Weißbüschelaffen ( Callithix jacchus) gehören gemeinsam mit Tamarinen, Zwergseidenaffen, Lisztaffen sowie einigen weiteren Arten zu den Krallenaffen.

Sie bevölkern große Teile Südamerikas, wo sie in Gruppen die Baumkronen des Regenwaldes bewohnen. Aber auch in Galeriewälder, Plantagen, Parks, und sogar in Städten sind sie zu finden.In letzter Zeit ist die Haltung von Krallenaffen insbesondere der Weißbüschelaffen in Deutschland sehr beliebt geworden. Viele Menschen wünschen sich einen Affen als Haustier, so wie der berühmte Filmaffe Herr Nilsson aus Pippi Langstrumpf. Dass sich Affen aber aus diversen Gründen nicht als Haustier eignen, vergessen oder ignorieren viele Leute.

Weißbüscheläffchen stellen enorme Ansprüche an ihren Halter, denen diese gerecht werden müssen. Da die Haltung und auch die Anschaffung der Weißbüscheläffchen nicht grade günstig ist und die Tiere gut und gerne zwischen 13 bis sogar 16 Jahre alt werden, sollte man sich gut überlegen, ob diese Affen etwas für einen ist.

Kosten der Affenhaltung

Grundsätzlich muss bei der Haltung von Affen bedacht werden, dass diese durchaus kostenintensiv ist. So sind nicht nur die Anschaffungskosten der Tiere und des Geheges recht hoch, auch die Stromkosten für das Heizen des Schutzraumes, die Kosten für die Ernährung und die Gehegeeinrichtungen reißen schnell ein Loch in die Kasse. Für eventuelle Krankheitsfälle muss ein Tierarzt bereitstehen, der sich genauestens mit der Behandlung von Primaten auskennt. Leider sind solche Spezialisten nicht einfach zu finden. Zudem ist die Behandlung von Primaten recht kostspielig.

Zu erwähnen wäre dann noch der Geruch. Alleine schon aus diesem Grund ist es vollkommen unmöglich, Affen im Wohnbereich zu halten. Weißbüschelaffen haben wie alle Primaten die Angewohnheit ihre Wege mit Urin zu markieren. Dieser ist recht scharf und riecht extrem intensiv. Wer ihn wegwischt in der Annahme, dass es dann nicht mehr riecht, hat falsch gedacht. Die Affen werden an der sauber gewischten Stelle gleich doppelt neu markieren. Säubern bringt also absolut nichts.

Abgesehen von dem extrem unangenehmen Geruch (besser Gestank) ist eine reine Wohnungshaltung auch sonst nicht artgerecht. Weißbüschelaffen haben einen unglaublichen Spieltrieb und untersuchen jeden Gegenstand genau. Dabei reißen sie u. a. Blumentöpfe, Bücher und andere Einrichtungsgegenstände von Tischen und Regalen. Auch wenn Weißbüschelaffen zu den kleineren Vertretern der Primaten zählen, sie haben nur Unsinn im Kopf und gehören daher in eine große Voliere, damit sie sich nicht versehentlich in der Wohnung beim freien Spielen schwer verletzen können.

 

Rechtliche Grundlagen

Ein weiterer Grund der oft nicht beachtet wird, sind die rechtlichen Maßnahmen die mit der Weißbüschelaffenhaltung zusammenhängen. In vielen Bundesländern benötigt man eine Haltegenehmigung, einen Sachkundenachweis sowie weitere Genehmigungen und Dokumente.

Den Sachkundenachweis kann man in Zoos oder Tierparks sowie bei vom jeweiligen Bundesland anerkannten Experten erlangen, wenn man dort eine Prüfung über Allgemeinwissen der Primaten und deren Haltung besteht. Desweiteren benötigt man einen Herkunftsnachweis der Tiere, der von seriösen Züchtern beim Kauf mitgegeben wird. In ihm steht die Adresse des Züchters, und des Käufers sowie besondere Kennzeichen, Geschlecht, Alter und Art des Tieres. Ohne einen Herkunftsnachweis besitzt man das Tier illegal. Kaufen Sie deshalb nur Tiere mit einem zweifelsfreien Herkunftsnachweis! Nach dem Erwerb müssen die Tiere unverzüglich beim Naturschutzamt bzw. bei der für die Durchführung der CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) zuständigen Behörde angemeldet werden.

Obwohl Weißbüschelaffen auf dem Washingtoner Artenschutzabkommen auf Anhang B stehen besteht für sie, anders als z. B. für Lisztaffen (Saguinus oedipus) keine Kennzeichnungspflicht.

Noch ein wichtiges Augenmerk ist die Voliere. Für diese benötigt man eine Baugenehmigung. Hierbei ist das Baurecht und gegebenenfalls auch noch das Nachbarrecht ­– für den Fall, das sich Nachbarn gegen die Haltung aussprechen – zu beachten. Schließlich muss das Gehege vom zuständigen Amtsveterinär abgenommen werden. Dieser wird auch die ordnungsgemäße Haltung in regelmäßigen Abständen kontrollieren.

Haltungsbedingungen

Wer sich nun nach diesen Informationen doch noch Weißbüschelaffen halten möchte, sollte für diese tollen Tiere eine große Voliere mit einer Mindestfläche von 15qm, bestehend aus einem Innen- und Außenteil bauen. Weißbüschelaffen lieben es, sich draußen an der frischen Luft aufzuhalten. Meine gehen sogar im Winter bei unter Null Grad Celsius für ein paar Stunden ins Freie und spielen im Schnee. Allerdings müssen ihnen dann im beheizten Schutzraum, in dem ganzjährig eine Temperatur von etwa 22 – 25° Celsius herrschen sollte,  zusätzlich noch ein bis zwei Rotlichtlampen angeboten werden, unter denen sie sich nach dem Spielen aufwärmen können. Im Sommer kann man ebenfalls Rotlicht anbieten, es ist aber nicht unbedingt notwendig. Die Möglichkeit für die Affen, sich nach eigenem Ermessen draußen aufzuhalten, stärkt Abwehrsystem und sorgt dafür, dass sie nicht so oft erkranken. Wichtig ist eine Außenhaltung noch für die Bildung von Vitamin D3, das durch die Sonneneinstrahlung bzw. die UV- Einstrahlung im Körper der Affen gebildet wird.

Zur artgerechten Einrichtung des Geheges sollten Kletteräste, Brücken, Schaukeln, Hängematten und Seile angebracht werden, um das Wohlbefinden der Äffchen zu steigern. Damit es ihnen mit der Zeit nicht zu langweilig wird, sollte die Einrichtung in regelmäßigen Abständen geändert, aber nie komplett erneuert werden. Da Weißbüschelaffen in der freien Natur in der Nacht in Baumhöhlen schlafen, brauchen sie bei uns eine Schlafkiste, um dort die Nacht zu verbringen. Diese Schlafkiste muss etwa 25cm lang und 25cm breit und hoch sein. Sie sollte an der Vorderseite mit einem runden Einschlupfloch versehen sein. Zur Reinigung muss der Deckel der Schlafbox oben leicht zu öffnen sein.

Die Ernährung der Weißbüschelaffen

Ein besonders wichtiger Teil bei der Haltung von Weißbüschelaffen ist die Ernährung. Sie sollte sehr abwechslungsreich und ausgewogen sein. Da Weißbüschelaffen Nahrungsspezialisten sind, darf man ihnen auf keinen Fall Sachen geben, die viel Zucker enthalten, sonst können die Tiere an Diabetes erkranken. Für die Verfütterung geeignete Obstsorten sind Bananen, Birnen, Weintrauben, Apfel (hier werden süße Sorten bevorzugt), Honigmelone, Wassermelone, Mandarinen, Kiwis, (grüne und gelbe) Kirschen, Ananas, Pfirsiche, Nektarinen, und Pflaumen. Neben diesen „normalen“ Obstsorten,  gibt es auch exotischere Sorten, die von den Weißbüschelaffen gerne angenommen werden. Hierzu gehören u. a. Feigen, Papaya, Kaki, Passionsfrucht, Guave, Mango, Litschie und  Granatapfel.
Auch Erdbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren, Johannesbeeren (rote und weiße) sowie Blaubeeren können angeboten werden, werden aber meist nicht angenommen. Neben Obst sollten auch verschiedene Gemüsesorten regelmäßig verfüttert werden. Gerne genommen werden Karotten, Paprika, Gurken, Tomaten, Kohlrabi, Rote Beete und Rettich.
Auch Brokkoli, Blumenkohl und Kartoffeln kann man geben, allerdings müssen sie vorher gekocht werden. Grundsätzlich muss das Obst wie auch das Gemüse vor dem Verfüttern gründlich gewaschen und geputzt werden, um evtl. anhaftende Spritzmittel zu entfernen. Wichtig ist auch, das Futter in mundgerechte Stücke zu schneiden, da die Affen nicht gerne von einer ganzen Frucht oder große Stücken abbeißen, bzw. große Stücke nach dem ersten Anbeißen wegwerfen, wodurch viel Futter verschwendet wird.

Gelegentlich können auch Haselnüsse, Sonnenblumenkerne, Walnüsse, Krachmandeln, Paranüsse und Kürbiskerne angeboten werden. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass die Affen die Nüsse lieber fressen, wenn man sie in einem Häcksler grob zerkleinert. Zwieback, gekochtes Ei, Reis und Nudeln sollten alle zwei bis drei Tage auf dem Speisezettel stehen. Auch Trockenobst kann man im geringen Maße füttern, aber hierbei ist wegen der Durchfallgefahr Vorsicht geboten.

Zusätzlich verfüttern kann man  Früchtemus mit Magerquark oder Naturjoghurt, dem Ossopulvid, Weizenkleie, Bierhefepulver, Korvimin und Gummi Arabicum beigemischt. Alles zusammen wird mit einem Pürierstab püriert. Um den Brei zu süßen kann man einen Esslöffel Multisanostol verwenden, wobei man hier auf die zuckerfreie Variante zurückgreifen sollte. Wichtig ist, dass der Brei nicht allzu lange im warmen Schutzraum steht, da sonst der Magerquark und der Joghurt sauer werden. Ein sehr wichtiges Futtermittel ist auch das inzwischen angebotene Fertigfutter für Primaten. Es gibt verschiedene Anbieter, da aber die Affen meist nicht alle Sorten mögen, muss man hier ein wenig ausprobieren.

Tierisches Eiweiß
Um die Weißbüschelaffen mit tierischem Eiweiß zu versorgen, kann man gekochtes Hühnerfleisch reichen. Besser geeignet sind jedoch Insekten. Diese sollten jeden Tag oder mindestens jeden zweiten Tag verfüttert werden, außer bei trächtigen Weibchen. Bei ihnen muss man mit der Insektenfütterung sparsam sein, da sonst die Babys zu groß werden und es möglicherweise Schwierigkeiten bei der Geburt geben kann.
Angeboten werden können verschiedene Arten von Heuschrecken, Grillen, Schaben, Larven, Heimchen und Zophobas (Larven des Schwarzkäfers). Alle werden sehr gerne gefressen.

Das Trinkangebot sollte nur aus Wasser oder ungesüßten Tee bestehen. Als Teesorten eignen sich vor allen Dingen verschiedene Früchtetees, Kamillen- und Fencheltee.

Weißbüschelaffen sind Gruppentiere

Affen sind Gruppentiere und leben sehr sozial, trotzdem wird fast immer der Wunsch nach einem Affen geäußert. Das geht gar nicht! Weißbüschelaffen dürfen nur paarweise oder noch besser in einer Familiengruppe gehalten werden. Eine Einzelhaltung ist weder tier- noch artgerecht. Einzige Ausnahmen sind Tiere, die durch physische und psychische Schäden nicht mehr in einer Gruppe integrierbar sind. Das oberste Ziel eines jeden Halters, sollte es sein, sich eine Familiengruppe aufzubauen. Dazu benötigt man ein blutsfremdes Pärchen und optimale Haltungsbedingungen.

Beim Kauf ist es sehr wichtig neben den Herkunftsnachweisen darauf zu achten, dass das Wunschtier aus einer Gruppe stammt und schon mehrfach Aufzuchten mitgemacht hat. Das bedeutet, dass es bei der Aufzucht seiner jüngeren Geschwister geholfen hat und so bereits für seine spätere Kinderaufzucht Erfahrungen gesammelt hat. Ist dies nicht der Fall, ist es sehr wahrscheinlich, dass die eigenen Jungen später nicht angenommen werden. Außerdem ist es wichtig, dass junge Tiere so lange wie möglich bei der Familie bleiben, damit sie gut sozialisiert sind. Sie müssen lernen, sich in der Familie einzugliedern und ihren Platz in der Rangfolge einzunehmen. Sie erfahren wie sie sich gegenüber ihren Eltern und Geschwistern zu verhalten haben. Da es für einen Affen nichts Schlimmeres gibt, als von seiner Familie getrennt zu werden, sollte er so lange wie möglich dort bleiben. Deshalb sollte ein Weißbüschelaffe beim Kauf nicht jünger als ein Jahr sein.

Am besten ist es sich eine Familie von insgesamt sechs bis acht Tieren aufzubauen. Wenn es mehr werden, sollte man allmählich reduzieren, da es bei zu großen Gruppen zu Beißereien und Mobbing von einzelnen Familienmitgliedern kommen kann. Grundsätzlich vertragen sich aber alle Familienmitglieder recht gut. Die Bindung wird durch schmusen, kuscheln und vor allen Dingen das berühmte Lausen aufrechterhalten und gefestigt. Wenn sich Weißbüschelaffen lausen, heißt das aber nicht unweigerlich, dass sie auch Läuse haben. Tatsächlich sind Affen recht saubere Tiere, die sich oft putzen oder putzen lassen.

Bei schönem Wetter legen sich die Affen auch oft auf Äste oder andere freie Flächen, um sich zu sonnen. Sie strecken ihre Glieder dann weit aus, damit auch überall Sonne hinkommt. Es macht auch sehr großen Spaß, den Affen beim Spielen zuzuschauen. Sie jagen sich gegenseitig durchs Gehege, verstecken sich in oder hinter Spielzeugen, hopsen wieder hervor und beginnen von vorn. Sie kugeln sich zu fünft in Körben und klettern Kletterleitern,  Brücken und Seile herauf und herunter.

Die Nachzucht

Wenn man den Weißbüschelaffen ein großes Gehege und  optimale Ernährung bietet,  sollte der Nachwuchs nicht lange auf sich warten lassen, wobei sich nur das Alphapärchen der Gruppe fortpflanzt. Deshalb darf man einem bereits eingesessenen Alphapärchen auch kein fremdes geschlechtsreifes Tier dazusetzen. Die beiden gleichgeschlechtlichen Tiere werden um die Alphaposition kämpfen und sich dabei schwer oder sogar tödlich verletzen. Etwa 150 Tage nach der Paarung, die man meist nicht beobachten kann, da sie in der Regel sehr heimlich stattfindet, werden die Weißbüschelaffenbabys meist nachts oder in den frühen Morgenstunden im Abstand von etwa 10 – 20 Minuten geboren.

Oft kann man bei der werdenden Mutter kurz vor der Geburt eine Verhaltensänderung feststellen. Sie wird ruhiger und bewegt sich langsamer und vorsichtiger durch die Gehegeeinrichtung. Allerdings ist das auch nicht immer der Fall. Meine Weißbüscheläffchendame fegt auch kurz vor der Geburt wie immer durchs Gehege. Man darf die Mutter bei der Geburt auf keinen Fall stören. Dennoch ist es vom Vorteil, sie bei der Geburt zu beobachten, um bei eventuellen Geburtsschwierigkeiten eingreifen zu können. Hierzu empfiehlt sich eine Kamera, die rund um die Uhr läuft und das Bild auf einen Monitor außerhalb des Geheges sendet.

Wenn die Jungtiere geboren werden, haben bereits offene Augen und klammern sich vom ersten Moment am Fell des Vaters, der Mutter oder eines Geschwisterchens fest und werden mit herumgetragen. Der Vater trägt die Jungen zu mindestens 75 – 80 %, die Geschwister (wenn bereits vorhanden) etwa 15 – 20% Die Mutter hat die Kleinen lediglich zum Säugen. Nachdem die Kleinen satt sind werden sie wieder zum Vater oder zu den Geschwistern gereicht.

In der Regel werden Zwillinge geboren, gelegentlich aber auch ein Junges oder sogar Drillinge, von denen das Schwächste aber meist während der ersten zwei bis drei Tage eingeht. Nur selten schafft es ein Pärchen alle drei Babys alleine und ohne menschliche Hilfe großzuziehen. Nach gut einem Monat fangen die Jungen an, alleine zu laufen – wobei sie aber trotzdem noch eine ganze Zeit lang bei jedem fremden Geräusch zum Vater oder dem nächsten Gruppenmitglied laufen, um sich festzuklammern. Sie laufen auch zu ihren Geschwistern oder Eltern und betteln lautstark um das Futterstück, das grade verzehrt wird. Da Weißbüschelaffen sehr gute Eltern sind, überlassen sie ihrem jüngsten Nachwuchs ihr Futterstück ohne jeglichen Futterneid. Direkt aus dem Napf fressen die Jungen erst gut einen Monat später, also mit einem Alter von zwei Monaten. 

Handaufzucht

Lassen sie möglichst immer die Eltern die Aufzucht machen und greifen sie nur ein, wenn sie genug Erfahrung haben und es wirklich notwendig ist. Handaufzuchten sind zwar zuerst sehr süß,  werden aber mit der Zeit – spätestens mit der Geschlechtsreife – aggressiv und fangen an zu beißen. Außerdem werden sie oft nicht mehr in die Familie aufgenommen und müssen alleine leben. Affen sind keine Kuschel- und Schmusetiere und sollten auf keinen Fall als solche behandelt werden. Informieren sie sich ausführlich vor dem Kauf der Weißbüschelaffen und gestalten sie das Leben der Zwerge so gut es ihnen möglich ist. Lassen sie die Affen Affen sein und erfreuen sie sich an den verschiedenen Verhaltensweisen einer großen Familie, die jeden Tag aufs Neue ihr Gehege erkunden und neue Spielmöglichkeiten (er)finden. Denn das bereitet einem die größte Freude an der Weißbüschelaffenhaltung.