Die Gattung Didelphis gehört zur Familie der eigentlichen Beutelratten (Didelphinae) und umfasst insgesamt sechs Arten, die von Südamerika bis hin nach Nordamerika verbreitet sind. Sowohl im englischen als auch deutschen Sprachraum werden sie als Opossums bezeichnet, wobei diese Bezeichnung fälschlicherweise auch auf andere Vertreter der Familie übertragen wird. Auch australische Beuteltiere, die korrekt als Possums angesprochen werden (z.B. der Kurzkopf-Gleitbeutel (Petaurus breviceps)), werden oftmals als Opossums bezeichnet.

Das nördlichste Verbreitungsgebiet der Mitglieder der Gattung Didelphis hat das bekannte Virginia- oder Nord-Opossum, die Art, zu der auch der Leipziger Star Heidi gehörte. Alle anderen Arten, die in ganz Süd- und Mittelamerika beheimatet sind, sind zumindest bei uns weitgehend unbekannt, obwohl sie in ihren Ursprungsgebieten nicht gerade selten sind. Sie gelten sogar teilweise als Plage und werden bejagt, wobei ihr Fell u.a. für die Herstellung von Taschen verwandt wird.

Insgesamt gelten die Opossums als eine sehr ursprüngliche Variante der Beuteltiere. Zunächst in Nordamerika beheimatet entwickelten sie sich in Südamerika weiter, von wo aus sie u.a. Australien besiedelten. Erst nach der Trennung des australischen Kontinents entwickelten sich die Beuteltiere dort zu der heute bekannten Artenvielfalt weiter. Auch Nordamerika konnten die Opossums wieder besiedelt, die Vorfahren des Nordopossums sind dort wieder seit etwa 3 Millionen Jahre beheimatet.

Alle Arten der Gattung Didelphis sind etwa katzengroß und können zwischen 1,5 und 5kg schwer werden. Sie sind damit die größten Vertreter der Beutelratten. In der Färbung unterscheiden sie sich nicht groß, weshalb die Artbestimmung nicht ganz einfach ist und sich auch Spezialisten teilweise sehr schwer tun. Ihr Fell ist weißlich bis grau gefärbt, am Kopf haben sie meist drei schwarze Streifen, einen über jedem Auge und einen in der Mitte. Alle Füße haben fünf Zehen mit Krallen, eine Ausnahme sind die ersten Zehen der Hinterfüße, die daumenartig entwickelt ist und den anderen Zehen gegenübergestellt werden können.

Weißbauchopossums lassen sich von den anderen Vertretern ihrer Art dadurch unterscheiden, dass ihre Ohren fast ganz fleischfarben bzw. weiß sind, weshalb sie vereinzelt auch als Weißohropossums bezeichnet werden. Bei den restlichen Vertretern der Gattung sind die Ohren überwiegend dunkel gefärbt und weisen lediglich weiße Spitzen auf.

Haltung

Nachdem meine Weißohropossums bei mir angekommen waren, kamen sie zunächst für sechs Wochen in Quarantäne. Dies mache ich inzwischen mit allen Neuankömmlingen, auch wenn es sich um Nachzuchten handelt. Auf diese Weise möchte ich verhindern, dass sich Krankheitskeime der neu erworbenen Tiere und mit denen diese meist sogar gut klarkommen in meinem Bestand verbreiten und hier zu einem Krankheitsausbruch führen.

Zum Zeitpunkt des Erwerbs waren die kleinen Weißbauchopossums etwa so groß wie eine Ratte und recht friedlich. Deshalb brachte ich beide Tiere (ich hatte ein Paar erworben) in einem gemeinsamen Quarantänegehege unter. Dieses ist 2m2 groß, bei einer Höhe von 2,20 m. Ich brachte verschieden Äste in unterschiedlicher Stärke in das Gehege ein, zusätzlich erhielten die Tiere zwei Schlupfkisten in Form von Papageiennistkästen aus Sperrholz. Diese hatten die Maße 30 x 30 x 40 cm und ein Schlupfloch von 10 cm Durchmesser.

Obwohl zwei Kästen zur Verfügung standen, schliefen beide Tiere von Beginn an in einem der Kästen. V

or 18.00 ließen sich die Tiere  nicht außerhalb des Kastens blicken, danach kamen sie aber heraus und untersuchten das gesamte Gehege. Mir gegenüber verhielten sie sich recht zutraulich, bei ihnen fremden Menschen waren sie jedoch zurückhaltend und suchten teilweise auch ihren Kasten wieder auf.

Dauerhafte Unterbringung

Nach Ablauf der Quarantänezeit bezogen meine Weißbauch-Opossums dann ihr endgültiges Gehege. Dieses weist eine Grundfläche von 350 cm x 200 cm auf, bei einer Höhe von 200 cm. Gestaltet ist es mit Kunstfelsen, die zahlreiche Absätze besitzen, die als Liegefläche genutzt werden können. Es war schon bemerkenswert mit welcher Geschicklichkeit meine Opossums die Felsen erkletterten. Zahlreiche Äste, die deckenhoch eingebracht sind und einen Durchmesser von 2 cm bis zu 20cm haben, ergänzen die Inneneinrichtung. Beleuchtet wird das Gehege während des Tages mit zwei Osram Vitalux-Lampen, die neben der Helligkeit auch für einen entsprechenden UV-Anteil sorgen. Zwar sind die Tiere überwiegend nachtaktiv, inzwischen habe ich sie aber auch schon tagsüber dabei beobachten können, wie sie unter den Lampen ein regelrechtes Sonnenbad hielten. Sobald sie mich bemerkten, waren sie aber sofort wieder in ihrem Kasten verschwunden, den ich aus dem Quarantänebereich mit in das neue Heim hinübergebracht hatte.

Inzwischen hatten die Tiere gewaltig an Größe und Gewicht zugelegt. Sie waren nun etwa so groß wie ein adultes Meerschweinchen, das Gewicht war entsprechend. Auch hatte sich ihr Verhalten geändert. Näherte ich mich ihnen, wurde das Maul aufgerissen und mit den Zähnen gedroht. Vor allem die beim Männchen deutlich kräftigeren Eckzähne wussten dabei zu beeindrucken. Allerdings wurde niemals der Versuch gestartet, tatsächlich zuzubeißen, dabei ist es bis heute geblieben. Es wird zwar gedroht und gefaucht, aber sobald ich die Tiere anfasse, werden sie ruhig.

Fütterung

Die Fütterung meiner Tiere erfolgte von Beginn an so abwechslungsreich wie möglich. Dabei verzichte ich komplett auf die Gabe von Trocken- oder Dosenfutter. Neben Eintagsküken erhalten meine Opossums vor allem Rennmäuse und Vielzitzenmäuse aus eigener Zucht. Hierdurch weiß ich, womit die Futtertiere gefüttert wurden und kann mir sicher sein, dass sie tatsächlich auch ausreichend Nährstoffe beinhalten. Zusätzlich reiche ich alle zwei Tage Insekten bzw. deren Larven. Neben Heuschrecken werden auch Mehlwürmer, Zoophobas und Tauwürmer bevorzugt gefressen. Schaben werden hingegen nur widerwillig angenommen und dann auch nur, wenn sonst kein Futter verfügbar ist.

Etwa ein Viertel der Nahrung meiner Weißbauch-Opossums besteht aus Obst. Neben Trauben und Bananen werden auch süße Äpfel und Birnen gerne gefressen. Ein absolutes Highlight sind aber Kaki (Diospyros kaki), die auch als chinesische Pflaume bezeichnet werden. Für sie lassen meine Opossums alles andere liegen. Selbst die Scheu vor dem Menschen vergessen sie in diesem Fall und nehmen das Futter aus der Hand.

Zucht

Mitte 2012 stellte ich fest, dass meine Opossums nicht wie bisher in einem Kasten schliefen, sondern getrennt. Eine Kontrolle ergab keinen Anhaltspunkt, weder waren Bisswunden zu erkennen, noch kam es abends zu Streitigkeiten zwischen den Tieren als sie sich im Gehege begegneten. Dennoch entfernte ich das Männchen aus dem Gehege, hoffte ich doch auf Jungtiere und wollte nicht riskieren, dass diese von Männchen attackiert würden. Nachdem sich in den nächsten Wochen nichts veränderte, untersuchte ich das Weibchen schließlich genauer, konnte aber keine Jungtiere feststellen. Ob es überhaupt zu einer Geburt gekommen ist, kann ich somit nicht sagen. Ich setzte nun das Männchen wieder zum Weibchen und erwartete, dass es erst einmal zu heftigen Streitigkeiten kommen würde, wie FUßBAHN dies bei den Nord-Opossums beschreibt. Diese blieben aber aus, im Gegenteil, Männchen und Weibchen verschwanden sofort im selben Schlafkasten, als ob sie nie getrennt worden wären. Bis heute ist dies so geblieben und ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass bei einem offensichtlich harmonischen Paar auch einmal Nachwuchs entsteht.

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