Der Amerikanische Nerz (Neovison vison, früher Mustela vison), gehört zur Familie der Marder und stammt ursprünglich aus Nordamerika. In seiner Heimat wird er auch Mink genannt, eine Bezeichnung, die sich bei uns ebenfalls immer stärker durchsetzt. Mitte des 20. Jahrhunderts breiteten sich aus Pelztierfarmen entwichene Exemplare auch in Europa aus, zum Leidwesen des Europäischen Nerzes (Mustela lutreola), den er zunehmend verdrängt, weshalb die europäische Art heute als akut bedroht gilt.

Der Amerikanische Nerz erreicht eine Gesamtkörperlänge von 50–75 cm, die Fähe ein Gewicht von 700–1.400 g. Bei den deutlich größeren und schwereren Rüden variiert das Gewicht zwischen 1.600–2.800g. Damit sind die Amerikanischen Nerze um ein Drittel größer und schwerer als ihre europäischen Verwandten, was erklärt, warum diese den Neozoen aus Übersee kaum etwas entgegenzusetzen haben.

In freier Natur lebt der Amerikanische Nerz fast ausschließlich an dicht bewachsenen Ufern. Als echter Wasserfan hält er sich auch im Winter immer ein Loch in der Eisfläche offen, um jederzeit im dann kühlen Nass schwimmen zu können. Mit seinen Schwimmhäuten zwischen den Zehen und dem dichten, wasserabweisenden Fell ist der Mink optimal an ein Leben am Wasser angepasst.

Ernährung

Der Nerz ist ein Raubtier und ernährt sich von kleineren Säugetieren wie Kaninchen, Ratten oder Mäusen. Aber auch Fische, Frösche, Schnecken und Krebse, die er in und am Wasser erbeutet, zählen zu seinem großen Nahrungsspektrum. Nerze sind Einzelgänger und kommen in der Regel nur einmal im Jahr, zwischen Anfang Februar und Ende März, in der Paarungszeit zusammen. Da die Fähe in der Lage ist, die Einnistung einer befruchteten Eizelle hinauszuzögern, variiert die Tragzeit zwischen 40 und 80 Tagen und macht die Planung des genauen Wurftermins daher unmöglich. Die Welpen erblicken von Ende April bis Anfang Mai das Licht der Welt. In kleinen Höhlen und Nestern aus Fell, dünnen Ästen und Blättern säugt die Fähe die anfangs blinden und haarlosen kleinen Welpen, bis sie mit 5–6 Wochen langsam entwöhnt werden. Zum Ende des Sommers hin suchen sich die mittlerweile ausgewachsenen Nerze ein eigenes Revier.

Der Nerz als Heimtier

In jüngster Zeit werden Amerikanische Nerze als Heimtier in Privathaltung immer beliebter. Dabei ist ihre Pflege nicht einfach und sehr kostenintensiv. Keinesfalls kann sie mit der Haltung von Frettchen (Mustela putorius furo) verglichen werden, wie es leider immer noch auf vielen Internetseiten zu lesen steht. Für die artgerechte Haltung von Nerzen benötigt man ein Gehege von mindestens 10 m2 mit einem Teich und ausreichend Klettermöglichkeiten sowie einem isolieren Schutzhäuschen für die kälteren Tage. Nur dann kann man die aktiven kleinen Kobolde zufriedenstellen und ermöglicht ihnen, ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben. Dabei sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass das Gehege zu allen Seiten hin gut gesichert ist und der Volierendraht eine Stärke von mindestens 1,1 cm aufweist, da die Tiere dünneren Draht mit ihrem kräftigen Gebiss „knacken“ können.

In Menschenobhut wird die Paarhaltung empfohlen, da Nerze sehr aktive Gesellen sind und sich so gegenseitig gut beschäftigen können. Obwohl sie wie gesagt in freier Wildbahn Einzelgänger sind, dulden sich Paare, die zusammen aufgewachsen sind, in der Regel problemlos ihr Leben lang. Bei bereits ausgewachsenen Tieren dagegen ist eine Vergesellschaftung sehr heikel und kann tödlich enden, daher sollte sie nur von erfahrenen Haltern vorgenommen werden.

Eine Innenhaltung ist möglich, allerdings weitaus arbeitsintensiver und kann sehr nervenaufreibend sein, darum ist sie nicht für jeden geeignet. Hier kommt nur die freie Wohnungshaltung infrage. Einzelne Zimmer oder gar ein Käfig, auch wenn er die 10 m2 erreicht, sind nicht ausreichend, da die Wetter- und sonstigen Umgebungseinflüsse fehlen. Diese muss man mit ausreichend Platz und Alternativbeschäftigung ersetzen. Auch drinnen muss den Nerzen eine Schwimm- und Tauchgelegenheit von mindestens 250 l dauerhaft zur Verfügung stehen. Wer also keine dauerüberschwemmte Wohnung haben will, benötigt ein großes Badezimmer mit Platz für einen „Nerzpool“ oder einen separat gefliesten Raum. Auch muss man akzeptieren können, dass Nerze gute Kletterer sind und es daher keine „nerzsichere“ Höhe gibt, weswegen Dekoartikel und Pflanzen kein langes Leben haben und Schränke und Schubladen mit Kindersicherungen geschützt werden müssen.

Die Fütterung

Auch mit der Ernährung muss man sich etwas auseinandersetzen. Der Nerz hat nur einen relativ kurzen Darmkanal und der Magen ein lediglich geringes Fassungsvermögen von 50–100 g. Daher ist er nicht in der Lage, größere Futtermengen auf einmal aufzunehmen. Die Nahrung ist darum auf mehrere Mahlzeiten aufzuteilen. Trockenfutter wird in der Regel abgelehnt, darum muss man genau darauf achten, dass durch die Ernährung anderweitig alle Nährstoffe abgedeckt sind. Dies erreicht man am besten durch das Verfüttern ganzer Tiere, wie Küken, Wachteln, Tauben, Kaninchen, Mäusen und Ratten oder auch Fisch. Zusätzlich kann man ein hochwertiges Katzennassfutter ohne Getreide ab und zu beifüttern.

Die Haltung gemeinsam mit anderen Arten ist nur bedingt möglich. Nerze dulden nicht viele Tiere in ihrem Revier. Viele, selbst weit größere Tiere wie Katzen werden oft noch als Beutetier wahrgenommen. Nagetiere oder Ziervögel müssen gesichert und außerhalb der Sicht- und Riechweite der Nerze untergebracht sein.

 Nerz und Mensch

Auch die Frage zur Zahmheit wird häufig gestellt, lässt sich aber so einfach nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich ist der Nerz als Beobachtungstier einzustufen und sicher nicht als Kuscheltier. Nerze können aber bis zu einem bestimmten Grad zahm werden. Dies hängt natürlich größtenteils davon ab, inwieweit man sich mit dem Tier beschäftigt. Aber auch seine Vorgeschichte und natürlich sein Charakter haben großen Einfluss auf sein Verhalten dem Pfleger gegenüber. Nerze sind allgemein sehr menschenbezogen, neugierig und verspielt und wuseln mit ihrer charmanten Art gern um ihren Menschen herum. Festgehalten oder gar hochgehoben zu werden, dulden aber die wenigsten und zeigen dies auch schnell mit einem kräftigen Biss. Dieser ist nicht zu unterschätzen oder gar mit einem Frettchenbiss zu vergleichen. Im Umgang mit dem Nerz sind also Geduld und Einfühlungsvermögen erforderlich, um zu erkennen, wo die Grenze beim eigenen Exemplar liegt und um diese dann auch zu akzeptieren. Doch auch ohne dem Nerz ein Kuschelbedürfnis aufzwängen zu wollen, gibt es eine Menge Möglichkeiten sich mit dihnen zu beschäftigen, sei es bei ausgiebigen Spielen oder indem man ihnen kleine Tricks beibringt. Und nicht zuletzt, indem man sie einfach nur beobachtet, denn selbst ein schlafender Nerz hat noch einen unglaublichen Unterhaltungswert. Nerze sind extrem interessante, sehr intelligente, bislang noch oft unterschätzte kleine Gesellen, die lebendig auf jeden Fall so viel mehr geben können als tot in Form eines Kleidungsstückes.