig gewesen. Wohin dies führt haben nicht zuletzt die Kampfhundeverordnungen gezeigt, die ohne jeglichen Sachverstand durchgeboxt wurden, auch gegen die Meinung von Experten.
Mit einem starken BNA, der von allen Seiten anerkannt wird und dem Willen tatsächlich zu reformieren, was reformbedürftig ist, haben wir gute Chancen einem solchen Aktionismus zu entgehen. Mit dem Sträuben gegen wissenschaftliche Gutachten, die für uns unangenehm sind, machen wir uns aber als ernstzunehmender Partner unglaubwürdig.
Dies gilt auch für die Schwächung des BNA durch Austritt. So hart der DKB nicht nur sich und seinen Mitgliedern einen Bärendienst erwiesen, auch die Gemeinschaft der restlichen Halter ist von dem Austritt betroffen. So bleibt nur zu hoffen, dass im DKB bald ein Umden-ken stattfindet und sie in die Gemeinschaft des BNA zurückkehren. Dies bedeutet ja nicht, dass sie alle Entscheidungen kritiklos hinnehmen müssen. Offenkundige und durch wissen-schaftlich Untersuchungen gestützte Fehlentwicklungen sollte hingegen erkannt und beseitigt werden, da dies ansonsten von seiten des Gesetzgebers, sicherlich zu unser aller Nachteil, erfolgt.
Die oben gestellten Fragen sind also klar mit Ja zu beantworten. Wir brauchen einen starken BNA, damit wir unser schönes Hobby auch zukünftig noch ausüben können.

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