Früher wurden die Steppenwühlmäuse als eine Untergattung von Microtus, zu denen auch verschiedene einheimische Wühlmäuse wie die Feldmaus (M. arvalis) gehören, angesehen. Inzwischen werden sie jedoch einer eigenen Gattung (Lasiopodomys) zugeordnet, die aus drei Arten besteht. Neben der Brandts Steppenwühlmaus (L. brandtii) gehören auch die Plateau-Wühlmaus (L. fuscus) und die Madarin-Wühlmaus (L. mandarinus) zu dieser Gattung. Als Heimtier wird aber bisher nur die Brandts Steppenwühlmaus gepflegt.

Die Heimat der Brandts Steppenwühlmäuse sind die Steppen der Mongolei sowie der angrenzenden Gebiete Sibiriens und des Nordostens Chinas. Ihr Fell ist oberseits sandgrau bis gelblichbraun, auf der Bauchseite schmutzig-weiß. Es ist relativ lang und äußerst dicht. Durch ihren kantigen Kopf und die kompakte Körperform wirken sie wie Miniaturausgaben des Präriehunds, mit dem sie aber nicht verwandt sind. In Menschenobhut gehört Brandts Steppenwühlmaus immer noch zu den selteneren Pfleglingen. Dies ist umso bedauerlicher, als die Wühlmäuse über eine angenehmes Wesen und ein umfangreiches und interessantes Verhaltensrepertoire verfügen.


Steppenwühlmäuse in ihrem Lebensraum

Brandts Steppenwühlmäuse zeigen in ihrem Verbreitungsgebiet ähnliche Massenvermehrungen, wie sie von einigen Lemmingarten beschrieben werden. Allerdings sind die Zeitspannen zwischen den rasanten Vermehrungen bei den Steppenwühlmäusen deutlich länger. Bis zu 12 Jahren dauert ein solcher Zyklus. Wie auch bei Lemmingen gibt es keine gesicherten Erkenntnisse über Massenwanderungen, vielmehr wird auch ihr Bestand bei sprunghafter Vermehrung auch die zunehmende Zahl der Fressfeinde stark reduziert. Hochlandbussarde, Steppenadler und Steppenfüchse sind somit die Nutznießer des Kindersegens der Wühlmäuse.

In der mongolischen Steppe gehören die Brandts Steppenwühlmäuse zu den Charaktertieren. Dort leben sie in größeren matrifokalen Gruppen, d. h. die Gruppen bestehen aus einem bis mehreren Weibchen und deren Jungtieren. Insbesondere im Herbst und Winter bilden die Tiere Schlafgemeinschaften aus bis zu 20 Tieren. Fortpflanzungsfähige Männchen schließen sich nur im Winter den Gruppen an, ansonsten sind sie eher Einzelgänger, die in ihrem großen Revier mehrere Weibchengruppen haben. Der Aktionsradius der Männchen ist ca. 2,5 km² groß und umfasst bis zu 10 Weibchengebiete. Weibchen sind im Allgemeinen platztreu und verlassen ihr Revier mit der Größe von ca. 1,5 km² nur selten. Allerdings wandern trächtige Weibchen ab und zu ab und gründen neue Gruppen. Eine Besonderheit der Wühlmäuse ist es, dass fortpflanzungsfähige Steppenwühlmausmännchen durch ihre Anwesenheit in der Gruppe verhindern, dass die männlichen Jungtiere geschlechtsreif werden. Dies unterbindet eine unkontrollierte Vermehrung unter Müttern und Söhnen.

Brandts Steppenwühlmäuse bevorzugen Steppen und Wiesen als Lebensraum, meiden aber auch die Nähe von Gewässern nicht. Lebensmittelpunkt der Tiere sind ihre umfangreiche Baue. Sommerbaue der Steppenwühlmäuse sind ca. 0,25 bis 0,5 m tief und sehr verzweigt. Sie besitzen mehrere Kammern und bis zu 15 Ausgängen. Die Winterbaue werden in 0,5 m Tiefe angelegt und besitzen nur wenige Ausgänge, die zeitweise komplett verschlossen werden. Im Winter leben die Wühlmäuse fast ausschließlich unter der Erde und ernähren sich dann von den im Herbst gesammelten Vorräten. In den unterirdischen Vorratskammern lagern sie bis zu mehrere Kilogramm Futter ein, das hauptsächlich aus Gras und anderem Grünzeug sowie Wurzeln besteht.

Kommunikation mit Pfiff

Auffällig ist die Kommunikation der Wühlmäuse mittels Pfeiflauten. Oft kann man die Tiere bereits hören, bevor man sie erstmals sehen kann. Auch das "Männchenmachen" vergleichbar dem Verhalten von Präriehunden und Zieseln ist typisch für Brandts Steppenwühlmaus.

Bei der Haltung von Brandts Steppenwühlmaus sollte deren Bedürfnis nach sozialen Kontakten berücksichtigt werden. Die geselligen Tiere sollten deshalb nur mindestens paarweise oder in Gruppen von 4 bis 10 Tieren gehalten werden. Um die natürliche Gruppenstruktur zu imitieren sollte sich lediglich ein geschlechtsreifes Männchen in der Gruppe befinden.

Idealerweise werden Steppenwühlmäuse in ausgedienten Aquarien gehalten. Die Grundfläche der Unterkunft für eine Gruppe von 4 – 6 Tieren sollte 100x40 cm betragen. Bei größeren Gruppen muss das Gehege entsprechend größer sein.

Unbedingt achten muss man bei Gruppenhaltung auf evtl. auftretende Streitigkeiten innerhalb der Gruppe, da ansonsten rangniedere Tiere entweder zu Tode gebissen werden können oder bedingt durch den ständigen Stress einfach verhungern. Wer die Zeit zum regelmäßigen Beobachten der Tiere nicht hat, hält besser nur ein Paar zusammen und trennt die Jungtiere in einem Alter von 6 Wochen von den Elterntieren. Da Steppenwühlmäuse durchaus springen können, sollte eine Abdeckung des Beckens nicht vergessen werden.

Als Einstreu bietet sich eine etwa 15 cm dicke Schicht aus einem Gemisch aus Rindenmulch und ungedüngter Blumenerde. Als Deckstreu wird Heu oder Stroh verwendet. In dieses Gemisch bauen die Wühlmäuse dann ihre Gänge und Kammern.

Zur Gehegeausstattung gehört auch ein Unterschlupf in Form eines Nagerhäuschens, in das sich die Steppenwühlmäuse meist gerne zurückziehen. Um den Tieren eine abwechslungsreiche Umgebung zu bieten, können zusätzlich größere Wurzeln, Moos, Grasballen und Steine in das Becken eingebracht werden. Tauscht man diese einmal pro Woche aus oder ändert ihre Position, gibt man den Wühlmäusen immer wieder neue Anreize, ihre Umgebung zu erkunden.

Zusätzlich sollte zur Käfigausstattung einer handelsübliche Nippeltränke gehören, da den Wühlmäusen ständig Wasser zur Verfügung stehen sollte. Wassernäpfe sind hierfür ungeeignet, da sie ständig zugescharrt werden. Auf Futternäpfe kann verzichtet werden, da das Futter auch direkt auf die Einstreu gegeben werden kann. Möchte man dennoch nicht darauf verzichten, ist es wichtig nagesichere Futternäpfe zu verwenden, hier haben sich glasierte Tonschalen bewährt.


Ernährung

Die natürliche Nahrung der Steppenwühlmäuse besteht aus Gras bzw. Heu, Wurzeln, jungen Trieben und Moosen. Ab und zu ergänzen sie ihr Nahrungsspektrum auch durch Kerbtiere, die sie im Boden finden.

In Menschenobhut sollten Steppenwühlmäuse mit einem Gemisch aus Körnerfutter (Wellensittichfutter und Kanarienfutter im Verhältnis 2:1) und Gemüse (Möhren, Schwarzwurzeln, Futterrüben etc.) ernährt werden. Stark zuckerhaltiges Obst wie süße Äpfel, Birnen, Bananen u. ä. sollte möglichst nicht verfüttert werden, da das auf karge Kost eingestellte Verdauungssystem der Steppenwühlmäuse mit dem darin enthaltenen Zucker nicht klarkommt. Neben heftigen Durchfällen, kann die Ausbildung von Diabetes, wie sie z. B. beim Degu bekannt ist, kann bei der Gabe großer Mengen zuckerhaltiger Obstsorten nicht ausgeschlossen werden.

Ergänzt werden kann die Nahrung durch die Gabe von Lebendfutter (z. B. Mehlwürmer) und Insekten- bzw. Eifutter für Ziervögel. Auch die Gabe von frischem Waldboden mit den darin enthaltenen Kerbtieren kann zur Versorgung mit tierischen Eiweißen genutzt werden. Aber nicht alle Steppenwühlmäuse nehmen tierische Nahrung an. Wesentlich für eine erfolgreiche Zucht ist die Gabe von frischem Grünfutter und Moos. Fehlt dieses, bleibt Nachwuchs meistens aus. Auch Grasballen mit Wurzeln sind eine wichtige Nahrungskomponente. Durch die in der Erde des Ballens enthaltenen Insekten können die Wühlmäuse gleichzeitig tierisches Eiweiß aufnehmen.

Zucht

Die Zucht der Steppenwühlmaus gelingt am besten in Gruppenhaltung. Dabei sollte ein älteres Weibchen mit drei bis vier jüngeren Weibchen und einem unverwandten Männchen zusammengesetzt werden. Werden mehrere Männchen zur Gruppe gesetzt, unterdrückt das ranghöchste Tier die anderen. Auch kommt es durch andauernde Rangkämpfe nicht zur Fortpflanzung. Alternativ kann auch ein einzelnes Paar zur Zucht angesetzt werden.

Bleibt der Nachwuchs aus, sollte das Männchen ausgetauscht werden. Kommt es zur erfolgreichen Paarung, erfolgt der Wurf nach ca. 23 Tagen. Pro Wurf werden 5 – 6 Jungtiere geworfen, die nach 3 Wochen selbstständig sind. Junge Weibchen kann man in der Gruppe belassen, die Männchen sollten besser entfernt werden. Dies sollte aber nicht zu früh, d.h. erst mit 6 Wochen erfolgen, damit die Tiere alle wichtigen Verhaltensweisen von ihren Eltern erlernen können. Im Hinblick auf die Gesundheit der Weibchen, sollte man nicht mehr als zwei Würfe pro Jahr zulassen, da ansonsten das Muttertier zu stark geschwächt wird. Bereits ab dem dritten Wurf nimmt die Zahl der Jungen und deren Größe oft deutlich ab.

Während der Jungenaufzucht benötigen die Wühlmäuse übrigens ernorme Mengen an Grünfutter. Es ist immer wieder erstaunlich welche Mengen die kleinen Kerle täglich aufnehmen können. Besonders beliebt sind dabei Vogelmiere, Löwenzahn und Moos.

Büchertipps