Der Siebenschläfer (Glis glis) gehört neben Haselmaus (Muscardinus avellanarius) und Gartenschläfer (Eliomys quercinus) zu den einheimischen Vertretern der Bilche (Gliridae). Mit einer Kopf-Rumpflänge von 13 – 20 cm und einer Schwanzlänge von 10 – 18 cm übertrifft er den häufiger bei Liebhabern anzutreffenden Afrikanischen Zwergschläfer (Graphiurus spec.) deutlich. An den Vorderpfoten besitzt er 4 Zehen (der Daumen fehlt), an den Hinterfüßen hingegen 5.
Seinen Namen verdankt der Siebenschläfer seiner Eigenschaft von Oktober bis April Winterschlaf zu halten. Auch wurde er im Mittelalter mit den „Sieben Schläfern“ (die Sieben Märtyrer von Ephesus) in Verbindung gebracht. Er wurde somit als guter Hausgeist und Beschützter der Hausbewohner verehrt und seine Anwesenheit galt als gutes Zeichen. Im Bauernkalender fand der Siebenschläfer ebenfalls seinen Platz. Ist der 27. Juni (Siebenschläfertag bzw. Gedenktag der Sieben Märtyrer) verregnet, so soll der ganze Sommer feucht bleiben. Obwohl dieser Aberglaube wissenschaftlich längst widerlegt ist, hat er sich doch bis in unsere Zeit gehalten.

Lebensraum und Verhalten
Der bevorzugte Lebensraum des Siebenschläfers sind Laub- und Mischwälder, wobei er die Nähe des Menschen durchaus nicht meidet. Geschickt klettert er an Bäumen und Hauswänden umher. Hierbei hilft ihm seine Fähigkeit, die Hinterfüße nach hinten drehen zu können, sodass er problemlos kopfüber abwärts klettern kann. Seine nackten, stets etwas feuchten Fußsohlen wirken dabei wie Saugnäpfe und sorgen für den nötigen Halt.
Tagsüber zieht sich der Siebenschläfer in sein kugelförmiges Nest zurück, welches einen Durchmesser von 15 cm hat und mit Federn und Haaren ausgepolstert ist. Als Neststandort wählt er meist Baumhöhlen oder Dachböden. Sobald die Dämmerung hereinbricht, verlässt er sein Nest, um sein Revier, das einen Radius von etwa 100m hat, nach Fressbarem zu durchsuchen. Dabei legt er einen enormen Appetit an den Tag. Kaum etwas ist vor ihm sicher. Neben Früchten, Blättern, Nüssen, Rinde und Knospen, frisst er auch Insekten und plündert Vogelnester, wobei er sowohl die Eier als auch junge Nestlinge erbeutet. Vor allem im Herbst, wenn er sich innerhalb kürzester Zeit einen Fettvorrat für den Winterschlaf anfressen muss (das Gewicht nimmt dabei von 100 – 180g auf bis zu 250g zu), kennt sein Appetit keinerlei Grenzen. Dies wurde ihm in der Römerzeit oftmals zum Verhängnis, da die Römer ihn als Delikatesse schätzten. Sie fingen Siebenschläfer und mästeten sie, bis sie schließlich verzehrt wurden. Aber nicht der Fang zum Verzehr trug letztlich dazu bei, dass die Bilche bei uns immer seltener wurden, sondern vor allem der Rückgang des Lebensraums und der Einsatz von Pestiziden. Um auf seine Bedrohung aufmerksam zu machen, wurde der Siebenschläfer im Jahr 2004 sogar zum „Tier des Jahres“ ernannt.

Der Winterschlaf
Für den namens gebenden Winterschlaf legen Siebenschläfer eigene Nester an, in denen viele Tiere gemeinsam überwintern. Die größte Anzahl an Tieren, die jemals in einem Nest gezählt wurden, lag bei 69 Exemplaren. Als Überwinterungsort wählen die Tiere normalerweise Baumhöhlen, aber auch Erdhöhlen. In der Nähe menschlicher Siedlungen ziehen sie sich aber bevorzugt auf Dachböden zurück, sofern ihnen die Möglichkeit des Zugangs geboten wird. Dabei nutzen sie bereits kleinste Spalten und Ritzen aus, um sich Zugang zu Speichern und Böden zu verschaffen.
Während des langen Winterschlafs verlieren die Tiere bis zu 50% ihres Körpergewichts. Schwache und schlecht ernährte Tiere überleben diese Zeit meist nicht. Nach dem Aufwachen im Frühjahr bleiben die Schläfer in lockeren Gruppen zusammen. Dabei zeigt sich keinerlei Hierarchie, auch ein ausgeprägtes Territorialverhalten fehlt meist. Lediglich trächtige Weibchen leben für kurze Zeit solitär.

Haltung
Bei der Haltung von Siebenschläfern muss ihr enormer Bewegungsdrang bedacht werden. Deshalb benötigen sie ausrechend große Gehege, die mindestens eine Grundfläche von 1 qm bei einer Höhe von 2 Metern aufweisen sollten. Ist das Gehege zu klein, bilden sich schnell Bewegungsstereotypien aus, wie das auch bei Hörnchen bekannte Saltoschlagen. Bemerkt man ein solches Verhalten, muss sofort eingegriffen werden, um eine Manifestation zu verhindern. Gut geeignet für die Unterbringung sind größere Volieren, die neben einem Außenbereich auch einen Innenstall aufweisen. In einer solchen Anlage erhalten die Siebenschläfer ausreichend Frischluft und können die jahreszeitlich bedingten Wetterwechsel miterleben.
Dies ist vor allem im Hinblick auf den Winterschlaf wichtig, den die Siebenschläfer auch in Menschenobhut machen sollten. Wird ihnen die Möglichkeit zum Winterschlaf nicht gewährt, ist kaum mit Nachwuchs zu rechnen und das zu erwartende Lebensalter nimmt deutlich ab. Für einen möglichen Winterschlaf sollte eine ausreichend großer Nistkasten zur Verfügung stehen, den die Tiere mit Heu, Haaren und Federn auspolstern können.

Die Einrichtung
Zahlreiche Äste, die den Siebenschläfern die Möglichkeit zu klettern ermöglichen, bilden die Grundausstattung des Geheges. Um die Geschicklichkeit der Tiere zu trainieren empfiehlt sich dabei auch sehr dünne und flexible Zweige zu verwenden. Diese geben nach wenn die Schläfer auf ihnen herumtoben und fördern durch ihre Bewegung den Gleichgewichtsinn der Bilche. Bei meinen Tieren kann ich immer wieder beobachten, wie sie diese dünnen Zweige als Schaukel benutzen, was ihnen offensichtlich viel Spaß bereitet.
Ähnlich Effekte kann man auch mit verschiedenen Seilen erzielen. Hierbei muss aber unbedingt darauf geachtet werden, dass die Siebenschläfer sich mit ihren Krallen nicht verheddern können, was schere Verletzungen zur Folge haben könnte.
Gute Erfahrungen habe ich auch mit Laufrädern gemacht. Sie werden recht gerne angenommen, müssen aber ausreichend groß sein, um dauerhafte Schäden am Bewegungsapparat zu vermeiden. Ein Durchmesser von 25cm ist hierfür als Mindestmaß anzusetzen.
Tagsüber ziehen sich die Siebenschläfer zum Schlafen in ihre Höhlen zurück. Diese werden von Zeit zu Zeit gewechselt, sodass den Tieren immer mehrere Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung stehen sollten. Gut geeignet sind hierfür Nistkästen für Nymphensittiche, die eine ausreichende Größe aufweisen. Ich habe dabei die Erfahrung gemacht, dass die Tiere Nistkästen im Hochformat denen im Querformat vorziehen. Aus optischen Gründen verwende ich dabei nur Naturstammnistkästen. Sie haben zudem den großen Vorteil, dass sie die Luftfeuchtigkeit im Inneren besser halten, was für die Atemwege der Tiere von Vorteil ist. Jeweils zum Ende des Winterschlafs werden die Nistkästen gründlich gereinigt und dann gewässert. Auf diese Weise schaffe ich auch für die heißen Sommermonate ein angenehmes Mikroklima für meine kleinen Bilche.

Die Fütterung
Siebenschläfer sind ständig hungrige und gehen an nahezu alles, was ihnen angeboten wird. Dies führt zur Gefahr der Verfettung, wenn die Fütterung nicht kontrolliert erfolgt. Übergewichtige Tiere sind krankheitsanfällig und neigen zu Leberschäden, was ihre Lebenserwartung drastisch reduziert. Deshalb ist bei der Fütterung äußerste Disziplin vom Halter gefordert, denn die Schläfer verführen aufgrund ihrer zutraulichen Art, ihnen den ein oder anderen Leckerbissen zuzustecken.
Als Grundfutter erhalten die Bilche verschieden Obstsorten, wobei vor allem Äpfel, Birnen und Trauben in der Gunst ganz oben stehen. Im Gegensatz zu meinen Zwergschläfern ignorieren die Siebenschläfer Bananen solange noch andere Futtermittel in Reichweite sind. Um meine Tiere zu beschäftigen, hänge ich das Obst an einer dünnen Schnur auf, sodass sie es nur kletternd erreichen können. Auf diese Weise müssen sie sich das Futter erarbeiten und werden nicht so schnell satt.
Neben Obst erhalten meine Tiere auch eine fettarme Saatenmischung aus Wellensittich- und Kanarienfutter. Lediglich in den Herbstmonaten werden auch Sonneblumenkerne beigemischt, damit sich die Tiere einen Fettvorrat für den Winterschlaf anfressen können. Jetzt gibt es ab und an auch verschiedene Nüsse (Walnuss, etc.), die ebenfalls sehr fetthaltig sind.
Tierisches Eiweiß kann man in Form von Jogurt oder Katzentrockenfutter reichen, besser ist aber die Gabe von Lebendfutter. Heuschrecken und Heimchen müssen von den Schläfern erjagt werden, was Langeweile verhindert und auch für den Halter ein immer wieder spannendes Schauspiel darstellt. Mehlwürmer sollten in den Sommermonaten hingegen nur selten verfüttert werden, aufgrund ihres Fettgehalts sind sie aber ein geeignetes Futter für die Herbstmonate.


Büchertipps