Meine erste Begegnung mit Wüstenschläfern (Eliomys melanurus) hatte ich vor über 15 Jahren. Damals hielt ich noch überwiegend Mongolische Rennmäuse (Meriones unguiculatus), als mir mein Zoofachhändler des Vertrauens zwei neue Arten zeigte, die er bei einem Importeur erworben hatte. Dabei handelte es sich um afrikanische Zwergschläfer (Graphiurus spec.) und eben jene Wüstenschläfer. Beide Arten waren mir zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt und ich nahm von einem Kauf zunächst Abstand. Nachdem ich mich dann gründlich über die beiden Arten informiert hatte, ging ich zurück, um ein Pärchen Wüstenschläfer zu erwerben. Leider waren diese aber bereits komplett verkauft, sodass sich zunächst ein Pärchen Zwergschläfer in dem bereits vorbereiteten Gehege austoben konnte. Allerdings habe ich die Wüstenschläfer dabei nie aus dem Auge verloren. Es sollte aber noch Jahre dauern, bis ich diese Art endlich erwerben konnte, denn sie zählen immer noch zu den Raritäten unter den Bilchen und werden nur selten gehalten.


Beschreibung
Das Fell der Wüstenschläfer weist auf dem Rücken eine graubraune Färbung auf. Die Bauchseite ist hingegen hellgrau bis weißlich gefärbt. Auffällig sind die großen, knopfartigen Augen und die großen Ohren, die nur spärlich behaart sind. Der Schwanz ist dicht behaart und endet in einer schwarzen, buschigen Quaste. Das Charaktermerkmal der Wüstenschläfer ist aber die schwarze Augenbinde, die sich von den Augen bis hinter die Ohren zieht und die er mit dem Gartenschläger gemein hat.
Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 12 bis 17 cm sowie einem Schwanz mit einer Länge von 10 bis 14 cm ist der Wüstenschläfer nahezu doppelt so groß wie der afrikanische Zwergschläfer (6-9 cm Körperlänge, 5-8 cm Schwanzlänge). Das Gewicht adulter Männchen liegt bei 80 100 g, Weibchen sind meist etwas leichter und bleiben im Regelfall auch kleiner.

Verbreitung und Lebensweise
Syrische Wüstenschläfer sind in Kleinasien und im Norden Afrikas beheimatet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich dabei über Algerien, Ägypten, Irak, Israel, Jordanien, Libanon, Libyen, Marokko, Saudi Arabien, Syrien und Tunesien. Als Lebensraum bevorzugen sie ausgesprochen trockene Habitate. Wie es für Vertreter der Bilche üblich ist, handelt es sich auch bei Wüstenschläfern um nachtaktive Tiere, die den Tag schlafend in ihren Nestern verbringen. In der kalten Jahreszeit halten sie, ebenso wie der Gartenschläfer, eine etwa fünf Monate dauernde Winterruhe, im Gegensatz zum ebenfalls in diese Familie gehörenden Siebenschläfer (Glis glis), bei dem es sich ja um einen echten Winterschläfer (bis zu sieben Monate) handelt.
Unter ungünstigen Bedingungen fallen Wüstenschläfer in den Sommermonaten in Torpor, eine schlafähnlichen Starrezustand, bei dem die Körpertemperatur deutlich herabgesetzt ist, um auf diese Energie zu sparen. Ein Ähnliches Verhalten ist unter anderem auch beim Zwergschläfer beobachtet worden.

Haltung
Ich hatte das Glück 2010 ein Trio bestehend aus einem Männchen und zwei Weibchen erwerben zu können. Dabei handelte es sich um junge Tiere, nicht wie so oft bei solchen Angeboten um alte Tiere, mit denen eine Zucht unmöglich ist.
Zur Eingewöhnung setzte ich die Tiere zunächst getrennt in drei Quarantänebecken mit den Maßen 80x 40 x50cm (Länge x Höhe x Breite), um genau studieren zu können, welche Futterpräferenzen die Tiere haben und ihren Gesundheitszustand einschätzen zu können. Ausgestattet waren die Becken mit einem Schlafhäuschen (Exotennistkasten), einigen Wurzeln und dickeren Ästen. Der Bodengrund bestand aus Zeitungspapier, welches täglich gewechselt wurde. Leider erwiesen sich die Tiere als extrem scheu, sodass ich sie kaum zu Gesicht bekam, eine Tatsache, die bis heute so Bestand hat.

Dauerhafte Unterbringung
Nachdem sich in der Quarantäne keinerlei gesundheitliche Probleme zeigten, wurden die Wüstenschläfer nach zwei Wochen in ihre endgültige Unterkunft gesetzt. Dabei handelte es sich um zwei Gehege mit der Größe 100 x 100 x 200cm (Länge x breite x Höhe), welche an drei Seiten gefliest und nur an der Vorderfront mit Glasscheiben versehen sind. Da ich eine Unverträglichkeit der beiden Weibchen untereinander befürchtete, brachte ich beide getrennt unter, wobei ich einem Weibchen das männliche Tier zugesellte.
Nach Rücksprache mit dem Züchter, bei dem ich die Tiere erworben hatte, wagte ich es jedoch, alle drei Tiere zusammen zu setzen, wobei bis heute keinerlei Probleme aufgetreten sind.
Ausgestattet ist das Gehege mit zahlreichen Kletterästen, die im Durchmesser von 2 5cm variieren, sowie einer Plattform mit dem Maßen 40 x 30cm, die in etwa einem Meter Höhe angebracht ist und auf der der Großteil des Futters angeboten wird. Zwei Wellensittichkästen und ein Exotennistkasten dienen als Schlafhäuschen. Dabei kann ich beobachten, dass die Tiere alle in einem Kasten übernachten, diesen aber von Zeit zu Zeit wechseln.
Als Bodengrund verwende ich handelsüblich Kleintierstreu, da diese sehr sauffähig ist und leicht ausgetauscht werden kann. Dies geschieht alle zwei Wochen, eine Grundreinigung des Geheges ist nach etwa vier Wochen erforderlich. Zusätzlich biete ich am Boden stets etwas Heu an, welches von den Wüstenschläfern in die Kästen eingetragen wird, um diese auszupolstern.
Wichtig bei der Unterbringung von Wüstenschläfern ist es, darauf zu achten, dass es keinerlei Spalten oder Lücken im Gehege gibt, da die Schläfer absolute Ausbruchskünstler sind. Anders als die von mir ebenfalls gehaltenen Zwergschläfer setzen die Wüstenschläfer durchaus auch ihre Zähne ein, um Schwachstellen des Geheges auszunutzen. Aus diesem Grund hat sich das Fliesen von Rückwand und Seitenwänden bewährt.

Fütterung
Als Grundfutter für meine Wüstenschläfer verwende ich Heuschrecken, welche begierig gefressen werden. Dabei vergessen die Tiere auch ihre Scheu und lassen sich problemlos beobachten, während sie ansonsten eher heimlich leben. Neben Heuschrecken biete ich auch Mehlwürmer und Zoophobas an, allerdings in geringem Umfang, da diese doch sehr fetthaltig sind. Ergänzt wird das Angebot an tierischem Eiweiß durch die Gabe von Eintagsküken und Insektenfutter, beides wird von meinen Tieren problemlos angenommen.
Die Versorgung mit Vitaminen stelle ich durch die Gabe von Obst sicher. Dabei sind meine Schläfer nicht wählerisch und fressen alles, was ihnen angeboten wird, egal ob es sich um Äpfel, Birnen, Bananen oder Melonen handelt. Auch Pfirsiche und Erdbeeren sind äußerst beliebt und werden innerhalb kürzester Zeit aufgefressen. Der Nachteil an einer zu reichhaltigen Obstfütterung zeigt sich an dem sehr dünnflüssigen Kot, der eine häufigere Reinigung des Geheges nach sich zieht.
Wasser steht meinen Tieren ständig zu Verfügung, wird aber kaum angenommen.


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