Viren sind infektiöse, gegen Antibiotika unempfindliche Partikel mit immunogenen Eigenschaften. Sie haben keinen eigenen Stoffwechsel und sind für die Vermehrung auf die Syntheseleistung der Wirtszelle angewiesen. Sie können deshalb als eine Art intrazellulärer Parasit angesehen werden und sind nach heutigen Definitionen keine Lebewesen. Viren können bei fast allen Lebensformen auftreten, bei Menschen und Tieren verursachen sie leichte bis tödliche Infektionen.
Sie finden sich in jedem Organismus, verursachen jedoch nicht in allen Fällen eine Erkrankung. Grund hierfür ist die unterschiedliche Disposition der einzelnen Tiere. Geschwächte, gestresste oder alte Tiere sowie Jungtiere erkranken schneller als gesunde kräftige Tiere. Auch von der Zahl der Viren ist der Ausbruch einer Erkrankung abhängig.
Leider gibt es bis heute keine spezifischen Medikamente gegen Viruserkrankungen. Deshalb ist eine der wichtigsten Maßnamen die sofortige Isolation der betroffenen Tiere, um ein seuchenartiges Ausbreiten zu verhindern. Die weitere Behandlung sollte dann unbedingt von einem Tierarzt durchgeführt werden.



Die wesentlichen Viruserkrankungen von Kleinsäuger sind:


Pneumonie (Lungenentzündung)
Sie kann durch verschiedene Erreger verursacht werden und befällt alle Kleinsäuger. Erstes Anzeichen ist oftmals Nasenausfluss. Der Krankheitsverlauf kann u.U. innerhalb von 6-14 tagen tödlich sein, vor allem bei geschwächten oder gestressten Tieren. Insbesondere bei Hamstern ist die Sterblichkeit sehr hoch (bis zu 90%). Oftmals kommt es zu Sekundärinfektionen mit Bakterien.

Polio bzw. Poliomyelitis
Diese Krankheit, die vor allem Mäuse und Ratten befällt gleicht der menschlichen Kinderlähmung. Der Erreger ist vor allem bei Mäusen im Darm nachzuweisen. Ein Krankheitsausbruch ist jedoch selten. Kommt es dennoch dazu, befällt der Erreger das zentrale Nervensystem, speziell das Rückenmark. Klassische Symptome sind Lähmungen der Hinterläufe, die bei Anheben am Schwanz ins krampfartige Zuckungen übergehen. Die Sterblichkeitsrate liegt bei 100% wobei die meisten Tiere innerhalb der ersten 6 Tage eingehen, einige Tiere überleben allerdings auch mehrere Wochen.
Neben dieser klassischen Poliomyelitis gibt es auch weitere Formen, die sich unter anderem in generalisierten Krämpfen und Roll- bzw. Kippbewegungen manifestieren.

Meningitis (Hirnhautentzündung)
Es gibt verschiedene Erreger, die bei Mäusen, Ratten, Hamstern, aber auch Meerschweinchen Hirnhautentzündungen verursachen können. Je nach Verlauf kann es zu Lähmungen der Hinterbeine kommen.
Betroffen sind oftmals Jungtiere, insbesondere bei der Choriomeningitis. Bei ihr ist die Sterblichkeit gering. Symptome sind Lichtscheuheit, Abmagerung, langsame fast zeitlupenartige Bewegungen, evtl. kommt es zu Bindehautentzündungen.
Die Choriomeningitis ist auf den Menschen übertragbar und äußerst sich hier meist in grippeartigen Symptomen. Bei einem normalen Verlauf gesundet der Patient nach ca. 3 Wochen (dies gilt auch für befallene Tiere). Vorsicht ist jedoch bei kleinen Kindern und insbesonder bei Schwangeren geboten, da es evtl. zu Schäden am Embryo kommen kann.


Hepatitis (Leberentzündung)
Von dieser Erkrankung sind besonders Mäuse betroffen (Mäusehepatitis). Je nach Art des Virus kommt es zur Leberentzündung und zur hohen Jungensterblichkeit. Andere Erreger verursachen einen aufgeblähten Leib und enorme Gewichtszunahmen, verlaufen aber selten tödlich. Die Gesundung bei diesen Formen tritt meist nach 2-5 Wochen ein.


Pocken
Befallen werden Hamster, Mäuse und Ratten, in Einzelfällen auch Meerschweinchen. Besonders bei Mäusen gibt es chronische Verläufe, die dann bei Fütterungs- oder Haltungsmängeln zum Ausbruch kommen können. Typische Anzeichen sind: Mangelnde Nahrungsaufnahme, kaum Bewegungen, struppiges Fell. Innerhalb von wenigen Stunden bis zu 6 Tagen kommt es in 90% der Fälle zum Tod des infizierten Tiere.

Tiere, die die Infektion überleben, können chronisch erkranken. Symptome der chronischen Form sind Ödeme an den Füßen, Bläschen oder Beulen an Schwanz und Körper, die später verschorfen. Außerdem kommt es zum Austrocknen und Abfallen von Ohren und Gliedmassen. Bei geringem Befall kann das Tier eine Immunität erwerben, ansonsten kommt es zum Tod (Sterblichkeitsrate bis 90%).
Da die Übertragung durch Kontakt geschieht, sind infizierte Tiere sofort zu isolieren, anderenfalls erfolgt die komplett Durchseuchung des Bestands. Impfungen sind möglich, bergen allerdings ein erhöhtes Impfrisiko.