Wer Mongolische Rennmäuse hält steht über kurz oder lang vor der Situation, zwei fremde Tiere miteinander vergesellschaften zu müssen. Meist ist der Tod eines Tieres der Grund dafür, dass ein allein zurück gebliebenes Tier mit einem neuen Partner vergesellschaftet werden muss. Auch beim Aufbau neuer Paare, z.B. zur Zucht ist eine Vergesellschaftung erforderlich. Dabei ist die Vergesellschaftung von Rennmäuse ist nicht immer problemlos. Für Anfänger in der Rennmaushaltung ist es aus diesem Grund empfehlenswert, bereits vergesellschaftete Tiere zu erwerben, um Problemen vorzubeugen, die gerade zu Beginn des Hobbys manchen Rennmausfreund überfordern. Früher oder später kommt man dann aber um das Vergesellschaften von zwei fremden Tieren nicht herum, spätestens dann, wenn ein Partner gestorben ist und das verbliebene Tier einen neuen Gefährten bekommen soll. Während bei jungen Rennmäusen, die noch nicht geschlechtsreif sind, selten Komplikationen auftreten, stellt das Zusammenführen erwachsener Rennmäuse den Halter oft vor große Schwierigkeiten. Deshalb gilt es besonders vorsichtig zu sein, wenn es darum geht, erwachsene Mongolische Rennmäuse zu vergesellschaften und sich ausreichend Zeit zu lassen. Nur so verhindert man zusätzliche Hektik, die sich nicht selten auf die Tiere überträgt und das Projekt der Zusammenführung gefährdet. Zwar gibt es auch Fälle, in denen man die Tiere einfach zusammensetzt und sie harmonieren, meistens dauert die Zusammenführung jedoch mehrere Tage oder sogar Wochen. Ohne die erforderliche Geduld und Vorsicht kann es passieren, dass es zu heftigen Beissereien zwischen den Rennmäusen kommt, die mit erheblichen Verletzungen des unterlegenen Tieres enden können. Und leider gibt es auch Vergesellschaftungsversuche, die niemals gelingen.

Ein Vergesellschaftungsversuch sollte deshalb vorzugsweise das Wochenende vollzogen werden, zumindest sollte sichergestellt sein, dass der Halter mindestens zwei Tage Zeit hat, die Tiere genau zu beobachten. Außerdem empfiehlt es sich, ein paar Lederhandschuhe während der Vergesellschaftung bereit zu legen, um die Tiere eventuell trennen zu können. Kommt es nämlich zu Beißattacken, unterscheiden die Rennmäuse weder Freund noch Feind und würden auch ihren menschlichen Futtergeber beim Versuch die Streithähne zu trennen heftigst beißen. Trotz der geringen Größe von Mongolischen Rennmäuse sind solche Bisse nicht zu unterschätzen!

Für die Vergesellschaftung von Rennmäusen haben sich vor allem zwei Methoden bewährt.


Trenngittermethode

Ein nicht zu großes Gehege (z.B. ein 60er-Becken) wird durch ein in der Mitte angebrachtes Gitter in zwei Teile unterteilt. Dabei gilt es darauf zu achten, dass sich die Mäuse durch das Gitter riechen, aber nicht beißen können. Notfalls muss das Gitter doppelt gespannt werden, damit die Tiere ihre Schnauzen nicht durch das Gitter stecken und gebissen werden können. Nun wird jeweils eine der zu vergesellschaftenden Mongolischen Rennmäuse in eine der Gehegehälften. Nach einigen Stunden werden dann die Rennmäuse in den jeweils anderen Gehegeteil gesetzt. Auf diese Weise vermischen sich langfristig die Gerüche beider Tiere. Diese Prozedur kann mehrere Tage dauern. Erst wenn man feststellt, dass die Tiere sich am Gitter friedlich begegnen oder sogar gemeinsam am Gitter schlafen, können beide Rennmäuse gemeinsam in eine frisch gereinigte Transportbox (z.B. Faunabox) gesetzt werden. Verhalten sich die Rennmäuse auch hierin friedlich, kann man sie nach ein paar Stunden in ihr neues Gehege geben, welches vorher komplett gereinigt und mit frischer Streu ausgestattet werden muss. Es gilt aber dennoch wachsam zu sein und auf auftretende Streitigkeiten zu achten. In dem Fall müssen die Tiere wieder getrennt und die Trenngittermethode fortgesetzt werden.


Transportboxmethode

Bei jungen Rennmäusen kann man es direkt mit der Transportboxmethode probieren, ohne die Tiere vorher durch das Trenngitter mit dem Geruch der anderen Rennmaus vertraut zu machen. Hierzu werden die beiden Tiere gemeinsam in eine Transportbox (z.B. Faunabox) gesetzt, die zuvor gründlich gereinigt und mit frischer Einstreu versehen worden ist. Der durch die Enge der Box verursachte Stress verhindert meist das Auftreten von Aggressionen, sodass es nicht zu Beissereien kommt. Außerdem verhindert die geringe Grundfläche der Box das Ausbilden und Verteidigen von Revieren. Beschnüffeln sich die beiden Rennmäuse friedlich, kann man sie vorerst unter Aufsicht zusammen lassen. Kommt es hingegen zu einer Beißerei, müssen sie sofort getrennt werden, um schwerere Verletzungen zu verhindern. Hierzu Handschuhe sollte man stets auf Lederhandschuhe zurückgreifen, um Verletzungen durch die Bisse der Rennmäuse zu vermeiden. Verhalten sich beide Tiere friedlich, sollten sie mindestens über Nacht in der Transportbox belassen werden. Anschließend können sie vorsichtig in ihr frisch gereinigtes Gehege gesetzt werden, wobei stets beobachtet werden muss, ob sie sich auch weiterhin gut verstehen. Natürlich gilt es auch hier müssen bei auftretenden Beißattacken sofort einzugreifen.


Herkunft hilft

Die Erfahrung bei der Vergesellschaftung von Mongolischen Rennmäusen hat gezeigt, dass vor allem die Herkunft der Tiere eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Vergesellschaftung spielt. Tiere, die aus einer größeren Gruppe stammen und ausreichend Sozialkontakte hatten, sind meist problemloser zu vergesellschaften, als „Kaspar-Hauser-Tiere“, die kaum soziale Verhaltensweisen kennen. Hierbei spielt es auch eine Rolle, wann die Tiere als Junge von ihren Eltern getrennt wurden. Oft erfolgt die Trennung viel zu früh, da vor allem in Internetforen immer wieder das Schreckgespenst der Inzucht gemalt wird, falls die Jungtiere zu lange bei den Eltern bleiben. Die Erfahrung zeigt aber genau das Gegenteil. Es kommt zumindest im ersten halben Jahr fast nie zu Deckakten zwischen Vater und Tochter bzw. Sohn und Mutter. Werden die Jungen aber schon im Alter von 6-8 Wochen von den Eltern getrennt, fehlen ihnen wesentliche soziale Verhaltensweisen, da sie nicht die Zeit hatten, diese zu lernen. Solche Rennmäuse sind meist schwer zu vergesellschaften und bleiben manchmal sogar lebenslang Beißer. Aus diesem Grund sollten junge Rennmäuse frühestens mit 12 Wochen von den Eltern getrennt werden. Noch besser ist es, wenn sie die Aufzucht der nachfolgenden Generation miterleben durften. Dies entspricht nicht nur der natürlichen Lebensweise der Mongolischen Rennmaus in freier Wildbahn, es trägt auch dazu bei, dass die Rennmäuse optimal sozialisiert sind. Solche Tiere sind leicht zu vergesellschaften und somit auch für Anfänger in der Rennmaushaltung geeignet.

Nicht auszuschließen ist auch eine genetische Komponente hinsichtlich der Aggression. Es zeigt sich, dass es inzwischen zahlreiche „friedliche“ Rennmausstämme gibt, deren Mitglieder meist ohne Probleme vergesellschaftet werden können. Vor allem bei Tiere, die erst wenige Generationen von wild gefangenen Rennmäusen aus der Mongolei stammen, kann man feststellen, dass sie sich friedlicher verhalten, als viele der „domestizierten“ Tiere. Hier scheint im Laufe der Jahre ein falscher Fokus auf die Auswahl der Zuchttiere gelegt worden zu sein. Bedingt durch die boomende Farbzucht wurden auch ungeeignete, teils sehr aggressive Tiere in die Zucht genommen, wenn sie nur das entsprechende Farbgen in sich trugen. Über Generationen wurde somit die Aggressivität genetisch gefestigt, mit den bekannten Problemen bezüglich der Vergesellschaftung.

Im Sinne der Tiere wäre es also wichtig, bei der zukünftigen Zucht mehr auf das Verhalten und die Gesundheit der Tiere zu achten, als auf „seltene“ Farben.