Exotenhaltung steht in jüngster Zeit immer stärker unter Beschuss. Immer wieder versuchen Tierhaltungsgegner, die Halter von Exoten zu diffamieren und zu kriminalisieren. So äußert sich Sandra Giltner, Referentin für Heimtiere und Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund, in der jüngsten Pressemitteilung:"Wer keinen wissenschaftlichen Grund dafür hat, sollte keine Exoten halten dürfen."  Mit dieser Aussage unterstützt der Deutsche Tierschutzbund voll und ganz Organisationen wie PETA und Pro Wildlife, die schon länger gegen die Haltung von Exoten in Privathand kämpfen.

Als Begründung für die Verbotsforderung führt der Tierschutzbund an, dass sensible, anspruchsvolle Exoten in Menschenobhut leiden und sterben, weshalb ein generelles Haltungsverbot anzustreben sei. Damit diskriminiert der Tier schutzbund pauschal alle Halter von exotischen Heimtieren, stellt sie als Tierquäler und Tierverbraucher dar, denen das Wohl ihrer Heimtiere nicht am Herzen liegt. Das Gegenteil ist aber sicherlich der Fall. Ein großer Teil der Halter unternimmt alle erforderlichen Maßnahmen, um die optimalen Haltungs- und Ernährungsbedingungen für die gepflegten Tiere sicherzustellen. Zahlreiche Erfolge in der Zucht auch sensibler Arten, wie sie auch regelmäßig in der
Rodentia publiziert werden, sind ein ausdrucksvoller Beweis dieser Arbeit. Aufgrund der intensiven Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der Tiere ist besonders im Bereich der Kleinsäuger die Expertise der Privathalter nicht zu unterschätzen, ein Verbot der Haltung wäre somit auch ein Schlag gegen Arten- und Naturschutz. Es sind eben nicht nur die wissenschaftlichen Einrichtungen, die wesentliche Erkenntnisse zur Biologie von Wildtieren beitragen, sondern oftmals sind es gerade die privaten Halter, die viel Zeit und Geduld in die Haltung ihre Lieblinge investieren und das Verhalten genauestens beobachten Als Beispiel sei hier z.B. der Zwergmungo (Helogale pavula) aufgeführt, der in Zoos als schwer zu züchten galt, bei dem es jedoch den privaten Haltern gelang, stabile Populationen durch Zucht aufzubauen, sodass er heute neben dem Erdmännchen wohl zum häufigsten Vertreter der Mungos in Menschenobhut zählen dürfte. Ein ähnliches Beispiel  ist auch der Große Tanrek (Tenrec ecaudatus), bei dem die zoologischen Einrichtungen sogar immer wieder auf die in Privathand nachgezüchteten Tiere zurückgreifen. Ein Verbot der Haltung bei privaten Haltern würde zum Zusammenbruch der Population in Menschenobhut führen, was angesichts der rapide fortschreitenden Umweltzerstörung auf Madagaskar eine wichtige Säule des Artenschutzes kappen würde.

Ungereimtheiten in Forderungen

Neben den fatalen Auswirkungen in Bezug auf Erforschung der Biologie von Exoten durch ein Haltungsverbot, werfen die so populistisch hingeworfenen Forderungen auch einige weitere Fragen auf. Denn was ist unter einem Exoten zu verstehen?

Der Tierschutzbund definiert als Exoten alle Wildtiere und deren Nachzuchten, die weder in Deutschland heimisch sind, noch als domestiziert angesehen werden können. Demnach wäre die Haltung von europäischen Zwergmäusen (Micromys minutus) erlaubt, während die Haltung der afrikanischen Zwergmaus (Mus minutoides) verboten wäre, obwohl erwiesener maßen beide Arten problemlos gepflegt werden können und gerade die europäischen Art die höheren Ansprüche an die Haltungsbedingungen stellt. Übrigens scheint auch der Tierschutzbund seinen eigenen Pauschalforderungen nicht zu vertrauen, denn in einem Positionspapier zur Exotenhaltung heißt es, dass die meisten Menschenräumlich und fachlich nicht in der Lage sind, ihnen (den Exoten) eine artgerechte Haltungsumgebung entsprechend ihrer hohen Ansprüche zu schaffen. Also selbst der Tierschutzbund unterstellt, dass es Halter gibt, die die Ansprüche durchaus erfüllen. Aber auch denen will man ihr Hobby verbieten.

Fraglich bleibt auch, auf welchen Erkenntnissen sich die Behauptungen des Tierschutzbundes stützen, denn eine Blasse Rennmaus (Gerbillus perpallidus) hat keine höheren Ansprüche an die Haltung als eine Mongolische Rennmaus (Meriones unguiculatus). Da letztere aber als domestiziert gilt, fällt sie aus den Forderungen des Tierschutzbundes gänzlich heraus. Dies gilt auch für Goldhamster, Meerschweinchen und Kaninchen, obwohl gerade diese Kleinsäuger die große Maße der als Heimtiere gehaltenen Kleinsäuger ausmacht und bei denen es auch durchaus immer wieder Fehler in der Haltung gibt. Sollte es dem Tierschutzbund also gar nicht um Tierschutz, sondern um bloßen Populismus gehen?

Unbeantwortet bleibt auch die Frage, was mit den vorhandenen exotischen Heimtieren passieren soll, nachdem ein Haltungsverbot ausgesprochen würde. Sie in ihren – nach Meinung des Tierschutzbundes absolut tierquälerischen – Unterkünften zu belassen, kann kaum die angestrebte Lösung sein, wenn es tatsächlich um Tierschutz geht. Entsprechende Auffangstationen existieren aber nicht und wären auch nicht zu finanzieren. Wollen also die Tierschützer die Tiere übernehmen? Sicher nicht, denn ihre Kenntnisse der Haltungsbedingungen ist begrenzt, wie selber vom Tierschutzbund angegeben. Erfahrene Halter wissen immer wieder von Nachfragen seitens der Tierschützer zu berichten, wenn diese mit der Haltung überfordert sind. Hier wird die Expertise der Halter nicht in Frage gestellt! Zoos kommen auch nicht als Auffangmöglichkeit in Frage, da auch deren Kapazitäten begrenzt sind und gerade Kleinsäuger bei ihnen eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Stellt sich also die Frage, wie sinnvoll ein Haltungsverbot also ist? Neben den verfassungsrechtlichen Bedenken, die ein solches Verbot nach sich ziehen würde, würde es auch dazu führen, dass rechtschaffene Bürger kriminalisiert würden und die große Gefahr besteht, dass ein großer Teil der Halter sich in die Illegalität  begeben würde und die Haltung dann im stillen Kämmerchen fortführen würde. Ob dies zum Wohl der Tiere wäre darf ernsthaft bezweifelt werden.

Warum wird nicht der konstruktive Dialog gesucht und positive Wege zur Haltung von Kleinsäugern aufgezeigt? . Hierfür fehlen PETA, Pro Wildlife und dem Tierschutzbund aber scheinbar Lust und/oder das notwendige Sachwissen. Laut schreien und reißerische Presserklärungen sind ja auch besser für das Spendenaufkommen, den Tieren freilich helfen sie nicht.

Forderung nach Sachkunde

Statt pauschal ein Haltungsverbot zu fordern, wäre es sinnvoller, an einem geeigneten Sachkundenachweis zu arbeiten, der die Haltung von Heimtieren, wobei auch domestizierte Arten eingeschlossen werden sollten, regelt. Dieser könnte abgestuft nach den tatsächlichen Ansprüchen der jeweiligen Art ausfallen und würde keinen pauschalen Rundumschlag bedeuten, sondern eine ernsthafte Bemühung, den Umgang mit dem Mitgeschöpf zu verbessern. Es ist nicht zu leugnen, dass es dort auch Verbesserungspotential gibt.

Ein Katalog für den Sachkundenachweis könnte in einem Dialog zwischen Haltern, wissenschaftlich geführten Zoos, dem Zoofachhandel sowie Tierschützern und Veterinären erarbeitet werden. Dieser könnte sowohl für die Haltung als auch für den Verkauf der Tiere, auch auf Börsen gelten. Gerade die Börsen sind ein wichtiger Treffpunkt für Gleichgesinnte und dienen weit mehr als nur dem Verkauf oder Erwerb von Tieren und Zubehör. Vielmehr sind sie wichtig für Erfahrungsaustausch und -weitergabe, was letztlich dem Wohl der Tiere dient.

Auf die Expertise von Haltern bei dem Erstellen der Richtlinien zu verzichten wäre fatal, wie z.B. die Börsenrichtlinien des Rhein-Pfalz-Kreises zeigen. Diese beinhalten zahlreiche Fehler, Unsachlichkeiten und Unwahrheiten, so dass die Ernsthaftigkeit in Frage gestellt wird. So steht dort gleich zu Beginn der Richtlinien, dass die Geschlechtsbestimmung mit Hilfsmitteln vor der Börse zu erfolgen hat. Hilfsmittel bei der Geschlechtsbestimmung sind bei Säugern aber vollkommen unüblich. Hier scheint also jemand das Sondieren bei bestimmten Reptilien auch auf Kleinsäuger zu übertragen, von echter Sachkunde zeugt dies nicht, eher von Copy and Paste bei der Erstellung. Dieses Prinzip wurde öfter angewandt Die Abschnitte über Knirpsmäuse und Streifengrasmäuse sind so ähnlich, dass die Streifengrasmäuse im Text sogar als Knirpsmäuse angesprochen werden. Mag man dies noch als ärgerliches Versehen abtun (bei einem offiziellen Papier aber mehr als ärgerlich!), so ist die Passage über Farb- und Rennmäuse geradezu hanebüchen. Hier steht tatsächlich, dass die Vergesellschaftung adulter Tiere in der Regel nicht möglich ist. Alleine ein Blick in die Rodentia hätte gezeigt, dass diese Aussage vollkommen falsch ist, wie zahlreiche Artikel zur Vergesellschaftung aufzeigen. Mehr als fragwürdig ist auch, dass es einen eigenen Absatz zum Umgang mit nachtaktiven Tieren gibt, um dann das Anbieten von kleinen Igeltenreks, Sugar Glidern und Grauen Steppenlemmingen generell zu verbieten. Begründet wird dies mit dem Hinweis auf die Störung des Tag -Nacht – Rhythmus sowie des Explorations-, Lokomotions- und Sozialverhaltens, die den Tieren Leiden und Schäden zugefügt. Abgesehen davon, dass bei entsprechender Präsentation die Tiere auch auf einer Börse schlafen, kann die Einschränkung des Lokomotionsverhalten nicht nachvollzogen werden, wenn die Tiere arttypisch schlafen. Auch die Störung des Sozialverhaltens kann nur bedingt nachvollzogen werden, wenn doch einerseits das Anbieten von sozialen Arten wie Renn- und Farbmäusen erlaubt wird. Und nicht zuletzt werden auch in der Natur Tiere aus dem Familienverband ausgestoßen und wandern ab, wo ist denn da der Tierschutz?

Auch der Absatz über Steppenlemminge weist fachliche Mängel auf. So leben die Tiere nicht in Familien-, sondern  Weibchengruppen, während die Männchen solitär leben. Es ist ja geradezu ein Zeichen von Domestikation, dass die Tiere sich in Menschenobhut durchaus in Familien, ja sogar Männchengruppen halten lassen. Auch die rein nachtaktive Lebensweise gibt es in freier Wildbahn nicht, denn zumindest in den Wintermonaten sind die Tiere auch tagsüber aktiv.

Zunehmende Regelungswut

Die Börsenrichtlinie des Rhein-Pfalz-Kreises ist nur ein Beispielfür den fatalen Weg, wenn aus reinem Opportunismus und ohne sachkundige Stimme zu hören, Haltungs- bzw. Börsenrichtlinien erlassen werden. Ein besonders gutes oder eher schlechtes Beispiel sind dabei unsere österreichischen Nachbarn. In der 2. Tierhaltungsverordnung wird dort für Sugar Glider ein Gehege von 2 m² Grundfläche bei einer Höhe von 3,5m gefordert, während für die größeren, ebenfalls baumbewohnenden Kusus eine Gehegehöhe von 2,5 m ausreichend ist. Begründet wird dies damit, dass die Sugar Glider sonst keine Möglichkeit zum Gleitflug hätten. Dass dies durchaus auch bei einer Gehegehöhe von 2,5m möglich ist und übrigens von den Tieren meist bei Gefahr ausgeübt wird, die in Menschenobhut ja eben wegfällt, wird dabei unterschlagen. Auch der in der Verordnung eingeflossene Satz: „Werden Tiere in Käfigen gehalten, ist ihnen jedenfalls mehrmals wöchentlich ein Auslauf außerhalb des Käfigs zu ermöglichen“, kann aus tierschutzrechtlichen Gründe so nicht akzeptiert werden; gerade der Freilauf in der Wohnung ist eine nicht unerhebliche Gefahrenquelle und zudem bei entsprechenden Gehege vollkommen unnötig.

Ziel ist ein Haltungsverbot

Der Hintergrund der in jüngster Zeit erlassenen Verordnung, so z.B. der hessischen Gefahrtierverordnung, ist letztlich weniger der Schutz der Bevölkerung oder der Tiere, sondern schlichtweg der Versuch, die Haltung von Wildtieren gänzlich zu verbieten. Dabei wird auf wissenschaftliche Erkenntnisse oder Fachkunde wenig Rücksicht genommen. Wo das Ziel hinführt, zeigt die Empfehlung des Städtetags NRW zur "Haltung von Tieren wildlebender Arten in Nordrhein-Westfalen", die fordert, die Haltung von Tieren wildlebender Art grundsätzlich zu verbieten, worunter dann übrigens auch Goldhamster und Rennmäuse fallen würden, die auch wildlebend sind. Zwar wird die Forderung später relativiert und es werden Ausnahmen zugelassen, die u.a. an eine Tierhalterhaftpflichtversicherung gebunden werden, die Marschrichtung ist aber eindeutig.

Eigeninitiative ist gefragt

Um die Entwicklung zu stoppen, und unser Hobby langfristig zu erhalten ist dringend Eigeninitiative gefragt. Es wird höchste Zeit, dass wir an die Öffentlichkeit gehen und aufzeigen, dass man die von uns gepflegten Tiere sehr wohl artgerecht halten kann, und dies mit gutem Erfolg. Der Beitrag von uns Haltern zum Schutz von Natur und Arten muss gemäß dem Satz von Konrad Lorenz, dass „der Mensch nur schützt, was er kennt“, klar dargestellt werden.

Nicht zuletzt gilt es aber auch, sich durchaus kritisch mit den Haltungsbedingungen auseinanderzusetzen und da Verbesserungen einzubringen, wo sie notwendig sind.