Öffentlichkeitsarbeit für Kleinsäugerhaltung

Immer mehr Bundesländer haben in jüngster Zeit sogenannte Gefahrtierverordnungen erlassen (obwohl sicherlich zu recht diskutiert werden kann, ob die darauf enthaltenen Arten tatsächlich gefährlich sind) oder beraten derzeit die Verabschiedung einer solchen Verordnung. Zwar sind durch diese Verordnungen bisher nur wenige Säugerarten betroffen, aber man darf sich nicht blenden lassen. Mit dem Erlass einer solchen Verordnung ist ein Weg eingeschlagen, der eindeutig in die Richtung von massiven Haltungsbeschränkungen führt, ja sogar ein Haltungsverbot langfristig nach sich ziehen kann.  Forderungen nach einem solchen Verbot kommen ja inzwischen nicht nur von Tierrechtsextremisten wie PETA, sondern auch vom bisher eher gemäßigten Deutschen Tierschutzbund e.V. (DTSchB). Hierdurch erreichen die Forderungen eine neue Qualität, ist doch der Tierschutzbund deutlich stärker im Bewusstsein der Bevölkerung verankert als es PETA oder ProWildlife sind.

Öffentlichkeitsarbeit tut not

Interessant ist die Reaktion der betroffenen Kleinsäugerhalter. In Gesprächen kann ich immer wieder hören, dass alles schon nicht so schlimm werden würde, schließlich ginge es ja derzeit nur um Reptilien. Dies ist einerseits nicht richtig, da auch bereits Säugerarten von den Verordnungen betroffen sind, andererseits ist es genau dieses St.-Florians-Prinzip, welches es den Tierhaltungsgegnern so einfach macht, gegen die Exotenhalter vorzugehen, da diese sich ja nicht einmal untereinander einig sind. Nun möchte ich an dieser Stelle nicht über die meist unsinnige Definition eines Exoten diskutieren, vielmehr geht es mir um die Frage, was die Halter und Züchter der in der Bevölkerung als Exoten angesehenen Tierarten machen können, um ihr Hobby langfristig zu erhalten.  Geht man dieser Frage nach hilft es, auf die Aktionen unserer Gegner zu schauen. Diese betreiben eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit, um für ihre Ziele zu werben. Dabei scheuen sie auch nicht vor der Verdrehung bzw. Falschauslegung von Daten zurück, wie die Angaben von ProWildlife zum Thema Gifttierunfälle belegen, die schließlich maßgeblich für die Verordnung in Hessen waren. Fachleute, die eindeutig belegte Daten präsentierten, wurden dabei nicht oder nur nebenbei gehört, weshalb eine letztlich hanebüchene Verordnung zustande kam. Hier hatte das Geschrei der Tierhaltungsgegner also eindeutig Erfolg. Letztlich ist dies nicht verwunderlich, leben wir doch in einer Demokratie, in der die öffentliche Meinung wesentlich die Politik bestimmt. Und wer bestimmt die öffentliche Meinung im Bereich Exotenhaltung? Wir Tierhalter sind es sicherlich nicht!

Raus aus den Hinterzimmern

Leider herrscht bei vielen Haltern von exotischen Tieren immer noch die Meinung vor, dass es besser ist, sich ins stille Kämmerchen zurückzuziehen, um auf keinen Fall aufzufallen. Frei nach dem Motto, wenn ich nicht auffalle, wird man mir schon nichts tun. Hier zeigen aber die jüngsten Entwicklungen ganz eindeutig, dass genau das Gegenteil der Fall ist.  Es wird höchste Zeit die Hinterzimmer zu verlassen und offen über unser Hobby zu berichten. Nur auf diese Weise kann der berühmte Otto-Normal-Verbraucher überzeugt werden, dass wir nichts Schlimmes oder Illegales tun. Denn dies ist leider die nicht selten vorherrschende Meinung. Dies ist auch nicht verwunderlich, denn wenn in der allgemeinen Presse etwas zu Exoten zu lesen ist, handelt es sich meist um Horrormeldungen, bei der angeblich eine enorme Gefahr für Leib und Leben der Bevölkerung besteht oder es wird über illegalen Tierhandel berichtet. So wird dann aus der in einem Aachener Bekleidungsgeschäft gefundenen Dreiecksnatter (Lampropeltis triangulum) selbst in serösen Blättern wie der Welt ein Krait  (Bungarus spec).  Positive Berichte über die Privathaltung von Exoten liest man hingegen kaum. Also muss bei unbedarften Bürgern ja zwangsläufig der Eindruck entstehen, dass in der Exotenszene nur halbseidene Tierquäler und Schmuggler vertreten sind.

Reißerische Berichterstattung

Solche reißerischen Meldungen, die nicht selten sowohl sachlich als auch fachlich einfach falsch sind, betreffen nicht nur die Reptilienszene. So wurde im Jahre 2008 sogar von offiziellen Stellen vor einem entlaufenen Tasmanischen Teufel (Sarcophilus harrisii) im Kreis Demmin gewarnt. Schon alleine die angeblich für die Bevölkerung bestehende Gefahr, die zumindest die Stadtverwaltung Altentreptow als real betrachtete, weshalb sie öffentlich warnte, darf mehr als bezweifelt werden, jedem halbwegs informierten und sachkundigen Tierfreund hätte aber sofort auffallen müssen, dass  die Angabe der Art wohl kaum stimmen kann, da Tasmanische Teufel derzeit lediglich im dänischen Zoo Kobenhavn gehalten werden. Das Vorhandensein eines solch seltenen Beuteltiers in der ostdeutschen Provinz durfte somit von Beginn an bezweifelt werden. Tatsächlich fand das entlaufene und für die Bevölkerung so gefährliche Tier letztlich im Straßenverkehr sein Ende. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um einen Tayra (Eira barbara) handelte. Nicht genug der damit schon haarsträubenden Berichterstattung wurde danach in der Presse zusätzlich berichtet, dass das Tier offensichtlich illegal eingeführt wurde, was aus den Lieferpapieren hervorginge. Bleiben dem informierten Leser doch zwei Fragen. Erstens, wieso konnte man anhand der Lieferpapiere nicht sofort die richtige Tierart ermitteln und zweitens, seit wann werden beim Tierschmuggel Lieferpapiere ausgestellt? Obwohl dieser Fall nur so vor Merkwürdigkeiten strotzt, erreicht die Berichterstattung doch immerhin, das in der breiten Bevölkerung damit die Angst vor den gefährlichen Tieren, die von offensichtlich skrupellosen Freaks gehalten werden, geschürt wird.

Positive Berichterstattung

Es wird also höchste Zeit, diesen Zustand zu ändern und dafür zu sorgen, dass über die Haltung und Zucht von nicht domestizierten Tieren (dieser Begriff ist sicherlich wesentlich besser geeignet als von Exoten zu sprechen) in der Presse positiv berichtet wird. Nur so kann gezeigt werden, dass die überwiegende Zahl der Halter sich mit enormem Sachwissen und einem unermüdlichen Engagement um das Wohlergehen ihrer Pfleglinge kümmert. Nicht selten sind es sogar die Privathalter, die mit ihrem im täglichen Umgang mit den von ihnen gehaltenen Arten erworbenen Wissen, den zoologischen Gärten wichtige Tipps geben können, zumal dort Kleinsäuger nur eine untergeordnete Rolle spielen, da sie nicht den Schauwert von Elefant, Tiger und Co besitzen.

Es  ist also höchste Zeit nicht tatenlos zuzusehen, wie wir in der Öffentlichkeit immer stärker diskreditiert, teilweise sogar kriminalisiert werden, sondern aufzuzeigen, welche Faszination vom Hobby Tierhaltung ausgeht. Auch gilt es klarzustellen, dass eine artgerechte Haltung sehr wohl möglich ist, wenn man sich mit den Bedürfnissen und Ansprüchen der gepflegten Art ernsthaft auseinandersetzt. Dabei mag die Art der Haltung durchaus manch emotional geprägten Betrachter nicht ansprechend genug erscheinen, letztlich geht es aber nicht um die Erfüllung menschlicher Befindlichkeiten, sondern das Anbieten tiergerechter Unterkünfte. Und dabei kann ein nüchtern eingerichtetes Gehege im Einzelfall zweckmäßiger und tiergerechter sein, als ein mit Wandgemälden und Kitsch vollgestopftes.

Wege an die Öffentlichkeit

Nun wird die allgemeine Presse sicherlich nicht sofort alle kritischen Berichte einstellen, nur weil wir dies wollen. Dies kann auch nicht im Sinne der ernsthaften Halter sein, denn echte Missstände sollten weiterhin verfolgt werden und entsprechend ausgemerzt werden. Es gilt aber, langfristig ein positives Bild unseres Hobbys zu zeichnen. Hierzu ist vor allem die lokale Presse geeignet, da sie immer für interessante Themen offen ist. So kann beispielsweise der Bericht über eine erfolgreiche Nachzucht ein Aufhänger für einen Artikel sein oder aber auch ein Portrait über einen Halter mit einem entsprechenden Tierbestand. Dies erfordert aber, dass man sich der Presse zuwendet und offen ist; alleine zu warten, bis diese von alleine an der Tür anklopft ist wenig Erfolg versprechend.

Neben der Presse sind auch Kindergärten und Schulen geeignete Partner, um für die Haltung von nicht domestizierten Tieren zu werben. Gerade mit Einführung der Ganztagesschulen sind die meisten Lehrerkollegien dankbar, wenn von außen eine sinnvolle Nachmittagsaktivität angeboten wird. Was spricht also gegen eine „AG Exoten“, in der die Schülerinnen und Schüler Kontakt zu ihnen bislang weitestgehend unbekannten Tieren haben und etwas über deren Lebensweise und Haltungsbedingungen erfahren. Schließlich sind die Kinder die Entscheidungsträger von morgen und bei einer sich immer weiter von der Natur und den darin vorkommenden Lebewesen entfernenden Jugend ist kaum auf große Gegenliebe für unser Hobby zu hoffen, wenn wir sie nicht aktiv daran teilhaben lassen.

Es ist also auch in unserer Hand, ob und wie lange noch die Haltung von wildlebenden Tieren möglich ist. Fest steht, wer sich wegduckt hat dabei schon verloren.