Als am Abend des 22. Septembers 2013 die ersten Hochrechnungen bekannt gegeben wurden, ist sicherlich auch manchem Exotenhalter ein Stoßseufzer über die Lippen bekommen. Die befürchtete rot-grüne Bundesregierung, die sicherlich die gravierendsten Einschnitte in die Tierhaltung bedeutet hätte, war erst einmal vom Tisch. Schnell legte sich die vor der Wahl herrschende Aufregung und es kehrte allgemeine Erleichterung ein.
Wenige Wochen nach der Wahl kann man jedoch feststellen, dass dies nicht nur verfrüht, sondern geradezu kurzsichtig war. Verhandelt doch mit der SPD eine der Parteien um eine Regierungsbeteiligung, die sich offen auf die Seite des Deutschen Tierschutzbundes stellt und die Haltung von Exoten (was auch immer das sein soll) stärker reglementieren will. Und so ist es nicht verwunderlich, dass manche Forderung aus dem Wahlprogramm jetzt in den Koalitionsverhandlungen auf den Tisch kommt. Dazu zählt neben dem Verbandsklagerecht für Tierschutzverbände auch das generelle Importverbot für Wildfänge. Bezüglich des Verbandsklagerechts ist eine Auswirkung noch nicht absehbar, aufgrund der immer radikaleren und teilweise irrationalen Ansichten von Tierschutzbund und Co ist aber zu befürchten, dass sich die Klagewut der Verbände nicht nur gegen Massentierhaltung und Industrie richten wird. Gerade hier sind Erfolge auf dem juristischen Parkett teilweise schwer zu erzielen, wie dies aber mit der Heimtierhaltung aussieht ist ungewiss. Und letztlich will der Tierschutzbund ebenso wie die sogenannten Tierrechtler eine Heimtierhaltung von allen Exoten (dazu zählen Vögel, viele Fische, alle Reptilien und nahezu alle Kleinsäuger) verbieten, auch wenn sie ihre Aussage hierzu immer wieder relativieren beziehungsweise verwässern. Aber es ist halt für das Spendenaufkommen nicht gut, wenn man beispielsweise der älteren Dame, die einen Wellensittich hält, androht, den geliebten Krummschnabel verbieten zu wollen!

Keine Wildfänge mehr
Auch das generelle Verbot von Wildfängen, welches auf den ersten Blick durchaus dazu geeignet zu sein scheint, Tier- und Artenschutz zu unterstützen, erreicht letztlich das Gegenteil (vgl. WAGNER). Sicherlich sollten Zeiten der Massenimporte vorbei sein, allerdings ist eine nachhaltige Vermarktung mehr als sinnvoll, ist doch der Fang und Verkauf von Tieren für die einheimischen Fänger oft die wichtigste Einnahmequelle. Fällt diese weg, landen die gefangenen Tiere im Kochtopf oder werden als Ernteschädlinge vernichtet. Im Bereich der Wildvögel kann genau dies bereits beobachtet werden, seit es das Importverbot gibt. Ganz deutlich wird es in Australien, wo jährlich hunderttausende Kakadus getötet werden, indem ganze Felder mit Netzen überdeckt werden und alles, was sich in den Netzten befindet vernichtet wird. Ob sich dabei auch seltene Arten unter den eingefangenen Schwarm gemischt haben, spielt dabei keine Rolle. Eine Nutzung der gefangenen Tiere als Heimvögel, die zu einen angemessen hohen Preis vermarktet werden, wird dabei nicht erlaubt, obwohl man sogar eine Teil der Einnahmen für Artenschutzprojekte nutzen könnte. Dies droht nun also auch den Säugern, wenn ein generelles Importverbot erlassen wird. Hier wird wieder nur vom Grünen Tisch gehandelt, ohne die tatsächlichen Lebensumstände der betroffenen Menschen vor Ort zu sehen. Statt eines Importverbotes wäre es effektiver, nur einzelne gezielte Importe zu genehmigen, die an bereits vorbestimmte Halter gehen. Diese müssten dann Auflagen an Unterbringung und Haltung erfüllen, um die Tiere zu erhalten. Aufgrund der geringeren Stückzahl entstünden höhere Preise, die dazu führen, dass der Fänger vor Ort trotz geringere Fangquoten eine Bezahlung erhält, die ein wirtschaftliches Auskommen sichert. Zudem könnte ein Teil des Geldes in Artenschutz vor Ort investiert werden, was tatsächlich zu einem Schutz der bedrohten Tiere führen würde.
Durch den höheren Preis würde aber nicht nur langfristig die Wertschätzung der Tiere in ihren Heimatländern steigen, auch bei uns würden Billigangebote, die zu unüberlegten Spontankäufen führen vermieden. In Kombination mit einer Sachkundeprüfung wäre so letztlich allen gedient und eine Tierhaltung auch langfristig möglich.

Was ist zu tun?
Es ist also an uns, auch weiterhin wachsam zu bleiben und für unser Hobby zu kämpfen. Beispiele wie die Positivliste in den Niederlanden zeigen, dass die Tierhaltungsgegner nicht müde werden, ihre Forderungen durchzusetzen und dabei auch nicht vor den noch so abstrusesten Argumenten zurückschrecken.
Jetzt ist die Zeit mit der Politik zu reden, denn spätestens bei der nächsten Bundestagswahl wird das Thema Haltungsverbot wieder auftauchen. Es gilt also die Zeit zwischen den Wahlen zu nutzen, um bei Politikern und Behörden Überzeugungsarbeit zu leisten und sie von unserem Hobby zu überzeugen. Leider zeigt sich dabei derzeit der Trend, dass sich eine Vielzahl an Verbänden und Vereinen gegründet hat, die nun ihre Stimme erheben. Leider scheint es dabei immer wieder Uneinigkeit zwischen den verschiedenen Gruppen zu geben, was unsere Position bei der Politik und der Öffentlichkeit schwächt. Wer jetzt noch persönliche Eitelkeiten in den Vordergrund stellt, der darf sich sicherlich demnächst als Totengräber der Heimtierhaltung bezeichnen lassen, denn unsere Gegner sprechen mit einer Stimme, was ihr Gewicht auf politischer Ebene deutlich erhöht.
Uns muss klar werden, was wir wollen, jenseits des „Weiter so!“, denn das wird und darf es nicht geben. Nur wenn auch wir bereit sind unsere Position zu überdenken und sinnvolle Verbesserungen zum Wohle der Tiere vorzunehmen, hat die Haltung von „Exoten“ auch weiterhin eine Zukunft!

Tierhalter der Zukunft
Dabei sollten wir vor allem auch Kinder und Jugendliche mit ins Boot holen. Sie sind einerseits die Tierhalter von morgen und sollten von Beginn an den sachgerechten und respektvollen Umgang mit dem Geschöpf Tier erlernen. Andererseits sind sie es, die in Zukunft die Artenvielfalt erhalten müssen. Ob sie dies tun werden, wenn sie Tiere nur aus dem Fernsehen, aus Videospielen oder gar nur Erzählungen kennen, darf mehr als bezweifelt werden. Denn schon Konrad Lorenz wusste, dass der Mensch nur schützt was er kennt. Die Heimtierhaltung ist dabei ein wichtiger Eckpfeiler, denn viele aktive Biologen und Artenschützer sind über diesen Weg zu ihrer Berufung gekommen. Diesen Zugang zu kappen hat langfristige Folgen, die heute noch gar nicht absehbar sind.