Nach der Wahl ist vor der Wahl

Die Bundestagwahl 2013 ist Geschichte und die Parteien, die sich eindeutig in Richtung einer Beschränkung der Heimtierhaltung ausgesprochen haben, zählen zu den Wahlverlierern. Und schon macht sich in der Tierhaltergemeinschaft Erleichterung breit und man tut so, als sei nichts gewesen. Diese Ruhe ist aber trügerisch, denn die Pläne zur Einführung von Einschränkungslisten (das Wort Positivliste kann ich als Tierhalter hier nicht gebrauchen) sind damit ja nicht komplett verschwunden. Zudem sollte bedacht werden, dass es nach der Wahl bisher keine Regierung gibt und nach jetzigem Stand zu erwarten ist, dass zumindest eine der tierhaltergegnerischen Parteien an der Regierung beteiligt sein wird. Nicht das am Ende die Freiheit der Tierhaltung dem Erhalt des Betreuungsgeldes geopfert wird. Dann dürfen Kinder zwar subventioniert daheim bleiben, dieses wird dann aber weitgehend tierfrei bleiben. Das Beispiel Niederlande sei uns Warnung genug, denn wer hätte sich vorstellen können, dass in diesem liberalen und tierfreundlichen Land einmal eine Liste Gesetzesgrundlage wird, die selbst die Haltung von Degus verbietet.
Tierhaltung ist Tierschutz, denn die Tierhalter sind es, die über die entsprechende Expertise verfügen, nicht laut krakeelende Organisationen, die unter dem Deckmantel von Tierrechten letztlich nur Spenden sammeln wollen. Unser Wissen verpflichtet uns aber zugleich auch, Missstände aufzuzeigen und durch Aufklärung zu beseitigen. Wer wegschaut, wenn Tiere schlecht gehalten werden, ist letztlich mit verantwortlich dafür, dass das Bild der Tierhalter in der Öffentlichkeit negativ gefärbt ist. Dabei zwischen Nagerfreund, Aquarianer, Terrarianer usw. zu unterscheiden ist ebenfalls nicht zielführend, denn letztlich trifft ein Verbot alle Tierhalter, das Beispiel Niederlande zeigt dies nur zu deutlich. Aus diesem Grund kann es für uns nur heißen – jetzt erst recht. Nutzen wir die Zeit, um mit anderen Tierfreunden zusammen, Öffentlichkeit und Politik über die positiven Seiten der Tierhaltung zu informieren. Tierhaltung trägt zu einem positiveren Lebensgefühl bei, ist ein Ruhepol in einer stressbehafteten Zeit und schafft ein Gefühl für die belebte Natur. Damit trägt sie wesentlich dazu bei, dass sich Menschen für Natur- und Artenschutz interessieren, darüber hinaus tragen viele Nachzuchten, gerade auch in Privathand, direkt zum Artenschutz bei.
Eine Unterscheidung in domestiziert und nicht domestiziert ist dabei nicht mehr zeitgemäß, längst haben wissenschaftliche Studien belegt, dass die Bedürfnisse von beiden Fraktionen identisch sind. Wer eine solche Unterscheidung immer noch gebetsmühlenartig vorträgt, kann und darf kein Berater der Politik in Tierhaltungsfragen sein, denn er zeigt, dass ihm Ideologie vor Erkenntnis geht.
Es liegt also an uns Tierhaltern, unser Wissen und unsere Erfahrungen einzubringen, um eine bedürfniserfüllende Haltung für die von uns gepflegten Tiere zu schaffen. Dabei darf man durchaus auch einmal stolz auf die Erfolge sein und muss nicht immer sofort alles mit der Bemerkung kleinreden, dass es aber auch viele schlechte Haltungen gibt.