Der Fleckenmusang (Paradoxurus hermaphroditus) gehört zu den drei Vertretern der Gattung Paradoxurus, die in der Trivialliteratur auch als Palmenroller bezeichnet werden. Dabei sind die Musangs lediglich ein Teil der Unterfamilie der Palmenroller (Paradoxurinae), zu der auch die wohl eigentümlichste Schleichkatze, der Binturong (Arctictis binturong), zählt.

Beheimatet ist der Fleckenmusang wie alle Vertreter seiner Gattung in Asien, wobei er die südlichen und südöstlichen Regionen Asiens bewohnt. So ist er in Indien und Sri Lanka sowie dem südlichen China anzutreffen, aber auch auf Sumatra, Borneo, Java und dem zu den Philippinen zählenden Palawan. Aufgrund des großen Verbreitungsgebietes kommt es zur Bildung von zahlreichen Unterarten, wobei die von Wilson & Reeder angegebene Zahl von 30 Unterarten doch eher bezweifelt werden darf und einer Revision bedarf. Vor allem bei der als Mentawaimusang bezeichneten Unterart P. h. lignicolor, die auf den Mentawai-Inseln nahe Sumatra beheimatet ist, handelt es sich wahrscheinlich um eine eigenständige Art. Bevor dies aber endgültig geklärt werden kann, ist dieser Musang wahrscheinlich schon ausgestorben, da sein Lebensraum zusehends schwindet.

Im Vergleich zu Schleichkatzen der Gattung Genetta fällt beim Fleckenmusang sofort das deutlich rauere, sehr dicke Fell auf. Wie bei den meisten Schleichkatzen weist es  eine graue Grundfärbung und einen schwarzen Längsstreifen auf dem Rücken sowie  schwarze Flecken an den Flanken auf.  Füße, Ohren und Schnauze des Fleckenmusangs sind ebenfalls schwarz gefärbt. Besonders auffällig ist die schwarz-weiße Maskenzeichnung im Gesicht, die ein wenig an die des Waschbären erinnert.

Ein weiteres typisches Merkmal für Fleckenmusangs sind die großen Duftdrüsen unterhalb des Schwanzes, die beim ersten Anblick an Hoden erinnern und vor allem unerfahrenen Halter nicht selten Probleme bei der Geschlechtsbestimmung machen. Ihnen verdankt der Musang auch den Artnamen hermaphroditus, was frei übersetzt Zweigeschlechtlichkeit bedeutet.

Mit einer Kopfrumpflänge von 48 bis 61 Zentimetern und einer Schwanzlänge von bis zu 60 Zentimetern zählt der Fleckenmusang zu den mittelgroßen Vertretern der Schleichkatzen, hierzu passt auch sein Gewicht, welches zwischen2,5 und 4 Kilogramm liegt.

Produzent des teuersten Kaffees
Bekannt geworden ist der Fleckenmusang als „Produzent“ des teuersten Kaffes der Welt, des Kopi Luwak. Schon der Name des Kaffees weist auf seine Entstehung hin, bedeutet doch Kopi im indonesischen Sprachraum Kaffee, während Luwak die indonesische Bezeichnung für den Fleckenmusang ist. Was aber hat eine Schleichkatze mit der Herstellung eines so edlen Kaffees zu tun, welcher im ungerösteten Zustand immerhin einen Preis von etwa 50 Euro pro Kilogramm erzielt und geröstet bis zu 250 Euro pro Kilo kostet?
Nun, sie fressen die Kaffeekirschen, wobei sie aber nur das Fruchtfleisch verdauen können, die Bohnen werden anschließend wieder ausgeschieden. Der Kot mit den darin enthaltenen Kaffeebohnen wird anschließend eingesammelt und schließlich gewaschen und leicht geröstet. Da Fleckenmusangs regelrechte Kotplätze anlegen, die sie regelmäßig aufsuchen, ist es für kundige „Kaffeescouts“ nur eine Frage der genauen Ortskenntnis, um eine ergiebige Ernte zu erhalten. Im Vergleich zum herkömmlichen Pflücken der Kaffeekirschen ein zwar „anrüchiges“ aber kaum anstrengendes Geschäft.
Seinen besonderen Geschmack verdankt der Kopi Luwak, der von einigen Kaffeeröstern spöttisch als Katzenkaffee bezeichnet wird, den Vorgängen im Verdauungstrakt der Musangs. Dort werden die Kaffeebohnen nach dem Verdauen des Fruchtfleischs durch Enzyme fermentiert, wobei sich die angeblich besonderen Geschmackseigenschaften einstellen. Von echten Kaffeekennern als unvergleichlich beschrieben, würde ich ihn eher als muffig beschreiben. Nach dem ersten Schluck des teuren Gebräus war mir jedenfalls klar, dass der Kaffee sicherlich nicht der Grund für eine Haltung von Fleckenmusangs sein kann.

Haltung in Menschenobhut
Für die Haltung von Fleckenmusangs ist in unseren Breiten ein geräumiges Innengehege erforderlich, welches dauerhaft auf eine Temperatur von etwa 20 °C erwärmt werden muss, da sich die Tiere bei kälteren Temperaturen sichtbar unwohl fühlen. Daran angeschlossen sollte ein Außengehege sein, welches die Tiere auch im Winter aufsuchen können, solange sie stets Zugang zum geheizten Innenraum haben. Als Mindestgröße gibt das Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren eine Fläche von 12 m2 für ein Paar an, für jedes weitere Tier sind weitere 2 m2 erforderlich. Letzterer Hinweis ist aber bei Fleckenmusangs überflüssig, da die Tiere maximal paarweise gehalten werden können. Dabei ist es sinnvoll die Tiere genau zu beobachten, um sie bei Streitereien sofort trennen zu können. Diese treten oftmals unvermittelt auf, selbst bei Paaren, die schon lange friedlich zusammengelebt haben.

Eigene Erfahrungen
Nachdem ich schon über einen längeren Zeitraum diverse Ginsterkatzenarten in meiner Anlage pflegte, war ich sehr erfreut, als ich von einem Händler ein junges Paar Fleckenmusangs angeboten bekam. Diese waren subadult und europäische Nachzuchten, zudem waren sie auch preislich erschwinglich. Von Erwerb der immer wieder einmal angebotenen importierten Jungtieren des Fleckenmusangs kann ich nur abraten, da diese Tiere nicht selten in einem sehr schlechten Gesundheitszustand sind. Einen solchen Umgang mit Lebewesen sollte ein verantwortungsvoller Halter von Schleichkatzen keinesfalls durch die Zahlung der teilweise horrenden Kaufpreise unterstützen.
Ich entschied mich, das mir angebotene Paar zu erwerben, zumal ich ein passendes Gehege frei hatte. Dieses besteht aus einem 10 m2 großen Innengehege, dem ein etwa 20 m2 großes Außengehege angeschlossen ist. Das Innengehege ist aus hygienischen Gründen an den Wänden deckenhoch gefliest und mit einem Betonboden ausgestattet. Dies erleichtert die Reinigung, was vor allem in den Wintermonaten, in denen die Tiere ihr Außengehege deutlich seltener aufsuchen, von Vorteil ist.

Die Einrichtung
Die Einrichtung des Innengeheges besteht aus diversen Kletterästen, die sowohl waagerecht als auch schräg angebracht sind und bis zum Boden des Geheges reichen. Daneben gibt es ein 80 x 40 cm großes Schlafbrett, welches in etwa 1,70m Höhe angebracht ist. Zusätzlich verfügen die Musangs im Innenbereich über einen Schlafkasten. Hierfür habe ich zunächst einen großen Papageiennistkasten benutzt, welcher eine Grundflüche von 40 x 40cm und eine Höhe von 60 cm besaß. Nach einigen negativen Erfahrungen bei meinen Ginsterkatzen, die nach Kontrollen des Schlafkastens ihre Jungtiere töteten, habe ich auch für die Fleckenmusangs einen neuen Schlafkasten angefertigt. Dieser besitzt die Maße 40 x 80 x40 cm (L x B x H) und ist waagerecht in 1,70m Höhe angebracht. Dadurch können die Musangs auch das Dach des Kastens nutzen, was sie gerne während der ersten Tagesstunden machen, in denen sie auf dem Kasten dösen. Erst später ziehen sie sich zum Schlafen in den Kasten zurück. Die Besonderheit an den neuen Schlafkästen ist die Ausstattung mit einer Kamera. Diese Kamera, die auch im Überwachungsbereich eingesetzt wird, arbeitet mit Infrarot und erlaubt mir stets einen Blick ins Innere des Kastens, ohne die Tiere stören zu müssen. Auf diese Weise kann ich bei einer eventuellen Nachzucht die Entwicklung der Jungtiere bestens dokumentieren und kann im Notfall rechtzeitig eingreifen.
Das Außengehege
Das Außengehege ist ebenfalls mit zahlreichen Kletterästen ausgerüstet, von denen ein Teil so angebracht ist, dass er beim Beklettern deutlich schwankt. Hierdurch trainieren die Musangs ihre Koordination und die Muskeln. Zudem kommt dies den natürlichen Gegebenheiten im Urwald näher. Als Liegefläche stehen den Tieren zwei Schlafbretter zur Verfügung, die in den Maßen dem im Innengehege entsprechen. Vor allem an sonnigen Tagen sind diese Bretter beliebt, regelmäßig kann ich beide Tiere eng nebeneinander liegend in der Sonne schlafen sehen. Überhaupt erwiesen sich meine Tiere bisher als sehr verträglich, kaum etwas machen sie alleine, meist sind beide synchron unterwegs. Lediglich in Bezug auf mich ist das Weibchen deutlich zutraulicher, was darin begründet liegt, dass es während einer Gebärmutterentzündung über einen längeren Zeitraum von mir direkt aus der Hand gefüttert wurde und vom Männchen getrennt war, da es zu schwach war, um sich im normalen Gehege im Kampf um das Futter durchzusetzen.
Außer den Kletterästen ist die Außenanlage auch mit lebenden Pflanzen bestückt. Neben verschiedenen winterharten Bambusarten wurden in das Gehege auch Buchen und Zierahorn eingebracht. Der Naturboden ist mit Gras bewachsen. Dies gibt der Anlage ein optisch ansprechenderes Bild, zudem nutzen die Fleckenmusangs die Vegetation auch als Rückzugsmöglichkeit. Allerdings steigt durch den natürlichen Bodengrund die Gefahr der Infektion mit Würmern, weshalb ich regelmäßig eine Wurmkur durchführe. Hierzu verwende ich ein Spot-on-Präparat, da dieses sich ohne die Tiere groß zu stressen applizieren lässt.

Die Ernährung
Bei der Ernährung erweisen sich meine Fleckenmusangs als völlig unkompliziert. Neben Eintagsküken und frischtoten Rennmäusen nehmen meine Tiere auch nahezu alles Obst an, was ich ihnen reiche. Besonders beliebt sind süße Äpfel, Trauben und Bananen. Aber auch Melone und Birnen werden gerne gefressen. Dabei bei zeigt sich, dass die Musangs vegetarische Kost bevorzugen, wenn sie die Wahl haben.
Ein besonderes Highlight für meine Palmenroller war es jedoch, als ich ihnen frische Kaffeekirschen anbieten konnte, die ich über einen Hamburger Kaffeeröster erworben hatte. Für diese ließen die Tiere sofort alles andere stehen und liegen, selbst die sonst so beliebten Bananen fanden keine Beachtung.

Büchertipps