Wüstenspringmäuse der Gattung Jaculus gehören zu den Raritäten in Menschenobhut. Nur die Große Wüstenspringmaus Jaculus orientalis und die   Kleine Springmaus (Jaculus jaculus) werden ab und zu vom Zoofachhandel angeboten. Dabei handelt es sich aber meist um Importtiere, da die Zucht, insbesondere bei J. orientalis, noch zu den großen Ausnahmen zählt. Wüstenspringmäuse fallen sofort durch ihr känguruartiges Aussehen auf. Die Funktion der Schwanzquaste ist bisher umstritten. Einige Biologen meinen, sie diene der Simulation von Schlangen und solle Fressfeinde aus den Wohnhöhlen fernhalten. Ihren Trivialnamen verdanken die Wüstenspringmäuse ihrem enormen Springvermögen. Sie sind in der Lage, aus dem Stand bis zu einem Meter hoch und 2-3 Meter weit zu springen. Da sie insgesamt wie die Miniaturausgabe eines australischen Kängurus aussehen, werden sie oftmals auch als Kängurumäuse bezeichnet, was insofern irreführend ist, da sie anders als Kängurus keine Beuteltiere sind und auch innerhalb der Nagetiere mit den neuweltlichen Kängurumäusen und –ratten (Heteromyinae und Dipodomyinae) nicht näher verwandt sind.

Bei richtiger Pflege sind sie liebenwerte Pfleglinge, die ein interessantes Verhaltensrepertoire aufweisen und dem Halter interessante Einblicke in ihre Lebensweise gewähren. Sie sind deshalb das ideale Haustier für Menschen, die sich an der Beobachtung von Lebewesen erfreuen. Als zahme Streicheltiere sind sie hingegen nicht geeignet, wer dies möchte, sollte die Finger von Jaculus lassen.

Mit dem Erwerb von Wüstenspringmäusen übernimmt der Halter die Verantwortung für ein echtes "Wildtier“, dies sollte bei Unterbringung und Pflege stets beachtet werden. Oberstes Ziel sollte es sein, erfolgreich nachziehende Paare bzw. Gruppen aufzubauen, um von Importen unabhängig zu werden. Zwar sind Wüstenspringmäuse noch nicht vom Aussterben bedroht, dies kann sich aber zukünftig wie bei vielen Arten schnell ändern.

Jaculus leben in einer Vielzahl von Habitaten. Neben Sand- und Salzwüsten bevölkern sie auch Halbwüsten, Savannen und die Ausläufer von Gebirgen. Jaculus orientalis lebt in kleineren Gruppen, vermutlich Familienverbänden. Bis zu 50 Tiere konnten im Freiland auf einer Strecke von nur 800 Metern gesammelt werden. Erstaunlicherweise berichten die meisten Halter, dass es in Menschenobhut gerade bei den in der Natur geselligen J. orientalis zu heftigen Kämpfen zwischen den Männchen kommen kann.
Ihre Bauten, die bis zu 2 Meter Tiefe erreichen können, legen sie in harten Böden an. Während der heißen Sommermonate verschließen die Springmäuse ihre Bauten tagsüber mit Sand und Pflanzenteilen, was neben dem Schutz vor Feinden auch dem Schutz vor Austrocknung dient. In den kälteren Wintermonaten bleibt der Bau offen. Die Großen Wüstenspringmäuse sind ausschließlich nachtaktiv. Tagsüber schlafen sie in ihren Höhlen, deren Gangsystem weit verzweigt ist. Die Schlafklammer wird mit Kamelhaaren oder Pflanzenteilen ausgepolstert. Von der Schlafkammer, die auch als Nestkammer benutzt wird, führen zwei bis drei Fluchtgänge direkt nach draußen. Bei J. orientalis gibt es zusätzlich Hinweise auf das Anlegen von Vorratskammern.

Typisch für Springmäuse ist ihre Schlafposition. Sie schlafen entweder auf der Seiten liegend, wobei der Kopf leicht eingedreht wird oder, auf ihren Hinterbeinen sitzend, wobei auch hier der Kopf zur Brust hin eingedreht wird. Vor allem die Seitenlage führt bei manchen Tierfreunden dazu, dass die Tiere für tot gehalten werden. Umso größer ist das die Überraschung, wenn das vermeintlich tote Tier sich bei Annäherung mit großen Sprüngen entfernt.

Gegensätzlich Aussagen finden sich in der Literatur zum Thema Winterschlaf. Während einige Autoren angeben, dass Wüstenspringmäuse Winterschlaf halten, bestreitet dies die Mehrzahl der Autoren. Allerdings scheint es bei Springmäusen wie bei den Zwergschläfern (Graphiurus) eine durch äußere Einflüsse bedingte Schlafstarre (Torpor) zu geben. In diese verfallen sie bei Nahrungsknappheit und ungünstig kaltem und regnerischem Wetter. Durch die Absenkung sämtlicher Körperfunktionen können sie Energie sparen und somit die für sie unvorteilhaften Zeiten besser überstehen. Einige Autoren beschreiben auch eine Art "Sommerschlaf", in den die Tiere bei zu heißer Witterung und knapper Nahrung verfallen. Die Nahrung der Wüstenspringmäuse setzt sich aus Samen, Früchte und Wurzeln zusammen. Wasser wird metabolisch erzeugt und muss nicht aufgenommen werden.

Haltung

Die beste Unterbringung für eine Wüstenspringmaus ist ein Aquarium oder sonstiger langgestreckter Behälter mit einer Länge von wenigstens 2 m, jedoch sind 3 m oder mehr bei 1 m Breite deutlich vorzuziehen. Geht man mit den Tieren vorsichtig um und vermeidet hektische Bewegungen innerhalb des Beckens, so bleiben sie meist ruhig und es kommt nicht zum panikartigen Herumspringen. Will man die Tiere jedoch ergreifen, so versuchen sie mit großen Sprüngen zu fliehen, was schlimmstenfalls zu Genickbrüchen führen kann, wenn sie mit voller Wucht gegen die Beckenscheiben springen. Vermeiden kann man dies, indem man die Tiere statt mit der Hand mit einem Kescher herausfängt, oder indem man die Tiere mitsamt ihrer Schlafhöhle (idealerweise einer Röhre) aus dem Becken nimmt. Durch Aufbauten an den Seiten kann man zusätzlich verhindern, dass die Tiere gegen die Scheiben springen, was bei der hohen Geschwindigkeit, die die Tiere erreichen, durchaus gefährlich werden kann. Im Gegensatz zu der Erfahrung anderer Züchter ist bei mir noch nie ein Tier gegen eine solchermaßen "entschärfte" Glasscheibe gesprungen. Durch die Verwendung von Becken aus Holz, die nur im Frontbereich aus Glas bestehen, kann das Risiko zusätzlich minimiert werden.

Als Einstreu für die Wüstenspringmäuse empfiehlt sich Sand (z. B. Chinchillasand oder durchgesiebter Flusssand). Wird den Tieren kein Sand angeboten, verfettet das Fell extrem schnell, was zu Erkältungskrankheiten führen kann. Bei mir ist das Becken mit zwei Schubladen versehen, in denen ich auf der einen Seite Sand, auf der anderen Seite ungedüngte Blumenerde anbiete. Die Höhe der Einstreu beträgt beim Sand 5 cm, bei der Blumenerde 15 cm. In der Blumenerde graben meine Jaculus orientalis liebend gern, wohingegen sie den Sand zu ausgiebigen Sandbädern nutzen.

Zur Einrichtung des Beckens sollten auf jeden Fall eine größere Wurzel und geeignete Unterschlüpfe für die Tiere gehören, wohin sie sich tagsüber zurückziehen können. Als Unterschlupf eignen sich z. B. große umgedrehte Tontöpfe oder Häuschen für Meerschweinchen, wie sie im Zoohandel erhältlich sind. Bei mir hat sich u. a. eine Tonröhre bewährt, wie sie für die Weinlagerung benutzt. Wichtig ist vor allem, dass der Unterschlupf nicht zu klein ist und dass pro Tier ein Unterschlupf angeboten wird, damit sich die Wüstenspringmäuse bei Bedarf (z. B. wenn das Weibchen trächtig ist) aus dem Weg gehen können.

Zum Nestbau benötigen die Großen Wüstenspringmäuse vor allem Stroh und Heu in ausreichendem Maße. Lediglich eine Handvoll ist zuwenig, da die Tiere das gesamte Nest auspolstern und zusätzlich die Eingänge tagsüber verstopfen. Sehr beliebt sind auch Zellstoff und Kamelhaar, teilweise werden auch Kokosfasern oder Hundehaare angenommen.

Was die Wärmebedürftigkeit der Großen Wüstenspringmaus anbelangt, gibt es gegensätzliche Meinungen. Da die Tiere entgegen der Annahme vieler Halter nicht aus den extrem trockenen Wüsten, sondern eher aus den Halbwüsten mit regelmäßigem Niederschlag stammen, ist meines Erachtens eine zusätzliche Wärmegabe durch Wärmelampen nicht notwendig. Teilweise besteht durch diese Wärmelampen die Gefahr der Überhitzung, was insbesondere bei Jungtieren sogar zum Tod führen kann. Meine Wüstenspringmäuse haben jedenfalls bisher bei Zimmertemperatur keinerlei Unwohlsein gezeigt.

Was man bei der Haltung von Großen Wüstenspringmäusen nie vergessen darf, ist, dass es sich um nachtaktive Tiere handelt. Zwar kann man durch die Fütterung am frühen Morgen oder Abend die Aktivitätsphasen leicht verschieben, wer aber ein Tier haben möchte, welches den ganzen Tag aktiv ist, der ist mit Wüstenspringmäusen schlecht beraten. Störungen während des Tages, insbesondere durch Hineingreifen in den Unterschlupf, führen zu panikartigen Fluchtreaktionen seitens der Tiere und können schwere Verletzungen zur Folge haben.

Ernährung
In ihrem Lebensraum ernähren sich Wüstenspringmäuse von Wurzeln, Samen, Gräsern und Getreide. Dies sollte bei der Zusammenstellung des Futters berücksichtigt werden.

Als Grundfutter bietet sich ein handelsübliches Großsittichfutter an. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass der Anteil von Sonnenblumenkernen nicht zu hoch ist, um eine Verfettung der Springmäuse zu vermeiden. Zusätzlich können Hafer, Weizen und Kolbenhirse gereicht werden. Insbesondere Kolbenhirse ist eine ideale Ergänzung der Nahrung, da die Tiere beim Fressen der Kolben ausreichend Beschäftigung finden.

Obst und Gemüse wird nach Aussage der meisten Halter nicht angenommen. Meine Tiere haben jedoch nach ca. 1 Jahr erstmalig Möhre gefressen. Seitdem gehören Möhren zu den absoluten Lieblingsspeisen und werden bevorzugt gefressen. Es lohnt sich also, Geduld zu haben und auch Futtermittel, die nicht sofort angenommen werden, regelmäßig anzubieten.

Dies gilt auch für tierisches Eiweiß. Zwar nehmen auch hier viele Tiere weder Mehlwürmer noch Ei- oder Insektenfutter an, dies kann sich jedoch ändern, wenn sie Junge aufziehen.

Deutlich auseinander gehen die Meinungen beim Thema Wasser. Während einige Halter meinen, Wüstenspringmäuse bräuchten kein Wasser, gebe ich meinen Springmäusen inzwischen Wasser, da sich gezeigt hat, dass sie zeitweise doch vermehrt und gerne trinken.

Zucht

Die Zucht von Großen Wüstenspringmäusen ist bisher eine echte Seltenheit. Bei den wenigen Erfolgen handelt es sich meist um trächtig importierte Tiere. Oftmals werden bei diesen Tieren die Jungen nach der Geburt nicht angenommen und müssen per Hand aufgezogen werden. Dieses Unterfangen ist jedoch extrem schwierig und gelingt fast nie.

Inzwischen ist mir die Nachzucht zweimal gelungen. Entscheidend für den Zuchterfolg scheint eine längere Periode mit spärlicher Fütterung (kein Grünfutter, nur alle zwei Tage etwas Wellensittichfutter) im Wechsel mit einer Periode der optimalen Versorgung (viel Grünfutter, Keimfutter, Körnerfutter ad libitum, Lebendfutter) gewesen zu sein.

Zum Paarungsverhalten der Springmäuse gehört, dass das Männchen das Weibchen mit kleinen Sprüngen verfolgt. Das Weibchen bleibt daraufhin stehen und es kommt zur Paarung. Dieses Verhalten kann mehrere Stunden dauern.

Die Tragzeit von J. orientalis beträgt ca. 28 Tage. Nach ca. 5-6 Wochen verlassen die Jungtiere erstmals den Bau, benötigen aber nochmals mindestens 4 Wochen, bis sie selbstständig sind.

Unabdingbar für einen Zuchterfolg ist es, dass die Tiere während der Jungenaufzucht völlige Ruhe haben. Auf Nestkontrollen sollte man ganz verzichten, da die Jungtier sonst u. U. von den Eltern verlassen werden. Wichtig ist auch, die Jungen so lange wie möglich bei den Eltern zu belassen, damit sie sich richtig entwickeln. Mindestens 2,5 Monate sollten die Jungtiere bei den Eltern bleiben.

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