zooplus.de

Fast jedes Kind wünscht sich ein Haustier, wobei vor allem Hunde ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen. Aber auch Kaninchen, Meerschweinchen und Co stehen auf dem Wunschzettel. Aber sind Kleinsäuger überhaupt für Kinder geeignet?

"Mama, krieg ich einen Hund?", diese oder eine ähnliche Frage dürften schon viele Eltern gehört haben. Ist das Drängen des Kindes gar so groß, stimmen die Eltern oft einem Kompromiss zu, um den häuslichen Frieden wieder herzustellen. Und so zieht manches Meerschweinchen oder Kaninchen als Hundeersatz ins Kinderzimmer. Das dies keine ideale Lösung ist, liegt auf der Hand, ist doch die Haltung und das Verhalten eines Hundes nicht mit dem eines Kleinsäugers vergleichbar. Aber auch wenn der Kleinsäuger kein Ersatz ist, sondern der Erstwunsch, so muss die Verbindung zwischen Kindern und Kleinsäugern kritisch betrachtet werden.

Sind Kleinsäuger für Kinder geeignet?
Diese Frage lässt sich pauschal sicher nicht beantworten. Anders hingegen die Frage, ob Kleinsäuger ins Kinderzimmer gehören, denn diese lässt sich mit einem klaren Nein beantworten, denn ein Gehegestandort im Kinderzimmer ist für beide Seiten ungeeignet. Schließlich sind viele Kleinsäuger auch nachts aktiv, was den Schlaf der Kinder erheblich stört. Noch größer sind aber die Probleme für die Tiere. Naturgemäß machen Kinder Lärm, sei es bei Herumtoben, dem Ausschütten von Bausteinen auf den Boden oder dem Spielen mit Freunden. Dieser Lärm ist für Kleinsäuger enormer Stress, der zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen, ja sogar einer verkürzten Lebenserwartung führen kann. Außerdem sind die Tiere im Kinderzimmer nicht im direkten Einflussbereich der Eltern und diese können somit kaum dauerhaft kontrollieren, wie die Kinder mit den Tieren umgehen. Dies ist aber eine wichtige Grundvoraussetzung, denn egal wie vernünftig ein Kind auch ist, die Eltern haben die Hauptverantwortung für die artgerechte Haltung und Pflege der Kleinsäuger und können nur einen geringen Teil dieser Verantwortung an das Kind abgeben.
Aus diesem Grund sollte der Gehegestandort so gewählt werden, dass die Tiere einerseits am Familienleben teilnehmen können, andererseits aber auch ausreichend Ruhe haben und keiner Dauerbeschallung ausgesetzt sind.

Die Verantwortung der Eltern
Der Wunsch nach einem Tier ist bei Kindern meist sehr stark ausgeprägt und es gibt einige Studien, die nachweisen, dass das Zusammenleben mit Tieren einen positiven Einfluss auf die Entwicklung von Kindern hat, dennoch ist die Entscheidung, ein Tier anzuschaffen, generell eine Familienentscheidung. Grade bei jüngeren Kindern muss bedacht werden, dass die Hauptverantwortung für die Pflege und das Wohlergehen des Tieres bei den Eltern liegt. Diese müssen daher im Vorfeld sehr genau überlegen, ob sie bereit sind diese Verantwortung und die Arbeit, die die Pflege eines jeden Tieres mit sich bringt, auch zu übernehmen. Nicht zuletzt gilt es zu bedenken, dass sich die Kinder am Vorbild der Eltern orientieren. Ihr Umgang mit den tierischen Pfleglingen trägt maßgeblich zum späteren Verhältnis und Umgang des Kindes mit Tieren bei.
Gerade in diesem Punkt denken viele Eltern, dass Kleinsäuger nur wenig Arbeit machen und deshalb besonders pflegeleicht sind. Dies stimmt aber so keineswegs, denn die richtige Pflege von Kleinsäugern ist durchaus arbeitsintensiv. Neben den täglichen Arbeiten wie Füttern und Tränken muss das Gehege regelmäßig gereinigt werden. Hinzu kommen Beschäftigungsmaßnahmen für die Tiere, die dafür sorgen, dass sie alle ihre Sinne nutzen können und es keine Langeweile im Gehege gibt. Und gerade bei reinen Beobachtungstieren, wie z.B. Rennmäusen muss sich auch täglich Zeit genommen werden, um die Tiere genau in Augenschein zu nehmen. Nur so kann festgestellt werden, ob an der Haltung Änderungen im Sinne des Tieres vorgenommen werden müssen und ob die Tiere gesund sind. Denn Kleinsäuger sind aufgrund ihrer geringen Körpermasse schnell an Leib und Leben bedroht, wenn eine Krankheit nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird.

Steigende Verantwortung der Kinder
Diese Aufgaben können Kindern aber nur bedingt übertragen werden, da sie noch nicht in der Lage sind, die Konsequenzen ihres Handels abzuschätzen. So sollten Kinder unter 8 Jahren nur in Anwesenheit der Eltern mit den Tieren interagieren. Beispielsweise können sie unter Anleitung die Tiere füttern und das Wasser wechseln. Auch bei der Säuberung des Geheges können sie beteiligt werden, damit sie schrittweise immer mehr in die Verantwortung hineinwachsen. Dabei ist es wichtig, ihnen stets die Verantwortung, die man als Halter für die einem anvertrauten Lebewesen hat, zu verdeutlichen. Nur so lernen sie Achtung vor der Kreatur und betrachten Tiere nicht als lebendes Spielzeug.
Je älter die Kinder werden, desto mehr Aufgaben können sie dann übernehmen. Im Alter von 8 bis 12 Jahren können sie dann auch erste Tätigkeiten alleine ausführen, ohne das die Eltern jeweils dabei sind. Die Sorge um das tägliche Futter und Wasser fällt in diesen Bereich und auch die Säuberung des Geheges ist eine Aufgabe, die immer stärker in die Verantwortung der Kinder gelegt werden kann. Dennoch müssen die Eltern stets kontrollieren, ob die Kinder ihre Verantwortung auch wahrnehmen, allerdings sollte diese Kontrolle möglichst unauffällig erfolgen, sodass die Kinder nicht das Gefühl entwickeln, sie würden in Big-Brother-Manier überwacht. In diesem Alter ändert sich für die Kinder in ihrer Lebensumwelt einiges und so kann es durchaus passieren, dass sie ihre Pflichten vergessen. Dies geschieht übrigens selten aus Absicht oder Desinteresse, sondern ist einfach der Entwicklung der Kinder geschuldet. Erfüllen die Kinder ihre Aufgaben nicht, muss sofort eingegriffen werden, um Schaden von den Tieren abzuwenden. Im Anschluss sollte dann mit dem Kind gemeinsam überlegt werden, welche Ursachen dazu geführt haben.

Keine Vorwürfe
Dabei ist es wenig hilfreich, das Kind mit Vorwürfen zu überschütten oder ihm zu sagen, wie enttäuscht man doch sei. Auch das sofortige Drohen mit der Konsequenz, dass das Tier abgeschafft werden, wenn das Kind seine Pflichten nicht erfüllt, ist nicht hilfreich, sondern führt eher dazu, dass das Kind seine tierischen Hausgenossen als Belastung empfindet und letztlich eher ein Antihaltung in Bezug auf Tiere einnimmt. Vielmehr ist es sinnvoll, ganz offen und wertneutral mit dem Kind darüber zu sprechen, warum es bestimmte Dinge vergessen hat und aufzuzeigen, welche Probleme für das Tier daraus entstehen können. Dann gilt es gemeinsam eine Lösung zu suchen, die z.B. darin liegen kann, dass die Eltern dem Kind etwas stärker unter die Arme greifen, wenn es sich mit der Pflege überfordert fühlt. Nicht selten kommt es auch dazu, dass im Rahmen der Pubertät das Interesse an den ehemals so geliebten Kleinsäugern deutlich nachlässt. Auch in diesem Fall müssen die Eltern einspringen. Die dann in vielen Fällen gezeigte Reaktion, das Tier einfach abzuschaffen, ist dabei wenig sinnvoll, erzeugt sie doch bei dem zum Jugendlichen heranwachsenden Kind nur das Gefühl, dass Tiere wie Sachen einfach weggegeben werden können, wenn man keine Lust mehr darauf hat. Vielmehr sollten die Eltern in diesem Fall die Probleme thematisieren und zumindest kurzfristig die Pflege der Kleinsäuger übernehmen. Leben sie den richtigen Umgang mit den Tieren vor, ist in den meisten Fällen auch das Interesse des Jugendlichen an "seinen" Kleinsäugern nach einer Phase des Desinteresses wieder da.

Welcher Kleinsäuger ist richtig?
Die Bandbreit an für die Heimtierhaltung geeigneten Kleinsäugern ist riesig, gerade dies macht aber auch die Auswahl des richtigen Tieres so schwierig. Die bei jüngeren Kindern in der Beliebtheitsskala ganz oben stehenden Arten sind dabei sicherlich Meerschweinchen und Zwergkaninchen. Für Kinder sind Meerschweinchen aber nur bedingt geeignet. Jüngere Kinder möchten ihren vierbeinigen Liebling auch einmal anfassen, wobei sie aufgrund mangelnder motorischer Fertigkeiten auch schon einmal ohne Absicht etwas gröber werden können. Für Meerschweinchen als Fluchttier, welches den Körperkontakt auch zu Artgenossen nur in sehr geringem Maße sucht, ist dies echter Stress. Vor allem das aus dem Käfig Herausgenommen und Getragen werden verursacht bei den aus Südamerika stammenden Kleinsäuger Panikreaktionen. Hierbei besteht die große Gefahr, dass er dem Griff des Kindes entgleitet und sich beim Sturz schwer verletzt. Aus diesem Grund sind Meerschweinchen für jüngere Kinder gänzlich ungeeignet.
Besser geeignet sind da Zwergkaninchen. Sie pflegen auch mit Artgenossen einen engen Körperkontakt und genießen deshalb auch menschliche Streicheleinheiten. Da sie auch untereinander nicht immer zimperlich miteinander umgehen, verkraften sie auch einen etwas ungestümeren Streichelversuch. Nicht zuletzt besitzen sie ausreichend Selbstbewusstsein, sich notfalls gegen ihren Menschen zu wehren, wenn sie sich zu sehr gestört fühlen.

Beobachtungstiere
Alle anderen als Heimtiere gehaltenen Kleinsäuger sind mehr oder weniger Beobachtungstiere. Rennmäuse, Farbmäuse und Co fühlen sich in ihrem artgerecht eingerichteten Gehege am wohlsten. In diesem für sie sicheren Terrain kommen sie durchaus auch mal auf die Hand ihres Pflegers, streicheln lassen sie sich aber nur bedingt. Sie sind deshalb vor allem für ältere Kinder geeignet, die sich die Zeit für die Beobachtung ihres Pfleglings nehmen und Spaß daran haben, immer neue Beschäftigungsmöglichkeiten für diesen zu entwickeln.
Wer unter den "kleineren" Kleinsäugern nach Tieren sucht, die sich dem Pfleger enger anschließen und seine Nähe suchen, der ist bei Farbratten richtig. Aber auch hier gilt, dass sie zunächst den Kontakt zu Artgenossen und dann zu ihrem Menschen suchen.
Dies gilt tatsächlich für nahezu alle Kleinsäuger, die mit Ausnahme der Hamster, alle sehr sozial sind, zumindest die Arten, die regelmäßig als Heimtier gehalten werden. Deshalb dürfen diese Arten auch nur mindestens zu zweit gehalten werden, um ihnen ein artgerechtes Leben zu ermöglichen.

Keine Pauschalurteile
Letztlich lässt sich die Frage, ob Kleinsäuger für Kinder geeignet sind nur mit einem "Ja, aber..." beantworten. Die Eignung hängt immer vom Entwicklungsstand und den Wünschen des Kindes ab und diese lassen sich nicht pauschalisieren. Lediglich der Wunsch nach einem Kuscheltier lässt sich eindeutig beantworten, denn hier sind Kleinsäuger eindeutig die falsche Wahl. Tatsächlich steckt dahinter aber auch ein falsches Verständnis vom Umgang mit Tieren, welches generell nicht von den Eltern bestärkt werden sollte. Sie sind es, die durch ihr Verhalten den Umgang ihrer Kinder mit dem Lebewesen Tier prägen. Vielleicht muss die Frage deshalb auch anders lauten. Richtig wäre sie wahrscheinlich formuliert mit:" Sind Kleinsäuger für Familien geeignet?"