Zwergschläfer werden in den letzten Jahren immer wieder einmal im Handel angeboten. dabei werden sie auch unter dem Namen afrikanischer Bilch oder Zwergsiebenschläfer gehandelt.

Informationen zur Haltung dieser nachtaktiven Tiere gibt es kaum, auch in der einschlägigen deutschsprachigen Literatur werden sie kaum erwähnt. Lediglich in der englischsprachigen Literatur werden die Zwergschläfer erwähnt, da sie insbesondere in den USA schon länger als Haustiere bekannt sind.

Lebensweise

Zwergschläfer der Gattung Graphiurus bewohnen den gesamten Afrikanischen Kontinent. Die hier vorgestellte Art G. murinus bewohnt das südliche Afrika bis hin zur Sahara. Zwergschläfer sehen aus wie die Miniaturausgabe von Eichhörnchen. Charakteristisch ist der große buschige Schwanz, der ihnen auch den Namen Pinselschwanzbilch eingebracht hat. Die Fellfarbe variiert zwischen braun und grau, der Bauch ist meist heller gefärbt.Zwergschläfer bewohnen hauptsächlich Wälder. Sie halten sich meistens auf Bäumen auf, der Boden wird nur ausnahmsweise aufgesucht. In den Bäumen bauen sie ihre Schlafnester, es werden aber auch Baumhöhlen als Schlaf- und Nistplatz genutzt.

Afrikanische Zwergschläfer sind nachtaktiv, aber in dichten dunklen Wälder können sie auch tagsüber aktiv werden. Unklar ist, ob sie eine Winterruhe halten. Einige Autoren erwähnen sogar eine Art Topor, einen Starrezustand in die die Tiere bei Nahrungsmangel oder ungünstigen Wetterverhältnissen fallen, um Energie zu sparen. Aus meiner Erfahrung mit bei mir gehaltenen Zwergschläfer kann ich dies bestätigen. So habe ich einmal ein Tier bereits für tot gehalten, weil es keinerlei Körperwärme oder Atemtätigkeit mehr aufzuweisen schien. Nachdem ich es aber ca. 5 Minuten in der Hand gehalten hatte, begann es aufzuwachen und bedankte sich für diese ungewollte Störung mit einem kräftigen Biss in den Finger.

Die Nahrung der Zwergschläfer besteht aus Körner, Samen, Früchten Eiern, Insekten und kleinen Säuger und Vögeln.  Bei oberflächlicher Betrachtung sehen die Zwergschläfer wie Miniatureichhörnchen aus. Über das Sozialleben der Schläfer herrscht Uneinigkeit. So sprechen einige Autoren davon, dass sich die Schläfer streng territorial verhalten. Männliche Tiere sollen sogar zum Kannibalismus neigen, eine Erfahrung die auch in Menschenobhut gemacht werden konnte. Andererseits wurden auch schon 11 Tiere beiderlei Geschlechts in einem gemeinsamen Nest gefunden.  Die Lautäußerungen der kleinen Schläfer sind sehr variable. Sie reichen von einem keckernden Singsang bis hin zu einem schrillen, erstaunlich lauten Schrei.

Die 2-10 Jungtiere werden in der Zeit von Januar bis Mai geboren. Sie wiegen bei der Geburt ca. 3,5 Gramm. In Menschenobhut scheinen die Zwergschläfer keine feste Fortpflanzungsperiode zu haben, Würfe gibt es das ganze Jahr über. Die Lebenserwartung in Menschenobhut beträgt 4-5 Jahre, Das älteste bekannte Tier, ein Weibchen, wurde 5 Jahre und 9 Monate alt. In freier Wildbahn dürfte die Lebenserwartung deutlich geringer sein.

Anschaffung

Zwergschläfer sind zwar sehr niedlich, stellen aber hohe Anforderungen an den Halter und sind keine Kuscheltiere. Vor der Anschaffung von Zwergschläfern sollte man sich einige grundlegende Fragen stellen:

 1.     Habe ich mich über die Ansprüche und Bedürfnisse der Tiere gut informiert? 

 2.      Habe ich ausreichend Zeit, um mich mit den Tieren zu beschäftigen?

 3.     Ist mir bewusst, dass Zwergschläfer nachtaktiv sind?

 4.    Bin ich bereit, regelmäßig Zeit zum Reinigen der Käfige und deren Umgebung zu investieren?

 5.     Bin ich bereit, mich auf die Gabe von Lebendfutter (z.B.) Mehlwürmern einzulassen?

 6.     Weiß ich, wer meine Tiere im Urlaub versorgt?

 7.    Sind die Kosten für Futter, Streu und Obst im Haushaltsbudget eingeplant?

 8.   Kenn ich einen Tierarzt, der sich mit der Behandlung  von exotischen Kleinsäugern auskennt?

 9.    Ist mir bewusst, dass Zwergschläfer keine Kuscheltiere sind?

 10.    Bin ich bereit, mindestens zwei Zwergschläfer anzuschaffen?

Mit viel Geduld kann man Zwergschläfer soweit bringen, dass sie das Futter aus der Hand des Pflegers nehmen, richtig zahm werden sie jedoch meist nie. Wenn (und nur wenn) alle zehn Fragen mit einem klaren Ja beantwortet worden sind, steht einer Anschaffung der neuen Hausgenossen nichts mehr im Wege. Bleibt nur die Frage, woher ich meine Zwergschläfer bekomme. Da Zwergschläfer noch zu den Raritäten in der Haltung gehören, ist die Beschaffung etwas komplizierter. Generell gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Zoofachhandel - Hin und wieder werden Zwergschläfer im Zoofachhandel angeboten. Insbesondere bei Zoofachhändlern mit einer großen Nagerabteilung bieten die Zwergschläfer regelmäßig an. Bei diesen Tieren handelt es sich oftmals um Wildfänge, die als erwachsen Tiere importiert werden. Die genaue Bestimmung des Alters ist dabei nicht möglich.

2. Züchter - Wer einschlägige Fachzeitschriften oder Internetseiten durchsieht, wird ab und zu auf Züchter stoßen, die ihre Nachzucht abgeben. Der Kauf beim Züchter bietet einige Vorteile. So sind die Tiere, die in Menschenobhut aufgewachsen sind, deutlich vertrauter als aus der Natur entnommene Tiere. Außerdem ist das genaue Alter der Tiere bekannt und man kann sich hinsichtlich der Fütterung und Haltung Tipps vom Züchter abschauen. 

Haltung

Zwergschläfer sind  bewegungsaktive Tiere, die gerne klettern. Dies sollte bei der Auswahl und Gestaltung der Unterkunft unbedingt bedacht werden. Denn nur wenn der Käfig entsprechend  der Bedürfnissen der Zwergschläfer eingerichtet ist, zeigen sie ihr gesamtes Verhaltensrepertoire. Zur Unterbringung von Zwergschläfern empfiehlt sich ein Terrarium, da die Tiere bei Gitterkäfigen durch die Gitterstäbe hindurch entweichen können. Überhaupt haben Zwergschläfer einen ausgesprochene Sinn dafür, aus ihrer Behausung auszubrechen. Der kleinste Spalt genügt, um den Zwergschläfern die Flucht zu ermöglichen. Die anschließende Verfolgungsjagd quer durch die Wohnung fördert zwar die Kondition des Halters, birgt aber für die Schläfer zahlreiche Risiken. Es sollte deshalb von Beginn an darauf geachtet werden, dass nirgendwo am Käfig Spalten oder Öffnungen sind,. durch die sich die Schläfer zwängen können.

Zwergschläfer sind sehr bewegungsaktiv und benötigen trotz ihrer geringen Größe viel Platz. Ihr Käfig sollte so eingerichtet sein, dass die Schläfer viel klettern können.

Ideal sind Terrarien, die höher als breit sind, da diese so eingerichtet werden können, dass die Zwergschläfer viele Klettermöglichkeiten haben. Die minimale Größe eine Terrariums für ein Paar beträgt 60cmx40cm x80cm.

Ausstattung

Entsprechend ihrer Lebensweise sollte ein Zwergschläferterrarium mit ausreichend Ästen zum Klettern ausgestattet sein. Um den Tieren den Rückzug zu ermöglichen und ihnen ausreichend Schlafhöhlen zu bieten, haben sich bei mir Vogelnistkästen bewährt. Dabei werden kleinere Kästen bevorzugt. Aus optischen Gründen verwende ich Naturstammhöhlen, es werden aber auch Bretterkästen angenommen. Da meine Schläfer kaum nagen, habe ich mein Terrarium mit einer Zwergkiefer bepflanzt. Neben optischen Aspekten bietet sie den Schläfern auch ausreichend Versteckmöglichkeiten.

Zur weiteren Grundausstattung eines Schläferheims gehören::

                mehrere Futternäpfe (für jede Futtersorte einer)

                ein Mineralstein

                ein Wassernapf (besonders geeignet sind Trinkflaschen für kleine Nager)

 

Weiterhin kann den Tieren angeboten werden:

                ein Laufrad

                Äste, Rinde, Steine

                ein Röhrensystem

                eine Kiste mit ungedüngter Blumenerde (zum Buddeln)

Einstreu

Als Einstreu kann handelsübliche Nagereinstreu verwandt werden, aber auch ungedüngte Blumenerde. Die regelmäßige Gabe von Walderde, die entweder in separaten Schalen angeboten oder über die Einstreu verteilt wird, sorgt für zusätzliche Beschäftigung, da sie von den Schläfern ausgiebig auf Insekten durchsucht wird. Zusätzlich sollte Heu gegeben werden, so dass die Zwergschläfer Material zum Nestbau zur Verfügung haben.

Ernährung

Da Zwergschläfer noch nicht lange in menschlicher Obhut gehalten werden und es kaum Literatur gibt, ist auch über die tatsächlichen Ansprüche der Tiere wenig bekannt. Was bei der Fütterung zunächst auffällt, ist der enorme Appetit der kleinen Tiere. So ist der Futterbedarf meiner Schläfer mit dem meiner Rennmäuse vergleichbar, obwohl sie deutlich kleiner sind. Erstaunlich ist auch die enorme Neugier bei der Futterwahl. Nahezu alles, was ihnen zur Verfügung gestellt wird, wird auch ausprobiert. Dies ist aber nicht nur von Vorteil, da die Zwergschläfer durch ihre enorme Futteraufnahme zur Verfettung neigen. Als Grundfutter empfiehlt sich deshalb  Wellensittichfutter. Der hohe Hirseanteil dieses Futters sorgt für die ausreichende Versorgung mit Kohlenhydraten. Zusätzlich sind die Tiere durch die geringe Größe der Hirsekörnern länger mit der Futteraufnahme beschäftigt. Sonnenblumenkerne werden ebenfalls gerne gefressen, sollten aber nur in geringem Maß verfüttert werden. Dies gilt auch für alle anderen fetthaltigen Futterstoffe, insbesondere Erdnüsse.

Obst und Gemüse

Die regelmäßige Gabe von Obst und Gemüse ist für eine gesunde Ernährung unabdingbar. Auch hier erweisen sich die Zwergschläfer beim Obst als wenig wählerisch. Es wird nahezu alles ausprobiert. Dabei gilt, je süßer, desto besser. Besonders gerne werden Äpfel, Birne, Pfirsich und Trauben gefressen. Auch Schlangengurken und Tomaten (Nur in geringem Maß wegen der darin enthaltenen Oxalsäure) werden sofort angenommen. Weniger gerne werden hingegen Möhren gefressen. Hier mag es aber durchaus individuelle Unterschiede geben. Deshalb sollte man immer wieder auch neue Obst- und Gemüsesorten ausprobieren. So bleibt die Ernährung der Schläfer abwechslungsreich und es ist gewährleistet, dass die Tiere ausreichend mit lebenswichtigen Vitaminen versorgt werden. 

Lebendfutter

Zur artgerechten Ernährung der Zwergschläfer gehört die Gabe von Lebendfutter. Hier eignen sich vor allem Mehlwürmer und Heimchen, da diese im Zoofachhandel bezogen werden können. Aber auch Wiesenplankton, den man mit einem engmaschigen Netz (selbstgebaut, z.B. aus einem Nylonstrumpf) selber sammeln kann, wird gerne gefressen. Wenn man den Tieren Lebendfutter anbietet, wird dieses zuerst genommen und das Körnerfutter erst angerührt, wenn keinerlei Lebendfutter mehr vorhanden ist  Leider enthalten Mehlwürmer, die man im Fachhandel kauft, oft kaum mehr Nährstoffe, da sie in Kisten auf Zeitungspapier oder bestenfalls auf Kleie gehalten werden. Ich verfüttere deshalb Mehlwürmer erst, nachdem sie eine Woche lang bei mir mit Obst und Gemüse ernähert worden sind. Dabei muss man beachten, dass das Klima in der Mehlwurmkiste nicht zu feucht wird, da es sonst zu Schimmelbildung kommen kann. Alle zwei bis drei Wochen werden die Mehlwürmer vor der Verfütterung von mir mit Lebertran angefeuchtet und mit einem Gemisch aus Mineralien und Vitaminen bestreut.

Zusatzfutter

Zusätzlich zu den oben genannten Futtermitteln kann den Zwergschläfer ab und an eine halbe Walnuss oder eine Haselnuss angeboten werden. Dies sollte jedoch nicht zu oft geschehen, da Nüsse viel Fett enthalten und dies letztlich zu Leberschäden führen kann. Zur Ergänzung des Futters mit tierischen Eiweißen kann auch Jogurt oder Hundefutter aus Dosen gereicht werden.  Gerne nehmen meine Zwergschläfer auch Kotelettknochen (ungewürzt) an, die sie ausgiebig abnagen. Auch die Gabe von Ei- und Insektenfutter aus dem Ziervogelbereich ist möglich.

Grundsätzliches

Wichtig bei der Fütterung ist auch, nicht zu viel zu füttern. Pro Tier und Tag reicht ein Teelöffel völlig aus, bei der zusätzlichen Verfütterung von Obst und Gemüse kann die Menge entsprechend reduziert werden. Übriggebliebene Reste sollten vor jeder Fütterung entfernt werden, um die Gefahr von Schimmel oder Säuern zu vermeiden. 

Zucht

Die Zucht von Zwergschläfern bereitet keinerlei Probleme. Wenn man ein Paar hat, stellen sich früher oder später die Jungtiere ein. Die Vermehrung kann sogar regelrecht explosionsartig von statten gehen, dass das Terrarium bald  überfüllt ist. In solchen Fällen neigen Zwergschläfer nach einigen Berichten zum Kannibalismus, wobei die Artgenossen bis auf Reste des Schwanzes komplett aufgefressen werden.

Es ist deshalb wichtig sich vor dem Beginn der Zucht überlegen, wohin überzählige Jungtiere abgeben kann. Ist die Abgabe nicht gewährleistet, sollte man lieber zwei gleichgeschlechtliche Tiere zusammenhalten.

Wenn man sich für die Zucht entschieden hat und die Unterbringung der Jungtiere gewährleistet ist, dann wird man anders als z.B. bei Hamstern oder Rennmäusen nur wenige Blicke auf die Jungtiere werfen können, bevor diese selbstständig sind. Zwergschläferweibchen versuchen nämlich den Standort des Nestes möglich nicht zu verraten. Wird er doch entdeckt und greift der Halter in das Nest, werden die Jungtiere verlassen oder in ein neues Nest gebracht. Man sollte deshalb auf Störungen der Tiere im Nest verzichten. Junge Zwergschläfer sind nur etwa 1 cm groß und nackt. Nach ca. 2 Wochen öffnen sich die Augen und das Fell beginnt zu wachsen. Nach ca. 4 Wochen sehen die Jungbilche wie Miniaturausgaben ihrer Eltern aus. Werden sie aufgeschreckt, laufen sie in alle Richtungen auseinander und suchen eine Versteckmöglichkeit. Über Lautäußerungen geben sie anschließend den Elterntieren ihren neuen Standort bekannt. Mit ca. 6 Wochen sind die jungen Schläfer selbstständig. Da sie aber in den meisten Fällen von den Eltern geduldet werden, kann man sie auch länger bei den Alttieren lassen.

Büchertipps