Rüsselspringer haben auf den ersten Blick eine gewisse Ähnlichkeit mit Spitzmäusen, sind aber im Regelfall deutlich größer. Sie erreichen je nach Art eine Kopfrumpflänge von 10 bis 31 Zentimetern, dazu kommt der 8 bis 25 Zentimeter lange Schwanz. Die variiert an der Oberseite von gelbgrau bis rötlichbraun, einige Rüsselhündchen- und Rüsselrattenarten weisen darüber hinaus mit Streifen oder Flecken auf. Die Unterseite der Rüsseelspringer ist heller, meist weißlich oder hellgrau gefärbt.

Auf den ersten Blick fallen die großen, runden Augen und die typische spitze und rüsselartig verlängerte Schnauze, die sehr beweglich ist, auf. Die Ohren sind verhältnismäßig groß und sitzen prominent am Kopf. Typisch für alle Arten sind auch die langen und sehr schlanken Beine, wobei die Hinterbeine länger als die Vorderbeine sind. Die großen Zehen sowie der Daumen sind stark verkleinert oder fehlen vollständig.

Die Verwandtschaftsbeziehungen der Rüsselspringer zu anderen Säugetiergruppen waren lange Zeit umstritten. So wurden sie wahlweise den Insektenfressern oder den Hasenartigen nahe gestellt. Erst genetische Untersuchungen zeigten ihre Zugehörigkeit zu den Afrotheria, einer äußerlich stark unterschiedlichen, aus Afrika stammenden Säugetiergruppe. Jüngste DNA-Sequenzanalysen bestätigen die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe, wobei die Rüsselspringer innerhalb der Afrotheria verwandtschaftlich wahlweise dem Erdferkel (Orycteropus afer) oder den Tenrekartigen (Afrosoricida) nahe gestellt werden.

Rüsselspringer werden nur sehr selten gehalten, wenn handelt es sich dabei meist um Kurzohr-Rüsselspringer (Macroscelides proboscideus). Zu den Raritäten in deutschen Beständen zählen die Elephantulusarten (Elephantulus spec.), welche nur in Einzelexemplaren gehalten werden. Dies gilt auch für die Rüsselhündchen (Rhynchocyon), wobei es hier in jüngster Zeit zur erfolgreichen Nachzucht kam. Im Folgenden werde ich mich deshalb auf die Kurzohr-Rüsselspringer beschränken, da diese als einzige Art haltungsrelevant sind.


Der Kurzohr-Rüsselspringer

Kurzohr-Rüsselspringer haben lange und dünne Beine, wobei besonders die Hinterbeine stark verlängert sind. Entgegen ihres Namens bewegen sich die Tiere nicht hüpfend fort, sondern laufen extrem flink auf allen Vieren, wobei sie Geschwindigkeiten von bis zu 20 km/h erreichen können. Im natürlichen Habitat legen die Rüsselspringer komplexe Wegesysteme an, die Ruheplätze, Sandbadestellen und Jagdgebiete miteinander verbinden und von den Tieren immer wieder peinlichst genau gesäubert werden. Dieses Verhalten kann auch in Menschenobhut beobachtet werden.

Kurzohr-Rüsselspringer bewohnen die Wüsten- und Halbwüstenregionen Südafrikas, Namibias und Südwest- Botswanas. Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv, tagsüber verstecken sich gerne in Spalten im Gestein. Kurzohr-Rüsselspringer sind in freier Wildbahn Einzelgänger und leben sehr territorial. Das Revier eine Tieres kann eine Größe von bis zu 1 km2 erreeichen und wird durch Kotplätze gut markiert. Rüsselspringer sind sehr wachsame Tiere, die schon bei geringen Störungen schnell in ein Versteck flüchten.

Haltung

Als Gehege für die Haltung von Kurzohr-Rüsselspringern kommen nur spezielle Terrarien in Frage, da die Tiere hierin vor Zugluft geschützt sind. Gitterkäfige sind absolut ungeeignet, da die Rüsselspringer einerseits bei zu großen Gitterabstand durch dieses hindurchschlüpfen könnten, anderseits immer die Gefahr besteht, dass die Tiere mit ihren dünnen Beinen zwischen die Gitterstäbe geraten könnten, wobei sie sich ihrer empfindlichen Extremitäten brechen könnten, was letztlich das Todesurteil für die Tiere bedeuten würde. Bei der Größe des Geheges gilt grundsätzlich gilt, je größer, desto besser, vor allem wenn die Tiere nicht einzeln, sondern paarweise gehalten werden. Als Mindestmaß für ein einzelnes Tier ist eine Grundfläche von 150 x 60 cm anzusehen, Gehege für die paarweise Haltung sollten eine Länge von 200 cm nicht unterschreiten. Insgesamt ist es günstiger die Rüsselspringerunterkünfte eher länglich zu bauen, damit sich die Tiere ihre typischen Wechseln anlegen und auch größere Strecken laufen können.

Als Bodengrund ist Sand zu bevorzugen, z. B. Kinderspielsand mit einer Korngröße von 1 mm, der auf Keimfreiheit geprüft ist, aber auch Terrariensand ist geeignet. Einige Halter haben zudem gute Erfahrungen mit einem Torf-Sand-Gemisch gemacht. Mit gröberem Substrat, wie Bausand, Kies, oder auch Rindenmulch kann man verschiedene Zonen im Gehege schaffen, sodass die Rüsselspringer immer wieder neue taktile Erfahrungen machen können. Unverzichtbar ist aber eine Ecke mit feinem Sand (z. B. Chinchillasand), der sauber und trocken sein muss, damit die Tiere dort ihr regelmäßiges Stabbad nehmen können. Teilweise wir diese Ecke auch als Toilette bevorzugt, weshalb sie täglich gesäubert werden muss. Fehlt die Möglichkeit zum Sandbad wird das Fell der Tiere schnell fettig und struppig und verliert seine isolierende Wirkung, Erkältungskrankheiten sind meist die Folge.

Für die Einrichtung des Geheges bieten sich Wurzeln, Zweige, Steine und Rindenstücke an. Auch Häuschen aus unbehandeltem Holz oder entsprechend bearbeitete Blumentöpfe sowie hohle sind ideale Einrichtungsgegenstände für das Rüsselspringergehege, die helfen, ausreichend Struktur in die Unterkunft zu bringen. Dies ist vor allem bei Paarhaltung wichtig, da so für jedes Tiere ein Rückzugsgebiet geschaffen wird, in dem es vor den Blicken des Partners geschützt ist. Erhöhen kann man die Attraktivität einer Rüsselspringervitrine kann durch das Einbringen natürlicher Pflanzen. Natürlich müssen die eingesetzten Pflanzen ungiftig und pflegeleicht sein, um Vergiftungen zu vermeiden. Ideal sind z. B. Aloen (Aloa sp.), Geldbaum (Crassula ovata), Rosettendickblatt (Aeonium arboreum) oder Bogenhanf (Sansevieria trifasciata). Wer den Pflegeaufwand lebender Pflanzen scheut, kann auch auf getrocknete Grasbüschel oder Zweige mit getrocknetem Laub zurückgreifen.

Ein großes Augenmerk muss auf die Beleuchtung des Geheges gelegt werden. Als Bewohner sonnendurchfluteter Gegenden sind Rüsselspringer wahre Sonnenanbeter. Diesem Verhalten ist bei der Wahl der Leuchtmittel Rechnung zu tragen. Dabei kommen Halogenmetalldampflampen derzeit von allen künstlichen Lichtquellen der Sonne am nächsten, wobei das Spektrum der Lampe 6500K betragen sollte. Die Simulation der Sonne bzw. des Sonnenuntergangs kann über Halogenlampen erfolgen, welche sich mittels EVGs dimmen lassen. Natürlich können auch Leuchtstoffröhren mit einem entsprechenden Spektrum eingesetzt werden. Vor allem T5-Röhren, die mit elektronischen Vorschaltgeräten kombiniert werden, sodass die Flackerrate der Röhren erhöht wird, weshalb sie nicht mehr als störend wahrgenommen wird, haben sich als Beleuchtungsmittel bewährt. Wer seinen Tiere auch noch den Luxus einer Mondphase bietet möchte, kann auf im Fachhandel erhältliche Blaulichtlampen oder auf die inzwischen sehr gut entwickelte LED-Technik zurückgreifen. Die im Vergleich zu Nagetieren aufwendigere Lichttechnik erhöht zwar den technischen Aufwand der Rüsselspringerhaltung erheblich, die Tiere danken es dem Halter aber über ein lebhaftes und natürliches Verhalten. Fairerweise muss aber gesagt werden, dass auch Haltungen ohne eine solchen Maximalaufwand an Technik erfolgreich sind, wer aber Kostbarkeiten wie Kurzohr-Rüsselspringer hält, sollte diesen Aufwand nicht scheuen.

Wer seinen Tiere etwas Besonderes bieten will, kann ihnen auch eine Nebelanlage anbieten, die für den Morgentau sorgen kann, dieses Gimmick ist aber sicherlich am ehesten verzichtbar. Dies gilt auch für Ionisatoren oder eine Ventilationsanlage zur Luftumwälzung. Unverzichtbar für Kurzohr-Rüsselspringergehege ist aber eine Wärmelampe. Die Tiere lieben es, tagsüber unter der Wärmelampe oder auf einem aufgeheizten Stein zu liegen und zu dösen. Verzichten sollte man jedoch auf Wärmematten, da die von unten kommende Wärme vollkommen unnatürlich ist und Verhaltenuntersuchungen an Rüsselspringern auch gezeigt haben, dass die Tiere Wärmelampen eindeutig bevorzugen.

Einzel- oder Paarhaltung ?

Kurzohr-Rüsselspringer sind Einzelgänger, was man bei der Haltung stets bedenken sollte. Möchte man nicht züchten, so empfiehlt sich daher die Einzelhaltung. Wer jedoch Nachwuchs möchte, muss zumindest zur Verpaarung beide Paarpartner zusammenbringen. Eine permanente Gemeinschaftshaltung von Männchen und Weibchen ist jedoch nicht unproblematisch, vor allem in kleinen oder schlecht strukturierten Gehegen. So kann es auch bei scheinbar harmonierenden Paare zu plötzlich auftretenden Aggressionen kommen, die für das unterlegene Tier lebensgefährliche Folgen haben können, wenn es sich nicht zurückziehen kann. Vor allem bei trächtigen Weibchen kann man immer wieder beobachten, dass sie das Männchen vehement verfolgen und attackieren. Dabei sind die Folgen zwar nur selten ernsthafte Verletzungen, aber das Männchen verliert aufgrund des Stresses teilweise erheblich an Gewicht, sodass es bei zu spätem Eingreifen sogar eingehen kann. Ideal ist es deshalb, Männchen und Weibchen immer nur für zwei bis drei Wochen zwecks Paarung gemeinsam gehalten und sie beim ersten Anzeichen von Aggressionen seitens des Weibchens sofort wieder zu trennen. Hierbei leistet ein Gehege, welches in der Mitte durch Schieber unterteilt werden kann, gute Dienste. Nur wenn man ein großes Gehege besitzt, in dem sich die Tiere auch ohne Sichtkontakt bewegen können, ist eine dauerhafte Paarhaltung möglich. Aber auch hier gilt es, stets ein wachsames Auge zu haben, um bei aufkeimenden Aggressionen, vor allem während der Geburt und der Aufzucht von Jungen, sofort einzugreifen. Bedenken sollte man bei dieser Art der Haltung aber immer, dass dabei stets die Gefahr besteht, dass Junge durch das Männchen verletzt oder gar getötet werden können.


Ernährung

Über die Ernährung der Kurzohr-Rüsselspringer in Menschenobhut ist lange Zeit regelrecht gestritten worden. Während die eine Fraktion eine rein insektivore Ernährung bevorzugten, versuchte es andere Halter mit Mischkost. Detaillierte Untersuchungen im Tiergarten Schönbrunn (R. UNGER & D. SCHRATTER) ergaben, dass Rüsselspringer bei entsprechender Auswahl durchaus Mischkost bevorzugen. Insgesamt stellen die Tiere dabei im Vergleich zu anderen Kleinsäugern recht hohe Ansprüche, auch dies ist ein Grund, warum Rüsselspringer nur von erfahrenen Haltern gepflegt werden sollten. Als Grundfutter kann man seinen Tieren geraspelte Möhren und Gurken reichen. Auch Paprika und Salat sind sehr beliebt, wenn sie geraspelt bzw. klein geschnitten serviert werden. Auch Obst, wie Apfel, Kiwi, Birne, Traube oder Melone werden bei entsprechender Zubereitung gerne gefressen. Um eine zu einseitige Futterauswahl zu verhindern, ist es die verschiedenen fein geriebenen oder geschnittenen Futtermittel miteinander zu vermischen. Dem so entstehenden Gemisch kann zusätzlich etwas hart gekochtes Ei oder hochwertiges Katzenfeuchtfutter beigemengt werden. Durch die Beimengung von Loribrei (in Pulverform) oder Nektarpulver, kann die Versorgung der Rüsselspringer mit Vitaminen und Mineralstoffen sicherstellen. Beide Futtermittel sind ursprünglich für die Ziervogelernährung gedacht, erfüllen aber auch in der Ernährung ihren Zweck.

Da Kurzohr-Rüsselspringer durchaus auch Sämereien, wenn auch in geringem Maß, zu sich nehmen, sollten diese den Tieren ständig zur Verfügung stehen. Ideal ist Wellensittichfutter, aber auch Unkrautsämereien oder Grassamen werden angenommen. Zur Beschäftigung der Tiere kann man auch Kolbenhirse anbieten.

Eine weitere wichtige Komponente in der Rüsselspringerernährung sind Insekten. Heuschrecken, Heimchen und Mehlwürmer werden von den Rüsselspringern geradezu begierig aufgenommen. Einige Tiere werden sogar so zutraulich, dass sie Heimchen und Mehlwürmer von der Pinzette fressen. Dies hat den Vorteil, dass der Halter dabei sehr gut den Allgemeinzustand seiner Pfleglinge überprüfen kann.

Zu guter Letzt darf frisches Wasser niemals fehlen. Dieses sollte in flachen Schalen angeboten werden, Nippeltränken sind gänzlich ungeeignet und werden von den Rüsselspringern kaum angenommen.

Da Kurzohr-Rüsselspringer vor allem abends und nachts fressen, empfiehlt es sich, das Futter in den Abendstunden frisch zu reichen. Es muss aber ganztägig zur Verfügung stehen, da die Tiere aufgrund ihres hohen Stoffwechsels ständig Nahrung benötigen. Bei der Fütterung haben viele Halter die Erfahrung gemacht, dass es von Vorteil ist, diese immer im gleichen Zeitfenster durchzuführen. Dies sowie die unbedingt erforderliche tägliche Fütterung mit frisch zubereitetem Futter machen die Haltung von Rüsselspringer aufwendig, sodass man sich die Anschaffung der Tiere reiflich überlegen sollte.


Zucht

Die Zucht von Kurzohr-Rüsselspringern ist alles andere als leicht und es kommt auch bei erfahrenen Haltern immer wieder zu Rückschlägen. Leider kommt es gerade bei erstgebärenden Weibchen immer wieder zu Komplikationen wie Infektionen, die in manchen Fällen auch zum Verlust des Weibchens führen. Hinzu kommt, dass durch die solitäre Lebensweise der Tiere eine Paarzusammenführung nicht immer problemlos gelingt. Einige Weibchen sind extrem wählerisch und akzeptieren nicht jedes Männchen als Partner, weshalb es sinnvoll ist, mindestens zwei Männchen zur Auswahl vorzuhalten. Dies ist allerdings bei der großen Seltenheit der Tiere leichter gesagt als getan. Deshalb ist eine enge Zusammenarbeit aller Halter von Kurzohr-Rüsselspringern dringend erforderlich, um die Tiere langfristig in unseren Beständen zu erhalten.

Hat sich ein Paar gefunden, so bleiben sie für einige Tage sehr eng zusammen, nach erfolgreicher Paarung lockert sich die Paarbindung aber merklich wieder. Ist die Paarung erfolgreich gewesen, bringt das Weibchen nach 56 Tagen Tragzeit 1 - 2 Jungtiere zur Welt. Die relativ großen Jungtiere kommen als Nestflüchter zur Welt, d. h. sie sind vollständig behaart, die Augen sind geöffnet und bereits wenige Minuten nach der Geburt beginnen sie, umherzulaufen. Sie bleiben jedoch die erste Zeit recht versteckt, sodass mancher Halter die Geburt der Jungen erst nach Tagen entdeckt. In den ersten Tagen werden die Jungtiere normalerweise nur zum Säugen von ihrer Mutter besucht, es gibt aber auch Beobachtungen in Menschenobhut, wonach die Jungen bereits kurz nach der Geburt an der Seite ihrer Mutter das Gehege inspizieren. In den ersten Tagen ist es sinnvoll das Männchen abzutrennen, sofern dies nicht bereits geschehen ist, um Verluste bei den Jungen zu vermeiden. 5 Tage nach der Geburt erhalten die kleinen Rüsselspringer zusätzlich zur Milch feste Nahrung in Form von zerkauten und eingespeichelten Insekten, die ihnen von der Mutter vorgelegt werden. Schon kurze Zeit später jagen die Jungen selber Insekten und naschen auch auf festen Futter. Ab der zweiten Lebenswoche lässt die Mutter-Kind-Bindung spürbar nach und die jungen Kurzohr-Rüsselspringer gehen ihren eigenen Weg. Nun gilt es, die Tiere genau zu beobachten, um die Jungen bei aufkommenden Aggressionen die Jungtiere rechtzeitig aus dem Gehege zu entfernen. Im Alter von etwa 40 Tagen erreichen die Jungen die Geschlechtsreife, zur Zucht sollten junge Weibchen aber

Eine Besonderheit der Kurzohr-Rüsselspringer ist die Möglichkeit zur Superovulation (Polyovulation), bei der beim Eisprung zwar mehrere reife Eizellen die Eierstöcke verlassen und auch befruchtet werden, allerdings sich von diesen meistens nur zwei in den Uterus einbetten. Ein neuer Eisprung erfolgt bei den Tieren immer nach dem Wurf der Jungtier.

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