Viele Erkrankungen von Kleinsäugern werden erst erkannt, wenn die Krankheit ein Endstadium erreicht hat, da die Tiere typischerweise Krankheiten möglichst lange verbergen wollen. Dies liegt daran, dass in freier Wildbahn kranke Tiere bevorzugte Beute von Raubtieren sind oder von ihrer Gruppe ausgestoßen werden.
Erkennt man also Symptome wie Durchfall, Abmagerung oder apathisches Verhalten, kann es für eine Behandlung schon zu spät sein. Deshalb sollten alle Tiere eines Bestandes regelmäßig auf ihren Gesundheitszustand überprüft werden.

Täglich sollte kontrolliert werden, ob alle Tiere fressen. Bei nachtaktiven Tieren kann dabei der nächtliche Futterverbrauch durch einen Kontrollblick am nächsten Morgen überprüft werden. Zusätzlich sollte das Verhalten der Tiere überprüft werden. Erscheint ein Tier weniger lebhaft als üblich, kann das bereits ein wichtiger Hinweis auf eine Erkrankung sein. Beim beobachten der Tiere kann dann auch auf den Zustand des Fells geachtet werden. Gesunde Tiere haben ein sauberes, glänzendes Fell ohne kahle Stellen.
Neben dieser täglichen Kontrolle sollte einmal wöchentlich ein ausführlicher Gesundheitscheck durchgeführt werden.

Dabei sollten Sie folgende Punkte beachten:

Das Fell
Ein gesundes Tier zeigt ein dichtes , glänzendes Fell. Struppiges und stumpfes Fell ist ein deutliche Indikator dafür, dass etwas an der Haltung nicht stimmt. Stress, falsche Ernährung aber auch Erkrankungen können die Ursache hierfür sein. Kahle Stellen können durch Parasiten (z.B. Milben) oder Pilze verursacht werden. Kommt es zu Streitigkeiten innerhalb einer Gruppe, können Bissverletzungen die Folge sein.

Die Augen
Trübe Augen ohne Glanz, die evtl. sogar eingefallen sind, aber auch Ausfluss sind deutliche Hinweise auf eine Erkrankung. Hier sollte schnellstmöglich der Tierarzt aufgesucht werden. Kamillentee ist übrigens nicht geeignet, um die Augen zu reinigen; im Gegenteil, er reizt die Augen und kann seinerseits Entzündungen verursachen.

Das Gebiss
Ein gesundes Nagergebiss ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die Zähne aus Ober- und Unterkiefer gegenseitig abnutzen. Fehlstellungen der Zähne führen zur mangelhaften Abnutzung was zu übermäßigem Wachstum der Zähne führt. Evtl. kann das betroffene Tier nicht mehr selbstständig fressen, bzw. es kommt durch die überlangen zähne zu Verletzungen im Rachenbereich, was zu schweren Infektionen führen kann.
Zusätzlich sollte die Schleimhaut des Mundes kontrolliert werden. Ist sie weißlich oder besitzt sie mit Schorf überzogene Stellen, liegt entweder eine Mangelernährung oder eine Infektion (meist mit Pilzen) vor.


Die Ohren
Sie müssen sauber und ohne Schuppen bzw. Krusten sein, da ansonsten Infektionen oder Parasitenbefall vorliegen können.

Die Ausscheidungen
Dünnflüssige, meist übelriechende Durchfälle oder trüber, evtl. mit Blut versetzter Urin sind ernste Warnsignale und sollten Sie zu einem sofortigen Tierarztbesuch veranlassen. Ein verklebter After ist ein eindeutiger Hinweis auf Durchfall. In diesem Fall muss schnellstens gehandelt werden, da der mit dem Durchfall einhergehende Flüssigkeitsverlust sonst schnell zum Tod des Tieres führen kann.

Neben den oben genannten Punkten sollten Sie zusätzlich regelmäßig das Gewicht des Tieres sowie seine Krallen untersuchen, da insbesondere Gewichtsveränderungen ein Hinweis auf entweder eine Trächtigkeit oder aber, im Falle einer drastischen Gewichtsreduktion, auf eine ernste Gesundheitsstörung sein können.

Um auch langfristig einen Überblick über die gesundheitliche Entwicklung eines Tieres zu bekommen, empfiehlt es sich, für jedes Tier eine Karteikarte anzulegen, die genaue Auskunft über den Gesundheitszustand gibt.
Beispiel für eine Karteikarte für den Gesundheitscheck:

Name des Tieres:

Tierart:

Alter:

Geschlecht:

Datum

Fell

Augen

Gebiss

Ohren

Kot/Urin

After

Allgemein-
zustand

Gewicht

sonstiges