Beheimatet sind die Kurzkrallenotter von Indien und Süd- China über die Malaiische Halbinsel bis hin nach Borneo und Java. Dort leben die Tiere in Familiengruppen die aus 8-12 Tieren bestehen können, wodurch sie sich von den meisten Vertretern der Lutrinae unterscheiden.  Im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern ihrer Unterfamilie legen Kurzkrallenotter auch keine unterirdischen Baue an, da ihre Krallen kaum zum Graben geeignet sind.  Stattdessen suchen sie sich Versteckplätze in Böschungen, wobei sie nicht selten in der Nähe von Reisfeldern anzutreffen sind. Obwohl die Otter hervorragende Schwimmer sind, verbringen sie die meiste Zeit an Land, wo sie sich durchaus geschickt und schnell fortbewegen können. Auch ihr Sprungvermögen sollte nicht unterschätzt werden, dies gilt es vor allem bei der Planung der Gehegeumrandung zu bedenken.

 Haltung

Kurzkrallenotter zählen zu den beliebtesten Vertretern der Lutrinae, was die Haltung in Menschenobhut angeht. Alleine in 38 deutschen Zoos und Tierparks werden die quirligen Tiere gezeigt, darunter  Frankfurt , Köln, Berlin (Zoo) und Leipzig ( Quelle: www.zootierliste.de). In Hamburg werden die Otter mit Sumatra-Orang-Utans (Pongo abelii) vergesellschaftet,

 Im Euregiozoo Aachen leben sie sogar mit Waschbären (Procyon lotor  )zusammen, wobei die Zwergotter das Kommando auf der Anlage übernommen haben. In beiden Haltungen gibt es regelmäßig Nachwuchs, was für die jeweilige Vergesellschaftung spricht. Überhaupt zählt der Kurzkrallenotter zu den reproduktivsten Vertretern der Lutrinae in Mesnchenobhut. Während die Nachzucht bei Fischotter (Lutra lutra) und Riesenotter (Pteronura brasiliensis) oft mit großem Aufwand verbunden ist, gelingt diese bei Aonyx cinerea ohne große Probleme, wofür auch die große Verbreitung in den zoologischen Einrichtungen spricht.

Kurzkrallenotter in privater Haltung

In privater Haltung ist der Kurzkrallenotter meines Wissens nach der einzige Vertreter der Unterfamilie. Dies liegt einerseits an der leichten Züchtbarkeit, anderseits auch daran, dass die größeren Vertreter der Otter teilweise enorme Platzansprüche stellen, die in privater Hand schwer zu befriedigen sind. Hinzu kommt die strenge Unterschutzstellung der Otter, die es Privathaltern erschweren, überhaupt an Tiere zu gelangen. Für die Haltung von Kurzkrallenottern schreibt das Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren in der Fassung vom Juni 1996 eine Fläche von 20 m2 für ein Pärchen vor. Bei der Gestaltung des Geheges schreibt das Gutachten vor, dass Wasser- und Landteil gleich groß sein sollten, wobei der Wasserteil ein möglichst langgestrecktes Becken mit strukturiertem Ufer sein sollte. Schaut man sich die Haltungen in zoologischen Einrichtungen an, so hat es sich aber bewährt, einen breiten, flacheren Bachlauf mit einem größeren Becken, welches mindestens einen Meter tief ist, zu kombinieren. Dies sollte auch bei der Planung einer privaten Haltung von Beginn an eingeplant werden, um den Tieren zu ermöglichen, ihr breites Verhaltensspektrum auszuleben. Denn Kurzkrallenotter tasten gern im flachen Bereich von Bachläufen nach Nahrung wie Krebsen, jagen aber auch tauchend Fische in tieferen Gewässern.

Genehmigung der Haltung

Im Vorfeld jeder Otterhaltung steht aber die Genehmigung. Zwar ist der Kurzkrallenotter im  Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES nur auf Anhang II geführt, im Bundesnaturschutzgesetz  werden aber alle Arten der Gattung Aonyx als besonders geschützt aufgeführt, weshalb ihre Haltung genehmigungspflichtig ist. Dies gilt es also im Vorfeld zu bedenken, um sich rechtlichen Ärger zu ersparen. Zur Erlangung der Genehmigung ist der Nachweis einer geeigneten Unterkunft unerlässlich. Dieses muss nicht nur ausreichend Fläche bieten, sondern auch über einen heizbaren Innenstall verfügen, da die asiatischen Kurzkrallenotter nicht winterhart sind. Im Innenstall ist eine Mindesttemperatur von 15 °C zu gewährleisten, damit die Tiere sich wohl fühlen. Zwar gibt das Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren keine konkreten Maße für das Innengehege vor, in Anbetracht der bei uns immer wieder vorkommenden Kälteperioden, die durchaus einige Wochen anhalten können, sollte der Innenbereich jedoch so großzügig gewählt sein, dass sich die Tiere darin auch längere Zeit aufhalten können.

Bau eines Geheges

Das Herzstück eines Ottergeheges ist der Wasserteil. Dieser verursacht auch den größten Aufwand bei der Erstellung, da hierfür umfangreiche Erdarbeiten notwendig sind. Dies lässt sich am besten mit entsprechendem Baugerät (sprich Bagger) bewerkstelligen. Wichtig ist auch die Frage nach der Abdichtung der Wasserfläche. Teichfolie ist zwar leicht zu verlegen, hält den Tieren aber meist nur kurz stand. Besser ist es daher, den Wasserbereich zu betonieren. Dies ist die preisgünstigste Variante, da ich bei meiner Anlage aber keine direkte Zufahrt habe, habe ich mich entschieden, den Wasserteil mit Glasfasermatten und Polyesterharz zu erstellen. Dies ist zwar deutlich teurer und langwieriger, allerdings lässt sich dadurch die Form des Wasserteils freier gestalten und man ist vor eventuellen Frostschäden sicher.

Mein Wasserteil besteht aus einem etwa 15 m2 großen Teich, der an der tiefsten Stelle einem Meter tief ist und einem etwa fünf Meter langen Bachlauf, der eine Breite von 50cm und eine Tiefe von bis zu 20cm aufweist. Nachdem der entsprechende Erdaushub erfolgt war, wurde alles mit einem PE-beschichteten Abdeckkarton (Milchtütenkarton) ausgelegt, bevor die erste Lage der mit Harz getränkten Glasfasermatte aufgebracht wurde. Auf diese wurde nach dem Trocknen eine zweite Schicht Glasfasermatten aufgebracht und letztlich sogar eine dritte Schicht. Somit kann ist eine ausreichende Stabilität sichergestellt. Nachdem das harz getrocknet war, erfolgte ein zusätzlicher Anstrich mit Harz, welches durch Farbpigmente grün-bräunlich eingefärbt wurde, was dem Boden des Wasserbereichs eine natürliches Aussehen verleiht.

Wichtig ist ein guter Filter

Um eine gute Wasserqualität zu gewährleisten, muss eine entsprechende Filteranlage eingeplant werden. Diese ist bei mir zwischen Teich und Bachlauf eingebaut, d.h. nachdem das Wasser aus dem Teich entnommen wird, gelangt es erst in den Filter und danach über eine kleinen Wasserfall in den Bachlauf. Auf diese Weise erreiche ich eine ständige Wasserzirkulation und eine ausreichende Filterung des Wassers. Allerdings musste die Größe des Filters einmal nachjustiert werden, da ich die enorme Verschmutzung des Wassers durch in der Nähe stehende Nadelbäume nicht einkalkuliert hatte. Hier hat es sich bewährt, einen Experten aus dem Bereich Koihaltung zu Rate zu ziehen, da dieser sich in Bezug auf Wasserfilterung bestens auskannte. Trotz des guten Filters muss ich das Wasser regelmäßig komplett wechseln und Schlamm aus dem Teich entfernen, wobei es sich als nachteilig erwiesen hat, dass ich keinen Abfluss eingeplant habe und deshalb alles mittels einer Pumpe erledigen muss.

Gehegebegrenzung

Um die Gehegebegrenzung optisch  möglichst unauffällig zu gestalten, habe ich auf Verbundglasscheiben, die ich bei einem ortsansässigen Glashersteller günstig erwerben konnte zurückgegriffen. Diese sind 120cm hoch und umgrenzen das gesamte etwa 50 m2 große Gehege. Wichtig ist dabei, dass in den Verbindungen der Glasplatten keine Möglichkeiten zum Klettern entstehen, denn dies können Kurzkrallenotter äußerst geschickt. Um auf der sicheren Seite zu sein, habe ich zudem innen eine stromführende Litze auf 1,10 Meter  Höhe angebracht. Diese sichert auch das 8 m2 große Gartenhaus, welches als Winterquartier  gedacht ist und entsprechend beheizt werden kann.

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