Gerbillus dasyurus kommt in zwei Farbvarianten vor. So gibt es eine sandfarbene Form, die sehr stark der Baluchistan Zwergrennmaus (Gerbillus nanus) gleicht und eine dunkle Form, die auf den ersten Blick nichts mit der helleren Form gemeinsam zu haben scheint.
Die Nominatform der Wagner´s
Rennmaus (Gerbillus d. dasyurus) besitzt eine schlanke und grazile Figur, bei Männchen Tiere entwickelt sich jedoch mit Eintritt der Geschlechtsreife ein deutlichen Stiernacken. Das Rückenfell der Nominatform blass sandfarben und weist ein deutliches Ticking auf. Einige Tiere weisen einen dunklen Streifen auf, der vom Kopf ausgehend über den Rücken verläuft. Die Haare des Rückenfells sind an den unteren zwei Dritteln aschgrau gefärbt und besitzen an ihrem Ende ein sandfarbenes Band. Die Spitze der Haare ist schwarz gefärbt. Der scharf abgegrenzte Bauch ist reinweiß. Um die Augen verläuft ein dünner, dunkler Ring.
Die zweigeteilte Färbung setzt sich am Schwanz fort. Dieser ist oben mit kurzen sandfarbenen Haaren besetzt, die deutlich abgesetzte Unterseite ist weißlich. An der Schwanzspitze besitzt Gerbillus dasyurus an dunkelgraue Schwanzquaste, die bei einigen Tiere ist mit weißen oder hellgrauen Haaren durchsetzt ist. Im Gegensatz zu anderen Gerbillus-Arten sind die Fußsohlen der Wagner´s Rennmaus fast nackt. Lediglich zwischen den sechs Ballen der Hinterfüße befinden sich ein paar Haare. Die Krallen sind hornfarben.
Neben der sandfarbenen Nominatform gibt es auch deutlich dunkler gefärbte, melanistische Unterarten. So ist Gerbillus d. leosollicitus auf der Oberseite dunkel braun gefärbt. Da die Tiere zudem ein sehr stark ausgeprägtes Ticking besitzen, erscheint das Rückenfell fast schwarz. Die Schwanzquaste ist bei dieser Unterart normalerweise schwarz, bei einigen Exemplaren jedoch auch hellgrau.
Gerbillus d. gallagheri ist deutlich dunkler als die Nominatform gefärbt, ist aber im Vergleich zu Gerbillus d. leosollicitus rötlicher, fast zimtfarben. Die Oberseite des Schwanzes und die Schwanzquaste sind schwarz. Wie bei Gerbillus d. leosollicitus sind auch bei dieser Unterart die Fußsohlen dunkel gefärbt, während diese bei Nominatform hell sind.

Verwechslungen mit Gerbillus nanus
Viele Probleme, die Rennmaushalter mit ihren vermeintlichen Baluchistan-Zwergrennmäusen (Gerbillus nanus) haben, beruhen darauf, dass sie in Wirklichkeit Wagner´s Rennmäuse besitzen, ohne dies zu wissen, da die heller gefärbten Exemplare dieser Art kaum von Baluchistan-Zwergrennmäusen zu unterscheiden sind.

Als einziges Unterscheidungsmerkmal zwischen beiden Arten dient die Farbe der Haare am Schwanzansatz, die bei Gerbillus nanus eine weiße und bei Gerbillus dasyurus eine graue Haarbasis besitzen.
Im Verhalten unterscheidet sich die Wagner´s Rennmaus deutlich von den Baluchistan-Zwergrennmäusen, denn im Gegensatz zu Gerbillus nanus ist sie eher einzelgängerisch veranlagt und kann nicht in Gruppen gehalten werden. Selbst bei offensichtlich harmonierenden Paaren kann es ohne ersichtlichen Grund zum Ausbruch von Aggressionen kommen, die bei fehlenden Versteckmöglichkeiten für das unterlegene Tiere mit schweren Verletzungen enden können.

Freileben
Wagner´s Rennmäuse bevorzugen trockene Steinwüsten als Lebensraum und vermeiden im Gegensatz zu Gerbillus nanus die Salztonebenen. Ihr Leben spielt sich hauptsächlich in steinigen Hängen ab, in denen sie sich mit geschickten Kletterkünsten fortbewegen. Die melanistische Form scheint eine Anpassung an die dunklen Basalthänge in ihrem natürlichen Habitat zu sein. Eine ähnliche Erscheinung kann man auch bei Stachelmäusen (Acomys) beobachten.
Eigene Baue legen Wagner´s Rennmäuse nur selten an, sie benutzen vielmehr kleine natürliche Höhlen als Unterschlupf. Teilweise werden auch Baue mit Meriones libycus gemeinsam genutzt. Im Gegensatz zur Baluchistan-Zwergrennmaus lebt Gerbillus dasyurus einzelgängerisch, lediglich zwischen Paarpartner besteht eine lockere Bindung. Als Nahrungsgrundlage dienen ihr die Samen einjähriger Stauden (Medicago).

Haltung
Bei der Haltung der Wagner´s Rennmaus muss deren einzelgängerischer Charakter bedacht werden. Vergesellschaftungen dürfen deshalb nur mit äußerster Vorsicht erfolgen und auch erfolgreich vergesellschaftete Paare müssen ständig genau beobachtet werden, um beim Ausbrechen von Aggressionen eingreifen zu können. Die Vergesellschaftung eines Männchens mit zwei Weibchen ist möglich, hierauf sollte aber im Hinblick auf die aggressiven Verhaltensweisen der Weibchen untereinander verzichtet werden. Da Wagner´s Rennmaus zu den Raritäten in Menschenobhut zählt, ist eine paarweise Haltung mit dem Ziel der Reproduktion empfehlenswert. Deshalb gehört diese Art auch in die Hände erfahrener Halter. Vor allem von der melanistischen Form gibt es inzwischen nur noch wenige Paare, die sich zudem nur schwer zur Nachzucht bringen lassen.
Die Größe des Geheges sollte großzügig bemessen sein, damit die Tiere die Möglichkeit haben, einander auszuweichen. 100x 50cm Bodenfläche sind als Mindestmaß anzusehen. Um den Tieren ein artgerechtes Verhalten zu ermöglichen, sollten hohe Steinaufbauten in das Gehege eingebracht werden, auf denen die Rennmäuse ausgiebig klettern können. Bei Aufbau der Steine muss unbedingt darauf geachtet werden, dass sie stabil genug sind, um zu verhindern, dass sie unter den herumkletternden Rennmäusen zusammenbrechen und diese verletzen. Durch Zwischenräume und Höhlen in den Aufbauten kann man den Tieren ausreichend Unterschlupf und Rückzugsmöglichkeiten bieten.
Idealerweise lässt sich das Gehege Gerbillus dasyurus mittels eines Schiebers in zwei Teile unterteilen, sodass die Tiere beim Ausbrechen von Aggressionen kurzzeitig getrennt werden können. Um eine völlige Entfremdung zu verhindern, sollte der Schieber aus Draht bestehen, damit sich die Tiere dennoch gegenseitig sehen und riechen können.
Ein Sandbad darf wie bei allen Rennmäusen der Gattung Gerbillus nicht fehlen, um ein Verfetten des Fells zu vermeiden. Alternativ können die Rennmäuse auch auf Sand gehalten werden, dem Talkum oder Urgesteinsmehl zugesetzt wird, um seine Feuchtigkeitsaufnahme zu erhöhen.

Ernährung
Da Wagner´s Rennmäuse in ihrem Lebensraum an karge Kost gewöhnt sind, sollte das Grundfutter hauptsächlich aus mehlhaltigen Saaten bestehen. Bewährt hat sich eine Mischung aus Wellensittichfutter und Kanarienfutter (Verhältnis 1:1). Durch die kleinen Sämereien müssen sich die Tiere lange mit dem Futter beschäftigen, um satt zu werden - Langeweile wird auf diese Weise verhindert. Ergänzt wird dieses Futter durch die tägliche Gabe von Grünfutter, wobei Möhren in der Beliebtheitsskala ganz oben stehen. Den Bedarf an tierischem Eiweiß kann man durch die regelmäßige Gabe Lebendfutter in Form von Mehlwürmern oder Heuschrecken decken. Etwa 20% des Futterbedarfs sollte auf diese Weise gedeckt werden.

Zucht
Die Zucht von Gerbillus dasyurus ist nicht ganz einfach. Das größte Problem stellt dabei das Zusammenstellen eines harmonierenden Paares dar, da die Tiere sehr territorial sind. Aber selbst dann, kann es immer wieder zum Ausbruch von Aggressionen kommen. Vor allem vor der Paarung jagen sich beide Paarpartner heftig durch das Gehege, auch Beißereien kommen in dieser Phase vor. Da diese Aktivitäten nachts stattfinden, erkennt der Halter am nächsten Morgen die Paarungsspiele an kleinen Blutspritzern an der Gehegewand. Damit die heftigen Verfolgungsjagden nicht mit ernsthaften Verletzungen enden, muss das Gehege ausreichend groß und strukturiert sein, um dem unterlegenen Partner ausreichend Rückzugsmöglichkeiten zu bieten.
Hat eine erfolgreiche Paarung stattgefunden, wirft das Weibchen nach einer Tragzeit von 19 – 21 Tagen 3 – 7 Junge, die sich in den folgenden Tagen rasch entwickeln. Schon mit 14 Tagen versuchen sie, im Gehege umher zu kriechen, werden aber von der Mutter stets ins Nest zurückbefördert. Das Männchen kümmert sich meist nicht um die Jungtiere, sondern verhält sich äußerst desinteressiert. Einige Weibchen verbeißen die Männchen sogar nach der Geburt der Jungtiere. In diesem Fall empfiehlt es sich, das Männchen abzutrennen, um einen Verlust zu vermeiden und dem Weibchen ausreichend Ruhe für die Jungenaufzucht zu geben.


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