Neben dem Richardson Ziesel (Spermophilus richardsonii) ist der Schwarzschwanz-Präriehund der einzige Vertreter der nordamerikanischen Erdhörnchen, der regelmäßig in Menschenobhut zu finden ist. Alleine in Deutschland zeigen über 50 zoologische Einrichtungen Präeriehunde (zootierliste.de). Und auch in Privathand befinden sich zahlreiche dieser Hörnchen. Gegen Ende der 1990er-Jahre gab es sogar einen regelrechten Präriehund-Boom. Vor allem junge, frisch importierte Präriehunde wurden seinerzeit zu günstigen Preisen angeboten und fanden schnell ihre Liebhaber. Oftmals wurden diese dann in Wohnungshaltung gepflegt, wo sich kaum Nachwuchs einstellte. 2003 berichtete ZUMSTEG dann von der ersten gelungenen Nachzucht von Schwarzschwanz-Präriehunden in Wohnungshaltung (ZUMSTEG 2003). Insgesamt sind die Nachzuchterfolge bei einer reinen Wohnungshaltung jedoch gering. Ursächlich ist dafür hauptsächlich die mangelnde Phase der Winterruhe, die sich in der Wohnung nur schwer einleiten lässt. Dauerhaft hohe Temperaturen und vor allem die Verlängerung der Beleuchtungszeit auch in der dunklen Jahreszeit sind zwei hierfür verantwortliche Faktoren.

Überwinterung als Voraussetzung für Zucht

Da ohne eine Winterruhe die Nachzucht bei Präriehunden nur in Ausnahmefällen gelingt, sollte dieser besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, da die Zeiten der großen Importe für Jungtiere inzwischen zurecht vorbei sind. Eine arttypische Überwinterung gelingt vor allem bei Tieren in Außenhaltung, denn dort stellen sich kalte Temperaturen und kürzere Tageslänge von alleine ein. Allerdings birgt die Überwinterung in Außengehegen auch einige Risiken. So besteht zunächst die Gefahr, dass die Tiere in besonders kalten Nächten in ihrem Bau erfrieren können, wenn dieser haltungsbedingt nicht frostsicher ist. Aus diesem Grund muss sichergestellt werden, dass die Präriehunde die Möglichkeit haben, mindestens zwei Meter tief zu graben, da erst ab dieser Tiefe in unseren Breitengraden eine Frostsicherheit gegeben ist. Vor allem in Privathand sind diese Voraussetzungen aber nicht immer zu schaffen.
Ebenso muss bedacht werden, dass sich im Erdreich des Geheges keine Staunässe bilden darf, da ansonsten das in die Wohnhöhlen eingebrachte Heu feucht wird. Auf diese Weise verliert es seine Eigenschaft als Wärmeisolation und kann anfangen zu schimmeln, was zusätzliche Gesundheitsprobleme hervorruft. Nicht zuletzt muss beachtet werden, dass das in das Gehege eingebrachte Erdreich auch unter Dauerregen stabil bleiben muss, damit die Gangsysteme der Präriehunde auch in den regnerischen Herbst- und Wintertagen nicht einstürzen. Wie groß diese Gefahr ist, hat erst jüngst der Zoo Frankfurt feststellen müssen, bei dem es in der Erdmännchenanlage zum Zusammenbruch des Gangsystems kam, wobei die Tiere so verschüttet wurden, dass sie nur tot geborgen werden konnten.

Abwägung von Pro und Kontra
Eine Überwinterung im Freigehege will also gut überlegt sein, um das Risiko für die Tiere möglichst gering zu halten, denn letztlich möchte man ja, dass die Tiere im Frühjahr wieder die Anlage bevölkern. Neben den oben genannten Voraussetzungen gilt es auch, einen wirksamen Schutz gegen Raubsäuger und Ratten zu schaffen, welche im Winter durchaus gerne die Gänge der Präriehunde in Beschlag nehmen. Zwar sind Präriehunde durchaus wehrhaft, in den Schlafphasen sind sie jedoch nahezu wehrlos.
Möchte man die Risiken einer Überwinterung im Freiland nicht eingehen, so bleibt nur die Möglichkeit, alle Präriehunde aus der Freianlage herauszufangen und in geeigneten Räumlichkeiten zu überwintern. Diese sollten frostfrei, aber nicht beheizt sein, zudem sollten sie nur für eine begrenzte Zeit Helligkeit bieten. Ruhe ist ein weiterer wichtiger Punkt, den ein „Indoor“-Überwinterungsquartier erfüllen muss.
Hat man eine solche Räumlichkeit zur Verfügung und sich zur Innenüberwinterung entschlossen, steht man vor dem Problem, die Präriehunde einfangen zu müssen. Nur bei ganz zahmen Tieren läuft dies problemlos ab. In den meisten Fällen wird man auf das Herausfangen mittels Lebendfalle zurückgreifen müssen, wobei hier die Schwierigkeit vor allem in größeren Gruppen entsteht, dass die Tiere lernen, die Falle zu meiden. Aus diesem Grund kann sich die Aktion teilweise sehr lange hinziehen, bis schließlich alle Präriehunde in ihrem Winterquartier angekommen sind.
Dort sollten sie dann verbleiben bis die Nächte wieder nahezu frostfrei sind. Mitte bis Ende März ist meist der geeignete Zeitpunkt für einen Umzug in die Sommerresidenz. Je tiefer das Erdreich des Geheges ist, desto eher können die Präriehunde ins Freie gesetzt werden. Spätestens nachdem eine Paarung beobachtet werden konnte, ist der Zeitpunkt für das Umsetzen erreicht, da etwa fünf Wochen später die Geburt ansteht und die Weibchen sich bis dahin ihre Kinderstube eingerichtet haben sollten.

Eigene Erfahrungen

Meine eigene Präriehundgruppe, die aus insgesamt sechs Tieren besteht, habe ich jahrelang im Herbst aus ihrer Außenanlage gefangen und sie in einem Gehege in der Quarantänestation meiner Anlage überwintert. 2011 passierte es dann erstmals, dass sich ein Tier partout nicht fangen lassen wollte. Mehrere Lebendfallen wurden ignoriert oder ausgetrickst – kurzum, das Tier musste in der Außenanlage verbleiben. Damit es nicht gänzlich alleine war, setzte ich ein zweites Tier, ein überzähliges Männchen dazu. Mit diesen beiden Tieren sollte nun das Experiment Überwinterung im Freien starten.
Nun war der Winter 2011/12 bei uns besonders streng und vor allem in Januar wurden teilweise Temperaturen von bis zu minus 20°C erreicht. Während ich anfangs immer wieder einmal Fußspuren der Präriehunde entdecken konnte und auch das angebotene Futter von Zeit zu Zeit angenagt war, war während der Kälteperiode im Januar kein Lebenszeichen zu entdecken. Dementsprechend sanken meine Hoffnungen auf ein Überleben der Tiere, obwohl sie die Möglichkeit haben, sich bis zu 3 Meter tief einzugraben.
Auch in den ersten wärmeren Tagen im März fehlte von meinen draußen überwinternden Tieren jede Spur. Umso erstaunter war ich, als mit Einsetzen der restlichen Tiere, die alle problemlos über den Winter gekommen waren, einer der beiden Außenschläfer am Eingang des Baus erschien und die Rückkehrer lautstark begrüßte. Erst recht groß war die Freude, als ich nach einer Woche feststellen konnte, dass auch das andere Tier lebte und sogar offensichtlich trächtig war.
Tatsächlich war es dieses Weibchen, welches den Reigen an Nachwuchs eröffnete. Natürlich kann ich über den genauen Wurftermin nichts sagen, aber die Jungtiere dieses Weibchens waren vier Wochen vor denen der anderen Weibchen auf der Anlage zu sehen.

Ausblick
Durch diese positive Erfahrung ermutigt, habe ich dieses Jahr die gesamte Gruppe im Außengehege belassen und bin gespannt, ob auch alle im Frühjahr wieder zum Vorschein kommen.