Gürteltiere (Dasypodidae) sind mit 21 Arten über den südamerikanischen Kontinent sowie den Südosten Nordamerikas verteilt. Einzigartig unter den derzeit noch vorkommenden Säugetieren ist ihr knöcherner Panzer, der ihnen das Aussehen einer überdimensionalen Kellerassel verpasst und sie perfekt vor Fressfeinden schützt. Der  Kopf ist mit Knochenplatten besetzt, die einen stabilen Panzer formen, welcher in einem gewölbten Rückenpanzer übergeht, der fast die gesamte Körperoberfläche der Gürteltiere bedeckt. Während der Panzer im Bereich des  Vorder- und Hinterleibs  meist zu starren Schilden verwachsen ist, besteht der Panzer im mittleren Bereich meist aus einzelnen , querverlaufenden Ringen, die als Gürtel oder Bänder bezeichnet werden und deren Anzahl charakteristisch für die jeweilige Art ist. Die Anzahl der  Bänder findet sich häufig in den deutschen Trivialnamen wieder, wie etwa beim Dreibindengürteltier  (Tolypeutes spec.). Die Bauchseite der Gürteltiere ist ungepanzert, weshalb sie sich bei Gefahr einrollen, um den ungeschützten Bauch zu sichern. Die meisten Arten werden in ihrer Heimat gejagt, wobei neben ihrem Fleisch auch der Panzer Verwendung findet, aus dem Körbe oder Resonanzkörper für Saiteninstrumente hergestellt werden.
Typisch für die Vertreter der Gürteltiere sind auch die extrem kräftigen Zehen mit langen gebogenen Krallen, von denen sich an den Hinterextremitäten jeweils fünf, an den Vorderextremitäten je nach Art drei bis fünf befinden. Die meisten Arten leben einzelgängerisch und ernähren sich von Insekten, aber auch pflanzliche Kost und  kleine Säuger werden von vielen Gürteltieren nicht verschmäht. Die Lebensweise kann generell in drei Varianten unterteilt werden. Während einige Arten kaum graben, dies trifft beispielsweise auf  Kugelgürteltiere (Tolypeutes) zu, zählen die Vertreter der Borstengürteltiere (Chaetophractus) zu den stark grabenden Arten, die sich nur zur Nahrungsaufnahme an der Erdoberfläche aufhalten. Gürtelmulle (Chlamyphorus) hingegen leben nicht nur überwiegend unterirdisch, sie gehen hier auch auf Nahrungssuche.

Gürteltiere in Menschenobhut

Obwohl sie durch ihr urtümliches Aussehen sofort ins Auge fallen, werden Gürteltiere eher selten in Menschenobhut gepflegt. Lediglich vier Arten werden in deutschen Zoos den Besuchern präsentiert, darunter das Braunborsten-Gürteltier (Chaetophractus villosus), welches in immerhin elf Einrichtungen gezeigt wird und das Sechsbinden-Gürteltier (Euphractus sexcinctus), das in immerhin sieben Zoos gepflegt wird. Besonders bemerkenswert ist dabei der Dortmunder Zoo, welcher immerhin vier Arten der Gepanzerten Nebengelenkstiere zeigt (neben Chaetophractus villosus und Euphractus sexcinctus auch Dasypus novemcinctus sowie Tolypeutes matacus).

Die Gründe dafür, dass Gürteltiere so selten gezeigt werden, liegen einerseits in ihrer Nachtaktivität begründet, die eine entsprechende Zurschaustellung vor allem in Nachttierhäusern sinnvoll macht. Anderseits ist es aber auch der enorme Grabtrieb der Tiere, welches eine Präsentation in Zoos schwierig macht, da dieser die Gehegeeinrichtung stark limitiert, denn alles, was den starken Krallen nicht standhält, wird in kürzester Zeit zerstört.

In Privathand sind Gürteltiere kaum in den Beständen zu finden, am häufigsten dürfte dabei noch das Braunborsten-Gürteltier anzutreffen sein. Der Grund ist neben der geringen Verfügbarkeit sicherlich auch der erhebliche Aufwand, der bei der Sicherung der Gehege betrieben werden muss, insbesondere bei grabenden Arten.

 Planung einer Gürteltieranlage

Gürteltiere haben mich aufgrund ihres Aussehens schon von jeher fasziniert, allerdings habe ich von einer Haltung stets Abstand genommen, da ich immer vor dem enormen Aufwand bei der Gestaltung eines Geheges gewarnt wurde. Und so war ich auch zunächst zurückhaltend, als mir unerwartet Braunborsten-Gürteltiere angeboten wurden. Da inzwischen alle meine Gehege, die für eine Haltung in Frage gekommen wären, mit Kunstfelsen auf Fliesenkleberbasis ausgestattet sind, um einen ansprechenden optischen Eindruck zu erzielen, nahm ich zunächst Abstand von der Haltung, da die Kunstfelsen den kräftigen Krallen der Gürteltiere nichts entgegenzusetzen hätten. Grade Braunborsten-Gürteltiere gelten als arge Zerstörer, was mich letztlich abschreckte, denn auf die in mühevoller Arbeit erstellten Kulissen meiner Gehege wollte ich keinesfalls verzichten.

Aber ich hatte Blut geleckt und überlegt, wie ich eine gürteltiersichere Unterbringung optisch so ansprechend gestalten könnte, dass sie einerseits praktikabel ist, anderseits schlichtweg gut aussieht. Also hieß es zunächst einmal Literatur wälzen, um alle notwendigen Eckdaten zu bekommen.

Das Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren gibt in der aktuellen Fassung eine Mindestfläche von 10 m2 pro Paar vor, welche gegen das Untergraben idealerweise durch einen Betonboden geschützt wird. Auch bei der Umrandung des Geheges empfiehlt sich Beton, aber auch Glas ist als Umrandung geeignet. Die Gestaltung des Geheges kann mit Ästen, Steinen und morschen Holzstämmen erfolgen. Als Einstreu empfiehlt sich Rindenmulch oder Laub. Bei der im Gutachten empfohlenen Bepflanzung mit niedrig

wachsenden Pflanzen wurde ich jedoch skeptisch, denn dies würde, wenn sie für die Tiere direkt zugängig ist, wohl in kürzester Zeit zerstört. Hier ist wohl eher der Wunsch Vater des Gedanken und nicht die praktische Erfahrung mit der Gürteltierhaltung. Zur weiteren Gehegeeinrichtung sollten ausreichend Rückzugsmöglichkeiten und Schlafkästen gehören.

 Der Zufall hilft

Ein Gehege in passender Größe hatte ich zwar durchaus zur Verfügung, dieses lässt sich auch aufgrund der eingebauten Heizung problemlos auf die erforderlichen Mindesttemperaturen
von 20 – 23 °C heizen (da darin Grüne Leguane gehalten werden, ist die Temperatur sogar höher), Probleme bereitete mir allerdings nach wie vor die Felskulisse. Und so wurden mehrere Möglichkeiten diskutiert. Eine Verkleidung des unteren Geheges mit Blech wurde verworfen, da sie optisch kaum ansprechend zu gestalten wäre. Letztlich kam mir der Zufall zu Hilfe. Ein Bekannter baute seinen Balkon um und dabei fielen braune Glasscheiben mit einer Länge von 150cm und einer Höhe von 30cm an, die er mir anbot. Diese passten optisch gut in das Gehege und da es sich um Sicherheitsglas handelte bestand auch keinerlei Sicherheitsbedenken.

Also wurde der Umbau des Geheges in Angriff genommen. Dazu wurde im ersten Schritt der im Gehege befindliche Teich entfernt, um einerseits mehr Platz für die Gürteltiere zu schaffen, anderseits die Gefahr des Ertrinkens zu bannen. Da aber die Leguane auch weiterhin das Gehege bewohnen sollten, musste eine Alternative her, denn ganz verzichten auf eine Bademöglichkeit sollten  die Echsen nicht und auch der in den Teich mündende Wasserfall sollte weiterhin betrieben werden. Kurzerhand entstand an der Stelle des Teichs eine Schlafkiste für die Gürteltiere, auch deren Decke ein neuer Teich geschaffen wurde, welcher aus einer 60 x 40cm großen Plastikwanne besteht, welche mit Fliesenkleber optisch an die vorhandenen Felsen angepasst wurde. Da sich der neue Teich in sechzig Zentimeter Höhe befindet, kann er von den Gürteltieren nicht erreicht werden und stellt somit keine Gefahr dar. Nun galt es die unteren Kanten der Kunstfelsen im Bodenbereich,  teilweise abzuschlagen, um eine gerade Kante zu erreichen. Bei dieser Arbeit habe ich einmal mehr darüber geflucht, dass ich die Gehegeeinrichtung offensichtlich für die Ewigkeit geplant hatte. Letztlich waren einige Tage Arbeit und etliche Fahrten zur Mülldeponie notwendig, um den unteren Bereich der Felsen so begradigen, dass ich die Glasscheiben mit einem Abstand von 2-3 Zentimetern vor der Wand anbringen konnte.

 Aus zwei mach eins

Kaum waren diese Arbeiten vollendet, war ich unzufrieden mit der Gehegegröße. Zwar erreichte ich die Mindestgröße, aber für eine eventuelle Zucht wäre es mir lieber gewesen, ich hätte etwas mehr räumliche Reserve und könnte das Gehege problemlos teilen. Die Lösung des Problems war ebenso einfach wie arbeitsintensiv. Um die Ecke des zukünftigen Gürteltierheims befand sich ein nicht mehr genutztes Großterrarium, in welchem früher unsere Kragenechsen (Chlamydosaurus kingii) gelebt hatten. Dieses Gehege sollte nun an das Gehege der Gürteltiere angeschlossen werden. Hierzu wurde ein Teil der Glasfront des Geheges so versetzt, dass er sich direkt an den Erweiterungsteil anschloss. Nun konnte die überflüssige Seitenwand des Kragenechsengeheges entfernt werden und aus zwei Gehegen war eins geworden. Was sich so einfach anhört, beinhaltete tatsächlich einiges an Arbeit und viele weitere Fahrten zur örtlichen Mülldeponie. Dort wurde ich zuletzt quasi schon mit Namen begrüßt, was den Vorteil hatte, dass bei längerer Wartezeit auch schon mal ein Kaffee für mich raussprang.

Um weitere Fläche für die Gürteltiere zu schaffen, entschloss ich mich auch, den im Gehege befindlichen künstlichen Baum im unteren Bereich auszuhöhlen, um den Bodenbewohnern einen weiteren Unterschlupf zu schaffen. Da das Innenleben des Baums aus Styropor besteht wurde nach dem Aushöhlen eine nach vorne offene Holzkiste in die Höhlung eingepasst, die Zerstörungen durch die Gürteltiere verhindern soll und bei Bedarf einfach ausgetauscht werden kann.

Neben diesem Unterschlupf und der Höhle unter dem Wasserbecken wurde eine dritte Schlafhöhle im alten Kragenechsengehege aufgestellt. Diese ist mit einer Grundfläche von 40x40cm etwas kleiner als die beiden anderen Höhlen, wird aber von den Gürteltieren bis heute bevorzugt.

Erstens kommt es anders

Letztlich war es dann vollbracht. Alle Glasscheiben waren als Schutz angebracht und die Schlafkästen fertig. Nun ging es an die Inneneinrichtung des Geheges Hierzu verwendete ich große Findlinge, die so platziert wurden, dass eine verbliebene Glasscheibe einfach zwischen ihnen eingesteckt und so das Gehege geteilt werden kann. Sollte es also einmal zu Nachwuchs kommen, so ist es ohne Aufwand möglich das Weibchen mit dem Nachwuchs abzutrennen.

Der Spalt zwischen Glasscheiben und Wand wurde mit Erde aufgefüllt, sodass der Bereich bepflanzt werden konnte, da die Pflanzen nicht durch die Gürteltiere erreicht werden können.

Nachdem also alles eingerichtet, der Boden mit einer dicken Schicht Rindenmulch bedeckt war und mehrere morsche Wurzeln als Beschäftigung eingebracht wurden, konnten endlich die Gürteltiere einziehen. Letztlich bezog ein Paar Braunborsten-Gürteltiere das Gehege, wobei beide Tiere unterschiedlicher Herkunft waren und erst im Gehege vergesellschaftet wurden. Dies gelang ohne Probleme, beide Tiere verhielten sich von Beginn an friedlich zueinander und erkundeten gemeinsam das Gehege.

Um ein Überklettern der Glasscheiben, die ja nur 30cm hoch sind zu verhindern wurden braune Kunststoffrohre mit einem Durchmesser von 8 cm der Länge nach eingeschnitten und oben auf die Glasscheiben gesteckt. Bis heute hat sich dieser Kletterschutz bewährt und ist von den Gürteltieren nicht überwunden worden.

Anders sah dies bei der Umrandung der bereits im Gehege befindlichen Palme aus. Zwar erschien mir der aus Findling geschaffene „Blumenkübel“ als zu hoch und steil, als dass die Gürteltiere ihn erklettern könnten, mein Weibchen brauchte jedoch nur Minuten, um einen Weg in die hinter der Absperrung befindliche Erde zu finden. Da ich nicht auf die Palme als optisches Element verzichten wollte, musste ich also nachbessern.

Dies war aber das einzige Problem, welches sich zeigte, ansonsten hat sich das Gehege mehr als bewährt und das darin untergebrachte Paar Braunborsten-Gürteltiere fühlt sich offensichtlich wohl. Bereits nach kurzer Zeit konnten erste Paarungsversuche beobachtet werden, die aber bisher ohne Folgen blieben.

 Fütterung

Die Fütterung der Gürteltiere erfolgt mit einer Mischung aus Hundetrockenfutter, kleingeschnittenem Obst, Insekten und Wurzelgemüse, wobei die Zusammensetzung täglich variiert und auch einmal eine Komponente fehlen kann. Ist es vorhanden, wird meist das Hundefutter bevorzugt gefressen, beim Obst sind es vor allem Bananen, die gern gefressen werden, Äpfel werden hingegen erst gefressen, wenn kein anderes Futter verfügbar ist. Auch Kartoffeln werden gerne gefressen, wohingegen Möhren eher verschmäht werden. Gerne nehmen die Gürteltiere auch Eintagsküken an, hierbei muss ich aber darauf achten, dass diese nicht in die Schlafhöhle eingetragen werden und dort vergammeln.

Damit die Zähne der Tiere ausreichend abgenutzt werden, gibt es zwei Mal in der Woche zusätzlich Weizenkörner beziehungsweise Mais, wobei dann die Gabe des restlichen Futters massiv reduziert wird, da sonst die Körner meist ignoriert werden.

Vergesellschaftung

In dem Gehege Gürteltiere befinden sich auch 1,2 Grüne Leguane (Iguana iguana), wobei das männliche Tier kastriert ist. Eine solche Vergesellschaftung muss immer genau bedacht werden, damit keine der Arten zu Schaden kommt. Vor allem dominante Leguanmännchen neigen dazu, allem zu imponieren, was ihnen in den Weg kommt. Leider ziehen sie dabei bei Gürteltieren nicht selten den Kürzeren, was schlimmstenfalls mit bösen Bisswunden enden kann. Im Falle meines kastrierten Männchens ist dies kein Problem zumal sich die Leguane nur selten im unteren Bereich des Geheges aufhalten und lieber die höheren Regionen (Deckenhöhe 2,50m) nutzen. Kam es dennoch einmal zu einem Aufeinandertreffen der beiden Arten am Boden, blieb bisher alles friedlich.

Neben der Gefahr von interartlichen Aggressionen ist auch die Gefahr von Krankheitsübertragungen nicht zu vernachlässigen. Aus diesem Grunde wurde vor der Vergesellschaftung veterinärmedizinischer Rat eingeholt und die Zusammensetzung erfolgte erst nach dem positiven Signal seitens des Veterinärs.

Bis heute ist es zu keinerlei Problemen gekommen, allerdings widme ich dem Gehege erhöhte Aufmerksamkeit, um im Falle eines Falles sofort eingreifen zu können. Bis dahin erfreut mich meine Südamerika-Gesellschaft täglich mit interessanten Einblicken  in ihre Verhaltenswelt.